Aus heutiger Perspektive ist es schwer nachvollziehbar, dass es in den USA Ende der 1970er Jahre zu Plattenverbrennungen gekommen ist, bei denen man Disco-Singles öffentlich in Flammen aufgehen ließ. Ein unrühmlicher Höhepunkt dabei war die Disco Demolition Night in Chicago 1979, bei der auch rassistische und homophobe Ressentiments zu dieser Gewalt gegen Dinge mit unguter historischer Parallele beigetragen haben. Von einem solchen Schicksal dürfte die »Disco«-Compilation von Soul Jazz Records die mittlerweile in die zweite Runde geht, verschont bleiben. Sie setzt vielmehr die Erinnerungsarbeit an eine Musik fort, die sich vom Underground zum weltweiten Mainstream-Phänomen entwickelte – unter Auslassung der allseits bekannten Major-Auswüchse. Auf der zweiten Ausgabe sind stattdessen die »großen« unabhängigen Disco-Labels Salsoul und T.K. Disco und längst vergessene sehr kleine Labels vertreten. Wieder bekommt man schöne seltene Stücke präsentiert wie Anita Maldonados knapp 17-minütige Aufforderung zum Tanz »What Can I Do To Make You Dance« oder Skip Jacksons mit Flanger-artigen Sound-Effekten experimentierenden »Micro Wave Boogie«. Und unter den bekannteren Namen gibt es von T.K. Disco mit »Africano« eine wunderbar reduzierte B-Seite des großen Timmy Thomas zu hören. In diesem Sinne: Strut on!
Tee Mac & Marjorie Barnes
Night Illusions
Soul Jazz
