Julianna Barwick

Nepenthe

Dead Oceans • 2013

Ich kann mir einfach keine passende Gelegenheit vorstellen, in der ich Julianna Barwicks neues Album einfach so, im Alltag, anhören würde. Wenn ich mir auf Teufel komm raus eine aussuchen müsste, dann vielleicht folgende: Es wäre kalt draußen, ich würde narkotisiert auf der Couch liegen und im TV liefe eine Dokumentation, in der das Wachstum von Pflanzen im Zeitraffer gezeigt würde. Da würde ich den Ton ausstellen und mich von »Nepenthe« davon tragen lassen, in einen kristallklaren Zauberwald, in dem sich Feen gegenseitig sanft die Oberschenkel streicheln. Julianna Barwick übertrifft mit ihrem zweiten Album den Vorgänger, aber es ist halt doch sehr »spezielle« Musik. Auch »Nepenthe« ist wieder eine Kathedrale für Barwicks Stimme, die sich in etlichen Schichten und verschiedenen Tonhöhen im Raum wiederhallen und an- und abschwellen darf. Doch hat Barwick diesmal mit mehr Instrumenten gearbeitet und verlässt mit deren Hilfe hie und da mal ihre Wolke, um sich an irdischen Melodien zu versuchen. Wo das Album sich an Pop-Musik wagt, ist es am stärksten. Das meiste jedoch bleiben sphärische Klänge, ein bisschen Klavier und Barwicks Stimme, die durch die Songs geistert und gleitet. Das ist meditativer Feng-Shui-Pop für Fortgeschrittene, zu denen ich scheinbar nicht gehöre. Abgesehen von mir kann auch das Sandmännchen nichts mit diesem Album anfangen, da das Album es (das Sandmännchen) arbeitslos macht.

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Julianna Barwick
Nepenthe
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