Die Red Hot Chili Peppers sind – nennen wir es – nicht so wohlgelitten unter musikalischen Bescheidwissern. Denen spricht ein berühmt gewordenes Zitat von Nick Cave aus der Seele: »Ich stehe ständig neben einer Stereoanlage und frage mich: ›Was zum Teufel ist das für ein Müll?‹ Und die Antwort lautet immer: ›Red Hot Chili Peppers‹.« Um aus dem Schema F seiner Hauptband auszubrechen, betätigt sich Bassist Flea gerne auf Nebenschauplätzen, unter anderem mit Damon Albarn und Tony Allen im Projekt Rocket Juice & The Moon und mit Thom Yorke in der Supergroup Atoms For Peace.
Jetzt erscheint sein spätes Solo-Debüt Honora. Es ist ein Jazz-Album, kein ein-bisschen-ein-Jazz-Album, kein so-ähnlich-wie-ein-Jazz-Album, sondern ein Jazz-Jazz-Album. Flea hat eine erstklassige Begleitband zusammengestellt: Gitarrist Jeff Parker, Saxofonist Josh Johnson, Bassistin Anna Butters und Schlagzeuger Deantoni Parks (The Mars Volta, Flying Lotus, André 3000). Er selbst singt ein bisschen, spielt Bass und Trompete – und das dermaßen gut und gefühlvoll, dass man sich fragt, ob er nicht vier Jahrzehnte lang in der falschen Band gespielt hat.
Honora ist ein beseeltes Wunderding aus Modern-, Avant-, Soul-, Spiritual- und Ambient-Jazz. Unglaublich, wie Flea das berüchtigte Gitarrensolo im Funkadelic-Cover »Maggot Brain« auf der Trompete umdeutet und Frank Oceans »Thinkin‘ About You« auslegt. Thom Yorke gastiert in »Traffic Lights«, und dass ausgerechnet Nick Cave Jimmy Webbs »Wichita Lineman« singt, ist die schönste Volte des Albums: Der Mann, der mit den Red Hot Chili Peppers nie etwas anzufangen wusste, adelt nun das Solodebüt ihres Bassisten.

Honora Black Vinyl Edition