Music Review | verfasst 06.09.2019
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Mad About Records, 2019
Text Christoph Benkeser
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7.1
Redaktion
Cover Reggie Andrews And The Fellowship - Mystic Beauty

Reggie Andrews ist nicht Herbie Hancock. Wollte er nie sein. Das hinderte ihn nicht daran, der Welt »mehr Herbie Hancocks zu schenken«, wie er in einem Interview meinte. Und tatsächlich. Die Musikgeschichte – nicht nur die der US-amerikanischen Westküste – wäre ohne Reggie Andrews eine andere. Vielleicht hätten wir ohne seinem Zutun einige der besten Alben der letzten 40 Jahre nie zu hören bekommen. Stellt euch vor, Thundercat, Patrice Rushen und Kamasi Washington wären nicht im Klassenzimmer von Reggie Andrews gesessen. Der Westküsten-Jazz würde noch in miefenden Kellerlokalen herumdümpeln, belächelt von den Anzug-tragenden Blue Note-Kolleg_innen am anderen Ende der USA. Andrews hat einige der einflussreichsten Jazzmusiker dieses Jahrtausends gefördert, war ihr Mentor – und verhalf ihnen zu Erfolg. Trotzdem ist er praktisch unbekannt. Der Mann hat nicht mal einen Eintrag bei Wikipedia. Und das, obwohl the mighty Andrews über 50 Jahre lang im Musikbiz unterwegs war. Für die Funk-Gruppe Dazz Band schrieb er 1982 das Grammy-prämierte »Let’s Whip«, saß einige Jahre früher als Techniker für Donald Byrd im Studio und arbeitete mit Earth, Wind & Fire an ihrem Brasilo-Soul. Die Vorzüge afrobrasilianischer Rhythmen eignete sich Andrews aber schon früher an. Er verband sie mit der Vorliebe für durchkomponierten Cool Jazz. Weil sich die Musik 1969 gerade in Woodstock abspielte, ging »Mystic Beauty«, das er mit seiner »Fellowship« – einigen Kumpanen aus Los Angeles – einspielte, aber im Pazifik unter. Alle schmissen Trips, niemand hatte Bock, sich an den Strand zu fläzen, um mit einem Cocktail in der Hand dem Sonnenuntergang entgegenzufiebern, während ein paar ausgefuchste Studenten auf Congas herumklopften und dem Piano Sand in die Mechanik schütteten. Irgendwie verständlich, die Zeiten ändern sich. Heute ist das die Platte zwar immer noch ein Geheimtipp, geht auf Discogs aber selten für unter 2000 Tacken weg. Hui! Da greift man lieber zur Neuauflage bei Mad About Records und investiert den Rest in bunte Drinks.

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