Delphine Dora ist klanglich breit aufgestellt; ihr Musikschaffen bewegt sich zwischen in Echtzeit entstehenden Improvisationen, Neuer Musik und weirdem, bisweilen melancholischem Avant-Folk. Ihre Stimme setzt sie oft eher lautmalerisch ein. Mit diesem neuen Album erweitert sie ihre Klangpalette noch weiter. Dabei präsentiert sie sich ungewohnt rhythmusorientiert, die repetitiven Strukturen schaffen einen hypnotischen Drive.
Entstanden ist L’inéluctable pulsation du temps bereits 2018, quasi als instrumentelles Gegenstück zum Album L’inattingible (2020), ihrem bislang wohl bekanntesten. Einige der Tracks auf diesem Album hatten eine eher geisterhafte Anmutung. Bisweilen findet sich diese latent unheimliche Aura auch auf dem neuen Release, etwa im Eröffnungsstück »Ubiquité«.
Für ein Gegengewicht sorgen Klavier-Arpeggien, die perlend, bisweilen sogar kaskadenhaft klingen; minimalistische Kompositionen bilden das Fundament der Melodien. Im mäandernden »Flux« haben diese Melodien etwas geradezu Schwebendes, im Stück »L’accélération inéluctable« sind sie grundiert von dronigen Sounds. »Désynchronisation« übersetzt den Titel überzeugend in Klang. Man mag sich kaum entscheiden, welcher der Melodien man lieber folgt. Inspiriert sind die Titel der Tracks übrigens von einem Essay des Soziologen Hartmut Rosa über Entfremdung und Beschleunigung. Dora gelingt mit diesem Album etwas Soghaftes, weit entfernt von ihrem Signature Sound.

L'inéluctable pulsation du temps