
The Roots
Undun
Def Jam • 2011 • ab 13.99€

Common
The Dreamer, The Believer
Think Common • 2011 • ab 10.56€
Sich neu zu erfinden hat Rick Ross nicht nötig, wer sich vom ersten Tag an als selbstzufriedener Ladiesman mit Cholesterin- und Coke-Habit geriert, muss nicht auf einmal beginnen Horkheimer zu zitieren. Was jedoch überrascht, ist, wie clever Rozay aus seinen begrenzten Möglichkeiten eine solch respektable Karriere aufgebaut hat. Nennt ihn Charles Oakley. Nun findet sich auf seinem aktuellen Mixtape Rich Forever erwartungsgemäß keine Hymne des Kalibers Hustlin oder Aston Martin Music, aber selbst dem größten Skeptiker seien die von der Justice League inszenierten Triple Beam Dreams ans – hoffentlich noch regelmäßiger schlagende – Herz gelegt, sei es nur wegen des absolut sensationellen Nas Vers.

Marsimoto
Grüner Samt
Four Music • 2011 • ab 20.99€
The Weeknd, Teil 3. Echoes Of Silence schließt die Mixtape-Trilogie des narzisstischen Post-R&B-Barden ab, riskiert mit einem Dirty Diana-Cover gleich zu Beginn sehr viel und veranlasst mich bei der qualitativen Einordnung dazu mich selbst zu zitieren: »Nicht, dass The Weeknds hipsterifische Umdeutung gängiger Schmonzetten-Klischees nicht Spaß machen und man ihm zu Bukkake-Parties mit Magermodels, bei denen hinterher viel geheult wird, gratulieren wollen würde, aber irgendwo hört man sich dann doch lieber einen aufrichtig angepissten The-Dream an als diese überzeichnete Karikatur. Was immer noch nicht heißen soll, dass Echoes Of Silence schlecht wäre«.
Juke hatte 2011 in der europäischen Wahrnehmung mit Machinedrums Rooms ein ähnliches Inititiatonsereignis wie im Jahr zuvor mit DJ Nates Da Track Genious. Nicht unter den Teppich kehren sollte man aber auch das völlig überdrehte Cashmere Sheets, ein kostenloses Bandcamp-Album von Patrice & Friends, das die Grundgrammatik von Juke nicht signifikant ändert, sie aber auf schmalztriefende R&B- und 80s-Boogie-Tracks überträgt. Das mögen bekannte Referenzpunkte sein, der Unterschied zwischen Cashmere Sheets und einem DJ Rashad-Track liegt jedoch darin, dass Patrice & Friends nicht in erster Linie an der radikalen Dekonstruktion des Ausgangsmaterials interessiert sind, sondern dieses viel mehr subtil editieren, so dass man am Ende fast schon glaubt, dass R&B schon immer auf 160 BPM lief.

Milyoo
Archeology
Opit • 2011 • ab 1.10€

V.A.
IOTDXI
R&S • 2011 • ab 29.99€
Dass Kollege Okraj und ich die Octo Octa Debüt-EP gebührend gefeiert haben, könnte bekannt sein. Wer so enthusiastisch mit 90er-Abfahrts-Zitaten spielt, Hochglanz-Klassiker samplet und dabei dennoch gänzlich uneitel wirkt, sollte auch ohne Erfahrung im Stande sein die Spannung auf Albumlänge zu halten. Betrachtet man, das nur als Tape erscheinende, Ruff, Rugged, Raw nun ganz streng als ausgewachsenes Artist-Album, so muss man jedoch den Kollegen von Fact zustimmen: so weit ist Octo Octa noch nicht. Rezipiert man diese Tracks jedoch als nette Dreingabe zu einer Tour, sind diese 11 Skizzen ein ermutigendes Zeichen für die Dingen, die noch folgen werden. Bei der Gelegenheit noch ein persönliches Anliegen: können endlich alle damit aufhören den Niedergang von 100% Silk mit Schmuddeletiketten wie Hipster House unnötig zu beschleunigen?
Viel mehr sollte man 100% Silk als genuines Tribute-Label an die Zeit sehen, die – glaubt man den immer noch sehr humanen Discogspreisen – immer noch nicht auf breiter Basis von Retrofetischisten kolonisiert wurde: die goldenen Neunziger, als Strictly Rhythm, Henry Street oder Relief gefühlte vier Platten pro Woche veröffentlichten. Ein Gegenbeispiel zu humanen Discogspreisen ist dann auch Boo Williams straight nach vorne jackendes, im Jahr 1996 über Relief veröffentlichtes Album Home Town Chicago, das vor kurzem über den neuen Ramp-Ableger Anotherday Records eine wohlverdiente und mittlerweile schon wieder vergriffene Neuauflage bekam. Geradlinige Tracks, die nicht von pseudoambitionierten Ambientinterludes aufgesogen werden, sondern ihre bedingungslose Flur-Bereitschaft meist schon in den ersten vier Takten vermitteln. Pflicht für alle, die sich auch mal länger als vier Minuten zu gerade eingepeitschten 130 BPM bewegen können.

Drexciya
Journey Of The Deep Sea Dweller I
Clone Classic Cuts • 2011 • ab 15.99€

D'Marc Cantu
Fallen
Creme • 2011 • ab 17.99€
Höchst galant verwaltet auch Conforce den Nachlass Detroits. Auf Escapism öffnet es sich mehr als zuvor auch House, die Claps fordern mehr, die Synth-Elegien lösen sich häufiger in Ekstase auf. Ein weiteres kaufenswertes Album.

Ali Renault
Ali Renault
Cyber Dance • 2011 • ab 22.99€
Er hatte es bereits auf seinem LWE-Podcast angedeutet, nun ist es auf Albumlänge nachzuhören: Tin Man lässt 303 und 707 im Schrank und konzentriert sich auf Vienna Blue vollständig auf avantgardistische, oft Kickdrum-lose Soundtrack-Stücke und suizidale Balladen in der Tradition von Nick Cave. Eigenwillig, aber mit etwas mehr Wumms, Rumms und Squelch gefällt er mir doch deutlich besser als mit Kammerspiel-Intermezzi.

The Big Pink
Future This
4AD • 2012 • ab 28.99€

Feist
Metals
Interscope • 2011 • ab 31.49€

The Black Keys
El Camino
Nonesuch • 2011 • ab 30.99€

Mustafa Özkent
Genclik Ile Elele
Finders Keepers • 2006 • ab 12.99€