Wie es im Jahr 1977 in Brasilien unter der Militärdiktatur aussah, bekam man vor Kurzem beklemmend eindrucksvoll im Thriller »The Secret Agent« des Regisseurs Kleber Mendonça Filho vor Augen geführt. Ob dieser sich für den Kinostart mit dem Label Far Out abgesprochen hat, ist nicht bekannt. Doch grenzt es schon an Zufall, dass gerade jetzt das zuvor unveröffentlichte Album Nineteen Seventy Seven der brasilianischen Grupo Um erscheint. Dieses verdankt seinen Titel dem Entstehungsjahr; zum Film bietet es so das akustische Pendant: Man hört, wie es damals in Brasilien geklungen hat, und der musikalische Aberwitz, mit dem dieses Avantgardejazz-Ensemble zu Werke geht, passt bestens zum flirrend schwülen Fiebertraum, den der Film mitsamt Paranoia heraufbeschwört.
Bei Grupo Um brodelt es zu Beginn der Stücke zunächst bedenklich. Man weiß nicht recht, ob man gerade dabei ist, sich in einem Dschungel aus Bäumen oder einem aus Asphalt und Beton zu verlieren. Perkussion und Synthesizer erzeugen ein Dickicht an Sounds, das nicht ahnen lässt, wohin die Reise geht. Hier und da regiert durchgehend Chaos, mitunter geraten irritierend bearbeitete Stimmen in den Mix. In der Regel landet das Quintett aber bei rhythmisch komplexem Fusion-Funk, auf virtuos lässige Art hingeworfen. Die perkussive Basis ist, allem körpergeneigten Groove zum Trotz, gleichwohl so nervös angelegt, dass man sich selbst da nie sicher fühlen kann. In Brasilien hätte das seinerzeit nicht erscheinen können.

Nineteen Seventy Seven