Music Porträt | verfasst 03.02.2020
Mad About Records
Sündhaft sommerlich
Der Portugiese Joaquim Paulo kümmert sich mit seinem Label Mad About um die wirklich schwer zu findenden Schallplatten von Jazz bis Bossa Nova. Mit Erfolg. Wir stellen dir das Label ausführlich vor.
Text Nils Schlechtriemen , Übersetzung Nils Schlechtriemen
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Die Schallplatten von Mad About Records findest du bei HHV Records


Als Joaquim Paulo 1984 mit 17 Jahren beim Radio anheuerte, war seine Plattensammlung schon kaum mehr zu überblicken. Seit frühester Jugend begeisterte sich der Portugiese für die unerschöpfliche Vielfalt der Musik Brasiliens, die seit einigen Jahren in immer größeren Wellen zahlreicher Archivfunde, Reissues und Compilations über den großen Teich gen Europa schwappt. Verrückt nach neuen Ausdrucksformen der Bossa Nova, unentdeckten Perlen zwischen Funk, Jazz und Tropicalismo aber auch den tausend Facetten der Música Popular Brasileira, gründete Paulo Anfang des letzten Jahrzehnts Mad About Records. Die Ambition: Jenseits großer Namen wie Caetano Veloso, Gilberto Gil oder Tom Zé dem Untergrund des Landes samt seiner eigentümlichen Gewächse zu einer zeitgenössischen Hörerschaft verhelfen.

»Ich war schon früh ein aufmerksamer Beobachter der Welt der Plattenlabels, deren Promotion auch über die Radiostationen lief, bei denen ich arbeitete. Das war mein erster Kontakt und wahrscheinlich die Zeit, in der ich am meisten lernte. Über die Jahre traf ich die Köpfe diverser Labels, die mich inspirierten, und freundete mich mit einigen von ihnen auch an. Die wichtigste Begegnung war vermutlich die mit meinem großartigen Freund und Kollegen Gary Corben von Whatmusic. Ich erinnere mich noch an den Tag, als ich sein Büro in London betrat. Das hinterließ bleibenden Eindruck und brachte mich dazu, endlich den Traum eines eigenen Labels umzusetzen«, erinnert sich Paulo im Interview.

Ähnlich wie Mad About ist Whatmusic auf Reissues brasilianischer Musik spezialisiert, lässt sich aber genügend Freiraum auch jene eher unbekannten Interpreten aus Funk, Jazz und Soul neu aufzulegen, die etwa aus Belgien (Open Sky Unit), England (Graham Collier Septet) oder Finnland (Quintessence) kommen. War die Release-Frequenz bei Mad About in den ersten Jahren noch niedrig und beschränkte sich auf hervorragende Alben von Cecil Taylor, Randy Weston oder Toshiko Akiyoshi, zog das Tempo ab Mitte der 2010er stark an. Zunächst im Quartaltakt, dann beinahe alle paar Wochen folgten brasilianische Raritäten, die selbst erfahrenste Sammler nicht auf dem Schirm hatten und falls doch, für unerhörte Preise vom Discogs-Wucherer beziehen mussten. Welche Reissues also im Labelkatalog Platz finden und welche nicht, ist dementsprechend schnell geregelt. »Die Alben werden auf ganz einfache Weise ausgewählt: Es sind die Platten, die ich wirklich mag.« (Joaquim Paulo) »Die Alben werden auf ganz einfache Weise ausgewählt: Es sind die Platten, die ich wirklich mag. Andere Faktoren betreffen die Seltenheit und die Absurdität astronomischer Preise, die auf Plattformen wie Discogs verlangt werden. Natürlich bekomme ich aber auch Empfehlungen von Freunden mit guten Verbindungen in die Musikwelt«. Paulos Kontakte beschränken sich der Labelpolitik entsprechend weder geografisch noch musikalisch. Zwei seiner engsten Wegbegleiter: Der brasilianische Songwriter Ed Motta und Gilles Peterson von Brownswood Recordings. Der gab ihm letztes Jahr eine Kopie des 1983 in winziger Auflage und ohne Label gepressten Soul-Jazz-Kleinods »Out Of The Blue« von Imani, das via Mad About sogleich als hochwertige Vinyl 12“ wiederveröffentlicht wurde. »Gilles Peterson ist ohne Frage einer der größten Einflüsse überhaupt. Ich kenne ihn nun seit vielen Jahren aus den Büros von Talkin’ Loud [Petersons zweites Label, das er 1990 mit Norman Jay gründete, Anm. d. Verf.]. Er ist ein feiner Kerl, der mir etwa mit der Reissue der Imani-LP aushalf. Er lieh mir seine Kopie, die in viel besserem Zustand als meine war. Darüber hinaus respektiere ich seine Arbeit als bedeutende Bezugsperson seit Jahrzehnten.«

Gemein ist Paulo und Peterson, dass beide mit unbeirrbarer Offenheit dem gesamten musikalischen Spektrum von Funk über Jazz und Soul bis Swing, Folk und obskuren Soundtracks folgen, quasi alles hören und sammeln. Den Überblick darüber, wie viele Platten ihre Regale mittlerweile tatsächlich fassen, haben sie schon vor vielen Jahren verloren – 25, 40, 50 Tausend? Wen juckt es wirklich, wenn die Qualität der Veröffentlichungen bei diesen Zahlen so oder so bis zum Sankt-Nimmerleinstag gesichert ist. Selbst angesichts des wahnwitzigen Rhythmus neuer Reissues, den Mad About seit zwei Jahren an den Tag legt, können Freunde brasilianischer Musik jedweder Art auf nicht absehbare Zeit mit obskuren Funden erster Sahne rechnen. So wurde etwa im Juli 2018 der schlüpfrige Soundtrack zum brasilianischen Soft-Porno »Procura-se Uma Virgem« (»Suche nach einer Jungfrau«) von 1971 ausgegraben, damals von Pianist und Arrangeur Erlon Chaves mit dem Orquestra St. Moritz herrlich entspannt eingespielt. Säuselnde Orgeln, vitale Bläser und Perkussion, tolle Melodien – von diesen erotischen Grooves muss es doch noch mehr geben, auch wenn sie manchmal zu Unrecht als Gedudel verhöhnt werden. Und siehe da: Kaum ein Jahr später erschien mit Hareton Salvaninis »Xavana: Uma Ilha Do Amor« (»Xavana: Die Insel der Liebe«) von 1981 der nächste Porno-Soundtrack, dessen Tenor zum Liebemachen vielleicht etwas käsig kommt, aber die Begleitmusik fürs Feierabend-Tütchen stilvoller gestaltet als jeder Fließbandreggae. Nur zwei erste Höhepunkte im noch jungen Mad-About-Katalog. »Das sind Platten, die ich seit vielen Jahren besitze und deren Neuauflage immer ein Traum von mir war. Die Tatsache, dass beide Soundtracks für Softcore-Filme sind, ist purer Zufall«, insistiert Paulo. »Die Originale sind sehr rar, sehr teuer und hatten es verdient, wieder erhältlich zu sein. Besonders die Aufnahmen von Hareton Salvanini waren mir wichtig – er ist einer der am meisten unterschätzten und ignorierten Komponisten brasilianischer Musik.«


Die Schallplatten von Mad About Records findest du bei HHV Records


Von den süßen Sünden des Sommers wissen auch andere Künstler zu berichten, denen Joaquim Paulo zu spätem oder teilweise posthumem Ansehen unter Spezis des Untergründigen verhelfen will. Wie wäre es etwa mit der Neuauflage des exorbitant gelungenen »Flavor« von Mike Selesia, das bis zur Behandlung durch Mad About trotz seiner perfekt arrangierten Instrumentalvielfalt praktisch unbekannt war? Oder die eponymische zweite Scheibe von Ronie & Central Do Brasil, versüßt durch diese betörend lauwarme Leichtigkeit, nach der jede Badeseeszene verlangt? Oder »Mystic Beauty« von Reggie Andrews And The Fellowship, im Sommer ’69 erstmals erschienen, zwischen Post-Bop und Blumenkindern komplett untergegangen aber ein halbes Jahrhundert später als unschlagbarer Feel-Good-Score wiedergeboren? Oder »Gods In Brasil« des bereits erwähnten Gary Corben, der neben seinem Engagement als Whatmusic-Boss und Koproduktionen mit Gal Costa und Caetano Veloso auch eigene Songs schrieb, die aber seit Mitte der 1990er Jahre in der Schublade versauerten und erst durch den Produzenten Kassin in Zusammenarbeit mit Mad About das Licht der Welt erblickten? Oder der atmosphärische Latin Jazz auf Jamans »Sweet Heritage«? Oder, oder, oder.

»2020 wird ein sehr interessantes Jahr für Mad About. Ich habe einen ziemlich ambitionierten Veröffentlichungsplan und wundervolle Alben in petto.« (Joaquim Paulo)

Der Respekt des portugiesischen Labels für die Musik und ihre Urheber ist vom artgerechten Mastering über saubere Pressungen bis zu liebevoll aufgemachten Sleeves überall sicht- und hörbar. Trotzdem gibt es in den gar nicht mehr so sozialen Medien immer wieder haltlose Vorwürfe, das Label begehe Copyright-Verletzungen und setze sich über Künstler oder deren Familien hinweg. »Ich kann dazu nur sagen, dass alle Veröffentlichungen bei Mad About offiziell und sauber lizenziert sind. Ich verachte jede Form von Piraterie, Liebe Musik zu sehr und habe zu viel Respekt vor den Künstlern, sodass ich derart opportunistische Ansätze ablehne. Mir ist aber natürlich bewusst, dass es in der Musikindustrie Labels gibt, die ohne Autorisierung der Künstler deren Musik veröffentlichen und dass ich in den sozialen Medien allen möglichen böswilligen Kommentaren oder gar Lügen ausgesetzt bin – das ist wohl die gegenwärtige Realität. Doch damit kann ich leben«. Warum auch den Hatern mehr Aufmerksamkeit schenken, als ihnen zusteht? Mad About hat jetzt schon für die vergangene Musikwelt zu viel geleistet und für die Gegenwärtige zu viel vor, um sich von Unkenrufen unterbuttern zu lassen. In den Tonarchiven und Sammlerkellern dieser Welt schlummert noch so mancher Schatz, der gehoben und entstaubt werden will. Auch dieses Jahr soll es mit Eifer und Elan weitergehen.

»2020 wird ein sehr interessantes Jahr für Mad About. Ich habe einen ziemlich ambitionierten Veröffentlichungsplan und wundervolle Alben in petto. So etwa ein Release vom großartigen brasilianischen Musiker Luiz Eça, den er fürs Kino komponierte, den Beginn einer Serie von Compilations und endlich auch Reissues im 7“-Format. Zu Beginn des Jahres freue ich mich erst einmal über die Wiederveröffentlichung eines Albums von Guilherme Coutinho, das viele überraschen wird – ein völlig vergessenes Meisterwerk. 2020 werde ich außerdem neue Musiker in den Katalog aufnehmen. ›Gods In Brasil‹ von Gary Corben, produziert von Kassin war der erste Release und es gibt schon Pläne für ein Album von Alberto Continentino, einer der besten Musiker und Arrangeure neuerer brasilianischer Musik.«


Die Schallplatten von Mad About Records findest du bei HHV Records

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