Susanna Gartmayer

AOUIE – Solos for Bass Clarinet

GOD Records • 2015

Was da zwischen Susanna Gartmayers Händen und Lunge klemmt, ist das krasseste Bassmonster im akustischen Instrumentenpark: Die Bassklarinette. Mit solch dichten und plastischen Obertonspektren hat man sonst nur zwischen Dub- und Brostep zu tun. Es kommt nicht von ungefähr, dass man bei Gartmayers Spiel an elektronische Sounds und Genres denkt. Immer wieder durchläuft sie in ihren Stücken einen Parcours durch kantige Riffs, locker vorgetragene Quasi-Loops. Dabei spaltet sie ihre Melodien mittels Klappen-, Blas- und Zungentechniken (alle Stücken sind nach Vokalen benannt) auf, als würde sie mit der Zuschaltung elektronischer Effekte hantieren, mit Filtern, Verzerrern, Ringmodulatoren, und an einer Stelle ganz vordergründig: Vibrato. Brodelnder Acid oder auch Dancehall-Motive blitzen darin auf. Hat man sich auf diesen Hörmodus eingestellt, passen sich auch die Momente, in denen sie ihre Transformationen und Klangbrechungen über längeren, fließenden Tönen exerziert, in den elektronischen Wahrnehmungskontext ein. Dazwischen würzt eine perkussive Klappenetüde den Ablauf, die sich auf halbem Weg von John Cages präpariertem Piano zur Schreibmaschine in Afrika niederlässt. Aber eigentlich ist es die sportliche, körperliche Leichtigkeit, die diszipliniert knappe und dabei spielerisch zwanglos scheinende Freiheit, mit der Gartmayer ihre Klangchimären präsentiert, die diese überaus knackige 10″ zu so einer Perle machen. Eigentlich aus der bildenden Kunst kommend ist die Wienerin heute in diversen experimentierfreudigen musikalischen Kontexten zuhause, die von der Mitgliedschaft in Gemüseorchester und broken.heart.collector bis zu illustren Zusammenarbeiten mit Clayton Thomas, Gustav oder auch Philip Quehenberger reichen. Am Ende des zupackenden Openers erinnert uns eine lyrische Coda kurz daran, dass wir es mit einem klassischen Instrument zu tun haben: Augenzwinkernder Quantensprung des Glücks zwischen den Stühlen. Danach sind alle Türen offen.