Manche Alben erzählen Geschichten, während andere Zustände erzeugen. Guess I’ll Never Learn, das dritte Soloalbum des in Berlin lebenden Produzenten S. Fidelity, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Es wirkt weniger wie eine Sammlung einzelner Tracks als wie ein emotionaler Raum, durch den man sich treiben lässt. Die Songs gehen oft beinahe unmerklich ineinander über, Beats und Stimmen gleiten von einem Moment in den nächsten, als würde sich das Album selbst ständig neu formen. Inhaltlich kreist das Projekt um die wiederkehrenden Dynamiken romantischer Beziehungen, strukturiert in drei lose Akte. Doch statt diese Idee erzählerisch auszubuchstabieren, übersetzt S. Fidelity sie in Sound: in schwebende R’n’B-Produktionen, warme Basslinien und eine Atmosphäre, die zugleich leicht und melancholisch wirkt. Diese Ambivalenz – schwere Gefühle so sanft zu verpacken, dass sie fast schwerelos erscheinen – gehört zu den größten Stärken der Platte.
Die zahlreichen Gaststimmen, darunter Collard, Dawn Richard, Jerome Thomas oder Wandl (u. a.), erweitern dieses Gefühlsuniversum um unterschiedliche Farben, ohne den Fluss zu stören. So entsteht ein Album, das weniger auf einzelne Höhepunkte setzt als auf ein durchgehendes Schweben zwischen Intimität, Sehnsucht und stiller Euphorie: eine Art sexy Melancholie im besten Sinne.

I Guess I'll Never Learn
