Music Porträt | verfasst 03.03.2020
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Text Christoph Benkeser
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Die Schallplatten von Kalahari Oyster Cult findest du im Webshop von HHV Records


Der Name ist schwieriger zu vergessen als zu erinnern: Kalahari Oyster Cult. Das 2017 von Colin Volvert gegründete Label für elektronische Clubmusik, die zwischen Nostalgie und pastellfarbener Techno-Utopie wandelt, schielt mit einem Auge auf den Dancefloor, um mit dem anderen die Geister der Vergangenheit auszutreiben. Das Label ist Schmelztiegel für vergangene Rave-Tage und Innovationsstätte zugleich. Ein Ort, an dem man die Verwertungslogik gegen DIY-Pragmatik tauscht; an dem es »menschelt«, weil’s drauf ankommt, was die Leute auf ihren Maschinen zusammenschrauben – und nicht, ob die Musik in den Beatport-Charts landen. In drei Jahren und nach über 20 veröffentlichten Platten entwickelte sich Kalahari Oyster Cult zum Eldorado für Künstler*innen aus der ganzen Welt. Mit Veröffentlichungen, bei denen Produzent*innen wie Roza Terenzi, A Psychic Yes und Liluzu das Ecstasy aus dem Körper schwitzen. Und vergessenen Klassikern, auf denen sich DJ Trance und Brain Pilot nochmal Wasser ins Gesicht spritzen.

Entstanden sei der Labelname aus einer Spielerei mit Worten, die sich zu etwas zusammensetzen, das nichts mit ihrer ursprünglichen Bedeutung zu tun habe. Der US-amerikanischen Heavy Metal-Band Blue Öyster Cult hat Volvert den Umlaut gekappt, dafür seine Vorliebe für Austern eingebracht – und den Kult als okkultes Narrativ wie als ästhetische Verknappung der Worte in einen Labelnamen gepresst. Das bleibt im Oberstübchen sogar nach drei durchgeschwitzten Nächten hängen. Dass Volvert, der mittlerweile als Rey Colino zu Partys auf der ganzen Welt gebucht wird, ins Plattengeschäft einsteigt, war aber gar nicht geplant. »Ich hatte gerade meinen Master in Kommunikationswissenschaft in der Tasche, wusste aber, dass ich auf keinen Fall im akademischen Feld bleiben will«, sagt Volvert. Einige Monate vor seinem Abschluss läuft er Otto Kraanen, den Besitzer des Amsterdamer Labels und Plattenladens Bordello A Parigi, über den Weg. »Das war tatsächlich der Moment, in dem ich wusste, wo es hingehen kann.« Kraanen bietet ihm einen Job an, Volvert arbeitet sich hoch. Vom Praktikanten zum Manager, der im Vertrieb genauso mitmischt wie beim gleichnamigen Label. Bei Bordelleo A Parigi erscheinen Synthwave-Platten neben Italo Disco-Compilations. Volvert betreut Künstler*innen und Labelseite, vernetzt sich in Amsterdam, hört noch mehr Musik.

»Ich möchte Musik veröffentlichen, die das Verhältnis zwischen 90er-Nostalgie und heutigem Sounddesign in einer Welt zusammenfasst.« (Colin Volvert) Die Entscheidung, etwas Eigenes zu probieren, sei schließlich aus dem Bedürfnis entstanden, einen Fuß in die Club-Türen der Amsterdamer Szene zu klemmen. »Ich wollte all das einbringen, was mir während der Zeit bei Bordello A Parigi von anderen Labels und Promoter*innen, Clubs und Künstler*innen auf einem Silbertablett gereicht worden war«, so Volvert –, der damit auf jene Art von House abzielt, der zwischen Monstera-Stauden in riesigen Einkaufszentren aus knarzenden Lautsprechern blubbert, sich drei Staffeln X-Files reinzieht und trotzdem nicht den Bezug zum pumpenden Sound der Gegenwart verliert. »Ich möchte Musik veröffentlichen, die das Verhältnis zwischen 90er-Nostalgie und heutigem Sounddesign in einer Welt zusammenfasst. Dafür beschränke ich mich nicht auf ein Genre, auch wenn ich die Musik für den Dancefloor aussuche.« Konkret heißt das: im Morast nach Perlen tauchen, Lizenzen für Reissues aufstöbern und mit den Produzent*innen zusammenarbeiten, die entweder noch nie, oder seit über 20 Jahren keine Platten veröffentlicht haben.

»Ich versuche das Angebot zwischen neuer Musik, Reissues und Compilations auszubalancieren«, so Volvert, der damit nicht nur das Publikum, sondern auch sich selbst überraschen will. Neben Kalahri Oyster Cult betreibt der Belgier seit 2019 die Oyster Tribe-Reihe, mit der er sich auf langsamere Percussion-Musik aus der Vergangenheit konzentriert und mit neuen Remixes auffettet. Zwei Platten sind draußen, »die dritte ist in Produktion und kommt noch vor dem Sommer 2020.« Außerdem gestaltet Volvert zusammen mit DJ soFa die erfolgreichen »Elsewhere«-Compilations. Und weil damit zwar viel, aber noch immer nicht genug gesagt ist, stößt 2020 Kalahari Oyster Ballads dazu – eine Serie, die sich auf Ambient und Downtempo konzentrieren werde.

All das gehe Hand in Hand mit Volverts persönlicher musikalischen Entwicklung. Ob der unaufgeregte 90s-Deep House von X-Ray-Gründer Raymond Castoldi neben den Post-Rave-Sound des belgischen Brüderduos um Stefan und Dimitri Van Elsen passt, ist keine Frage des Empfindens, sondern pure Überzeugung. Wenn also junge Downbeat-Producer aus Down Under mit den Uralt-Acid-Tribal-Sounds von DJ Trance im selben Teich fischen, hat Colin Volvert alles richtig gemacht. »Es ist nicht schwer, Parallelen zwischen dem Output von Kalahri Oyster Cult und meiner ständigen Suche nach neuen Sounds zu ziehen«, so der Labelboss. Der Geschmack verändere sich, er mäandere in einem dynamischen Feld, entwickle sich weiter. »Das ist ein großer Vorteil für die Kontinuität eines Labels. Schließlich bedeutet das auch, eine größere Freiheit bei der Auswahl für neue Musik zu haben und gleichzeitig mehr Leute abzuholen«, so Volvert. »Aber wer weiß, was ich in der Zwischenzeit noch alles finde.«


Die Schallplatten von Kalahari Oyster Cult findest du im Webshop von HHV Records

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