Das Schlimme an Reissues ist ja: Es gibt einfach so wahnsinnig viel Musik, von der man nicht nur selbst nichts ahnt, sondern ein Großteil der Menschheit ebenfalls nicht. Bis die dann auf verschlungenen Wegen wieder ans Licht gezerrt wird, und man merkt: Da ist einfach noch unendlich viel mehr an Dingen, die man entdecken kann. Schlimm ist daran selbstverständlich bloß die Aussicht, dass man in der eigenen Lebensspanne nur einen sehr überschaubaren Teil dieser Musik wird kennen lernen können. Und dann erhält man etwa Gelegenheit, Bekanntschaft mit dem nigerianisch-schweizerischen Flötisten Tee Mac zu machen. Auf Platte jedenfalls. Und was dieser in Nigeria und Europa sozialisierte Funk-Euphoriker auf seinem 1980er Album »Night Illusion« zusammengetragen hat, sind vielleicht weniger typische Beispiele für nigerianischen Afrobeat, dafür durchaus elegante, von Disco und Boogie inspirierte Nummern, denen Tee Mac schon allein durch sein versiertes Flötenspiel und einige andere originelle Arrangement-Einfälle einen dezent aus der Zeit gefallenen Charakter verleiht. Was ihnen über die Jahre keinesfalls geschadet hat. Die Musikgeschichte muss jetzt vielleicht nicht sofort umgeschrieben werden, doch kann man allemal dankbar sein, dass diese einst privat gepresste Platte endlich auch Hörer jenseits des Digger-Spezialisten-Spektrums erreichen wird.

Night Illusion