Review

The Milk

Favourite Worry

Whas Wah 45s • 2015

Produzent Paul Butler hat schon so unterschiedlichen Künstlern wie Michael Kiwanuka und Devendra Banhart seinen unverkennbar warmen, analogen Sound verpasst. Nun hat der Engländer eine Band produziert, die eigentlich in klassischer Rock-Quartett-Besetzung mit Sänger, Gitarre, Bass und Drums auftritt. Allerdings haben sich The Milk dem klassischen Stax-Sound verschrieben, ohne dabei einfach nur auf den Retro-Soul-Zug aufzuspringen. Mit geringfügigen Streicher- und Bläser-Overdubs schwelgen sich die Londoner auf ihrem zweiten Album durch sehnsuchtsvolle Kompositionen wie »Deliver Me« und »Loneliness Has Eyes«, auf denen der Gesang von Rick Nunn nicht ganz zufällig an Bill Withers erinnert. Unglaublicherweise ist Nunn weiß wie das namensgebende Getränk. Im ultraentspannten »Lose That Way« meint man förmlich die süßlichen Rauchschwaden riechen zu können, die bei den Aufnahmen durchs Studio geweht sein müssen. Unter mehrstimmigem Falsett-Gesang in bester Impressions-Manier schwillt der Song zu einem sensationellen Finale voller Geigen und Sitar an. 45 fantastische Minuten ohne einen einzigen mittelmäßigen Song: »Favourite Worry« ist schon jetzt ein Klassiker.