»Wenn ich nach Brasilien zurückkehre, spüre ich eine Energie, die ich nur an wenigen anderen Orten bekomme«, sagte Fabiano Do Nascimento 2023 im Interview. Damals erschien Lendas, wofür der Gitarrist, wie nun auch für Vila, mit Komponist Vittor Santos kooperierte. Entstanden sind elf Songs, die das musikalische Talent der Brasilianer vereinen: Do Nascimento, der auch sieben- und zehnsaitige Gitarren virtuos beherrscht, und Santos, der als Posaunist und Arrangeur Erfahrung mit der Komposition von Tempi, Instrumenten und Stimmungen mitbringt sowie ein 16-köpfiges Orchester.
Vila ist eine Platte mit Herz und Nostalgie, auf der man die Liebe zur Musik heraushört. Spielte auf Lendas noch Do Nascimentos Gitarre die erste Geige, der Santos eine orchestrale Bühne baute, wirken die Instrumente auf Vila gleichberechtigt. Man merkt, dass dieses musikalische Experiment gelungen ist und die beiden Virtuosen all ihr Talent auf Vila nivelliert zusammenbringen. An einigen Stellen klingen die Instrumente, wie bei »Uirapurú«, so, als würden sie beiläufig und leiser im Hintergrund mitlaufen.
Das detailliert arrangierte Werk klingt nostalgisch und leicht durch Gitarrensoli und langgezogene, emotionale Geigen-Arrangements. Jeder Song hat eine eigene Seele. Bei »Trenzinho Imaginario« entsteht Dramatik durch Geigen im Austausch mit Gitarren. Der Track klingt mysteriös, treibend. Bei »Floresta Dos Sonhos« gibt zunächst Do Nascimentos Gitarre sanft die Melodie an. Eine ruhig-melancholische Stimmung baut sich auf, die hohen Geigen erinnern an japanische Ghibli-Anime-Filme. So entsteht ein Spannungsbogen, der ohne Worte eine Geschichte erzählt. Eine Platte, die durch Details und Präzision glänzt, während sie dem Hörer Raum für eigene Reflexion lässt.

Vila
