Review

Torres

What An Enormous Room

Merge • 2024

»What an enormous room« – der Titel hätte kaum treffender sein können für den Raum, den Mackenzie Scott alias Torres mit ihrem neuen Album einnimmt. Gemischt und gemastert von TJ Allen und Heba Kadry, die schon den Sound von Bat for Lashes, Anna Calvi, Beach House oder Björk feingeschliffen haben, legt Scott hiermit ein musikalisches Statement vor, das sich gewaschen hat. Die von der Multiinstrumentalistin selbst geschriebenen und teils von ihr eingespielten Songs zeigen einmal mehr ihr lyrisches Talent. »Our only world is burning«, beklagt sie in »I Got the Fear« den Zustand der Welt und fragt »Are we all doomed to fulfill this prophecy?«. In »Happy Man’s Shoes« marschiert sie wieder unbekümmert und stolz einer Liebesbekundung entgegen. Zwischen chaotischen Gitarren und Orgel-Sounds positioniert sich Torres als toughe Künstlerin, die kein Herzschmerz dieser Welt, nicht einmal die Endlichkeit des Lebens erschüttern kann. Und trotz der repetitiven und motzigen Mantras kommt immer wieder diese Verletzlichkeit an die Oberfläche, die dem Album seine melancholische Tiefe gibt. Auf die im rockigen »Collect« gestellte Frage »Did I hit a nerve?« lautet die Antwort ganz klar JA. Von Winter Blues, Angst und Panik getrieben stellt Torres die großen Fragen – und das mal fragil, provozierend oder gleichgültig. »What An Enormous Room« ist ein Auf und Ab der Emotionen und definitiv eine Platte mit Ansage.