»You can’t find anyone else like me«, singt Lindsey Jordan alias Snail Mail in der bittersüßen Bridge ihres neuen Albumopeners »Tractor Beam«. Nach wenigen Minuten bereits die nächste Superhook auszupacken, gehört zu Jordans großen Stärken – und sie hat recht: Als sie 2018 mit ihrem nahezu perfekten Debüt Lush auf der Bildfläche erschien und unsere Teenagerherzen mit glasklaren Bubblegum-Melodien wiederbelebte, folgten zahlreiche Acts, die eine ähnliche Stimmung einzufangen versuchten. Doch niemandem gelang das so überzeugend wie Snail Mail, die gewissermaßen zur – selbst noch ultrajungen – Patin dieser Welle gitarrenlastiger Herzausschütterinnen wurde. Und es geblieben ist.
Seit ihrem Debüt ist viel passiert. Bereits das Zweitwerk Valentine wurde von einem existenziellen Narrativ umkreist – Jordan kam damals aus der Entzugsklinik. Auch die neue Platte Ricochet steht im Zeichen einer schwierigen Erfahrung: Bei ihr wurden Stimmbandpolypen diagnostiziert, sie musste das Sprechen und damit auch das Singen neu erlernen. Ihre Stimme klingt heute tatsächlich anders als früher – wenn auch keineswegs so sehr, dass sie nicht wiederzuerkennen wäre.
Dennoch durchzieht das Album eine Aufbruchsstimmung: »I can’t remember who I was before«, singt sie im eleganten Highlight »Agony Freak«. Snail Mail bewahrt die stärksten Aspekte ihrer Musik und erweitert sie um neue Facetten: »Light On Our Feet« besticht durch Mühelosigkeit, während am Ende von »Cruise« Blechbläser auftauchen. Jordan klingt gereift – und beweist, dass sie auch jenseits von Teenagergefühlen tolle Songs schreiben kann.

Ricochet