Mary Lattimore und Julianna Barwick setzten sich in der Philharmonie de Paris mit Co-Produzent Trevor Spencer zusammen, um Tragic Magic innerhalb von nur neun Tagen aufzunehmen. Was erstaunt, steht dieses Album in einer Reihe von Kollaborationen, in denen das Label InFiné mit dem Musée de la Musique zusammenarbeitet und historische Instrumente in moderne Kompositionen einbringt. Was sich nach kompliziertem Einarbeiten in neue Möglichkeiten anhört. Was es aber für die beiden US-Künstlerinnen nicht war: Lattimore wählte für die Aufnahmen verschiedene Harfen aus, die klanglich für die Entwicklung des Instruments vom 18. bis zum 19. Jahrhundert stehen, Barwick griff zu verschiedenen analogen Synthesizern.
Tragic Magic stellt jedoch kein Experiment dar. Es ist eine stille Meditation über Klang und Schmerz. Sphärisch geerdet und geerdet sphärisch. Und genau darin liegt das Besondere dieser Platte: Schon »Perpetual Adoration« hebt durch die Synthesizer zum Sakralen an. Lattimore und Barwick machen mehr als nur einen Klangraum auf. Ihre Kompositionen strotzen vor Spiritualität.
Beackern andere Alben des Genres derzeit Klanglandschaften und elektronische Zwischenräume, strahlt Tragic Magic in jeder Sekunde Wärme und Ruhe aus. Experimente in diese Richtung gab es in den frühen Kreuzungen von Ambient mit Folk, aber kein Album erreichte bisher diese Schönheit. Nie hört es sich nach theoretischer Rumpelkammer an, vielmehr fließen auf diesem Album die Energien zusammen. Besonders Barwicks Gespür für Raum kombiniert sich mit Lattimores harmonischem Spiel zu einem himmlischen Erlebnis. Ein zartes, feines, erhabenes Meisterwerk.
