Review Dance

Shinichi Atobe

Silent Way

Plastic & Sounds • 2026

Bis zum 1. Mai 2024 war Shinichi Atobe ein Mysterium. An diesem Tag veröffentlichte der Newsletter Tone Glow das erste Interview mit dem japanischen Techno-Produzenten, in dem dieser erklärte, dass er zuvor schlicht nie Interviews gegeben hatte, weil niemand jemals nachgefragt hatte. Es ist aber verständlich, warum ihn viele als Eremiten sehen wollten: Nach seiner EP Ship-Scope für Chain Reaction aus dem Jahr 2001 verstummte er für 13 Jahre, bevor er mit einem Album für Demdike Stares Label DDS zurückkehrte. Es war die erste einer Reihe von Platten, die circa alle zwei Jahre ohne einordnende Kommentare des Künstlers selbst erschienen. Es stellte sich heraus, dass Atobe kein großes Geheimnis barg. Immerhin bedeutete dies, dass seine Musik für sich selbst sprechen durfte.

Silent Way ist sein siebtes Album seit seinem unerwarteten Comeback und ein klassisches Atobe-Album von dem Moment an, in dem im Intro das Tonband zu rauschen beginnt. Es folgen lebhafte Kickdrums, komplex verschachtelte Akkorde und wirbelnde Melodien. Ein Großteil von Silent Way klingt nicht grundsätzlich anders als alles, was nach Yes aus dem Jahr 2020 folgte: verträumter und dennoch grooviger Dub Techno, der statt genreüblicher grüblerischer Introspektion auf Gutgelauntheit setzt. Gegen Ende der Platte nimmt sich Atobe indes einige Freiheiten heraus, etwa mit der gut zwölfminütigen Downbeat-Schönheit »Rain«, dem kurzen drexciyanischen Stück »Syndrome« und »Fractal«, wohl seine ureigene Interpretation von Underground Resistances »The Final Frontier«.

Silent Way zehrt keineswegs vom Mysterium, sondern wirkt vertraut und beruhigend. Allerdings kalibriert es auch die Koordinaten für Atobes musikalische Reise dezent neu. Es klingt, als würde langsam ein neues Kapitel aufgeschlagen.

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