Erinnerung an die eigene Endlichkeit gefällig? Glenn Undergrounds Klassiker Atmosfear hat inzwischen 30 Jahre auf dem Buckel. Der Deep-House-Blaupause, die Meilensteinen von etwa Larry Heard in nichts nachsteht, hört man das nur insofern an, als sie vor Pioniergeist und Experimentierfreude strotzt. Dieses Album betrat weitestgehend unerforschtes Terrain und brachte seinerzeit unorthodox zusammen, was auf den ersten Blick nicht zwingend zusammengehörte: Seetaucher-Samples mit kräftigen Bläsern, langes, freigeistiges Klavierspiel mit Synths aus der »Washing Machine« und, wohl am wichtigsten, griffiges, analoges Drumming, das jeden Anflug von ziellosem Muckertum im Keim erstickt.
Atmosfear trifft so ziemlich die Mitte zwischen dem seriösen Tiefgang von Mr. Fingers und der Aufgekratztheit eines Paul Johnson und weiß, wann auf Samples von Analoginstrumenten zu verzichten ist – man höre nur den Maschinenfunk von »May Datroit«. Im Anschluss folgt der Überhit des Albums: Über »Colouration« hinweg antworten sich simple Fünf-Key-Akkorde, während im Hintergrund Pads wie Rauchschwaden auf- und abebben – simpel, aber effektiv. Wer diesen Track hört, weiß auch 2026 sofort, was Deep House bedeutet: Unmittelbarkeit, Glückseligkeit, Geborgenheit. Und natürlich kreative Basslines wie auf »Dance Slam«, die wie eine Penrose-Treppe keinen Anfang und kein Ende zu haben scheinen. Glenn Undergrounds größte Leistung ist es wohl, all diese Zutaten über die komplette Albumlänge hinweg zu einer Einheit verschmolzen zu haben.
