Train On The Island ist ein Chamäleon: verspielt, harmonisch, melancholisch und quirky. Das fünfte Studioalbum der Neuseeländerin Aldous Harding zeigt einmal mehr, dass sich die Künstlerin nicht in irgendwelche Schubladen stecken lässt. Manche Tracks erinnern in ihrer Geschmeidigkeit – zum Beispiel »Train On The Island« – an Hardings Vorgänger Warm Chris aus dem Jahr 2022. An anderer Stelle klingen Indie-Rock und Folk durch, dann wieder Art-Pop. Harding lässt sich nichts sagen und sagt selbst: »I’ve been away too long.« Das zumindest sind die ersten Worte in »One Stop«, der ersten Single von Train On The Island – wohl wissend, dass vier lange, zähe Jahre seit Warm Chris vergangen sind. Und Herrgott noch mal, was war die Welt zäh in den vergangenen Jahren.
Produziert hat die Künstlerin das Album wieder gemeinsam mit John Parish. Die beiden sind eingespielt – und das hört man, arbeiten sie doch seit Jahren eng zusammen. Parish produzierte bereits Hardings Alben Designer und Warm Chris.
»I met the real John Cale, he had no words, but I don’t mind, I packed the stage while he ate rice«, singt Harding in »One Stop« weiter, versteckt hier und dort in den insgesamt zehn Songs viel Ironie und vielleicht sogar einen Hauch Sarkasmus. Und lässt, wie gewohnt, viel Raum für Interpretation in ihren Lyrics. Auch ihre Stimme setzt Harding theatral ein wie kaum eine andere: Sie singt nicht, sondern schlüpft in Rollen – die sind mal fragil, mal tough, mal versöhnlich, mal provokativ.

Train On The Island Black Vinyl Edition
