Noémi Büchi ist offenbar eine Workaholic: Selbst eine Handvoll kleinerer Veröffentlichungen und ihre beiden Alben mit dem Schweizer Künstler Feldermelder als Musique Infinie nicht mitgerechnet, ist Exuvie ihr drittes Soloalbum in nur fünf Jahren. Auch treffen bei ihr Perfektionismus und Eklektizismus aufeinander. Während sie mit Musique Infinie zarte Dronescapes baut, die mal von entropischen Kick-Drums kontrapunktiert wurden und mal nicht, stellte ihr letztes Soloalbum Does It Still Matter diese Frage nach dem Konzept Genre überhaupt: Beat-Maximalismus à la Amon Tobin zu ISAM-Zeiten, blubbernde Ambient-Vignetten, Brostep-Derivate und Klavier-Träumereien standen darauf als gekonnte Demonstration ihrer Fähigkeiten nebeneinander, bildeten aber kein kohärentes Ganzes.
Genau das ist allerdings Exuvie. Obwohl Büchi in diesen elf Stücken die klangliche Intensität zurücknimmt und das Tempo drosselt, bleibt sie einem Sound treu, der gleichermaßen von der Deconstructed Club Music der 2010er-Jahre, Florian Hecker und Trance-Techno inspiriert zu sein scheint. Sie bettet gleißende Klänge, von denen einige – MIDI-Trompeten!? – offensichtlich mit einem Augenzwinkern ausgewählt wurden, in Midtempo-Beats ein, die gelegentlich mit zerhackten Vocals überlagert werden. Das Resultat ließe sich womöglich als Hyper-Trip-Hop bezeichnen – oberflächlich betrachtet übersteuert und maximalistisch, aber auf dem soliden Fundament eines elektronischen Ruhepulses aufgebaut. Das macht Exuvie nicht zu Büchis ruckligster, vielleicht aber verrücktester Platte.

Exuvie