Review

Various Artists

Searchlight Moonbeam

Efficient Space • 2023

Auch Erwachsene wollen noch verträumte Träume haben. Meet Jack Rollo und Elaine Tierney. Die Beiden mixen als Time Is Away traditionell Ausmalbücher für Grown Ups, es darf ja auch einfach mal nicht weh tun. Ihre neue Compilation »Searchlight Moonbeam« spricht schon im Titel die Suche nach einer verlorenen Zeit an, Peterchens Mondfahrt und andere unschuldige Kinderdichtungen klingen an. Dazu grüßt vom Cover Penny Davenports Hündchen mit seinen naiven Manga-Augen. Darüber, wie diese Veröffentlichung aufgemacht ist und wie sie medial erzählt wird, und was das über den Zeitgeist aussagt, ließe sich absatzweise sprechen. Es soll an dieser Stelle die Beobachtung genügen, dass Rollo und Tierney mit ihren musikalischen Märchenreisen für gutgebildete Ü30er einen Nerv treffen.

Ihr »Ballads«-Mixtape genießt Legendenstatus.
»Searchlight Moonbeam« ist nicht nur Nachfolger dieser Compilation, sondern steht darüberhinaus in einer Linie mit der Über-Compilation »Sky Girl«, die ebenfalls auf Efficient Space erschien. Große Fußstapfen. Sie werden ausgefüllt. Und wie. Die 15 Titel sind nicht nur – bis auf vielleicht zwei Ausnahmen – für sich großartig, sondern auch perfekt aneinandergereiht. Irgendwann schwebt man in einem Heißluftballon über das Meer, natürlich hängt ein Bett dran und kein Korb.

Ein recht klassisches Folk-Stück eröffnet die Reise und schiebt das Grelle der Welt schnell ganz weit weg, Taiwanesischer Spoken-Word-Ambient weckt die Sentimentalität, ein Raga gibt der Erzählung ihren existenzialistischen Arthouse-Anstrich. Nach nur drei Titel hat diese Hörerfahrung bereits kräftig transportiert. Der arg ornamentalen Pop-Part danach (Titel vier bis sechs) kann zwischenzeitliche Abwehrhaltung auslösen, es folgt darauf aber angedubbter Post-Punk aus einer vernebelten Zwischenwelt, ganze sieben Songs hält diese Sequenz. Die wahrscheinlich hinreißendste des Jahres. Rollo und Tierney scheinen mit ihrem Ansatz über das Mittel der Musik Zufluchtsorte schaffen zu wollen. Allerdings nicht via Hedonismus, sondern über Entschleunigung und die Abkehr vom Dinglichen, hin zu einer Einkehr in Atmosphäre. Die entsteht ja meist erst in der Erinnerung, wie Andy Warhol es beschrieb. Es ist genau das, was »Searchlight Moonbeam« so meisterhaft gelingt: Die Compilation zu hören, fühlt sich an wie erinnern.