Music Interview | verfasst 28.05.2020
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Text Till Wilhelm , Fotos Till Wilhelm
Eloquent+knowsum+hhv

Eloquent und Knowsum haben ein neues Album veröffentlicht. »JLALSD« wurde zunächst für sieben Tage zum freien Download feilgeboten, letzte Woche erschien das Album nun auf Schallplatte mit zusätzlichen Interludes und und im exklusiv bei HHV Records erhältlichen Bundle mit Bonus Vinyl 7". »Jaylib auf LSD«, so der volle Titel des Albums, steht für durchdachte Lyrics, neue Flows und ruhige, aber verspielte Beats, die inhaltliche Breite zieht sich von klassischem Battlerap über den Tod bis hin zu Liebesthemen. Im Videochat sprechen sie über Antrieb und Inspiration, über Competition und Wertschätzung und natürlich über »Champion Sound«, das 2003 erschienene Album von J Dilla und Madlib, an das sich der Titel anlehnt.

Eloquent, du hast in den letzten zehn Jahren ungefähr zwei Alben pro Jahr veröffentlicht. Was treibt diese Produktivität an?
Eloquent: Innere Unruhe, fehlende Gelassenheit, die Unfähigkeit, zu rasten. Ich kann mich nicht zurücklehnen und einfach nur genießen, wenn ich was veröffentlicht habe. Nicht alles, was man veröffentlicht, ist perfekt, das ist auch gar nicht mein Anspruch. Bei Kunst ist es wichtig, loszulassen und das eigene Werk zu akzeptieren.

Erzählt doch mal vom Produktionsprozess des Albums.
Knowsum: Es ging schnell, zwei Monate ungefähr. Das ist schön, weil das der dritte Versuch war, ein gemeinsames Projekt zu erschaffen.
Eloquent: Die Tracklist des Albums ist die chronologische Reihenfolge, in der die Songs entstanden sind.
Knowsum: Die Interludes kamen dann allerdings nachträglich. Es lief einfach richtig gut.
Eloquent: Wir waren kaum zusammen im Studio. Ansonsten wär das Album wahrscheinlich in drei Wochen fertig gewesen. Effizienz ist gar nicht mein Ziel, es passiert einfach.

Was schätzt ihr am jeweils anderen?
Eloquent: Ich bin schon seit Jahren großer Fan. Vor längerer Zeit habe ich einen sehr jungen Knowsum bei einem Newcomer-Wettbewerb, an dem ich selbst teilgenommen habe, zum ersten Mal gesehen. Mich hat damals fasziniert, dass er so jung war, aber die krassesten Samples hatte.
Knowsum: Auf »JLALSD« gefällt es mir besonders, dass Elo sich ein bisschen vom klassischen Rap-Ding entfernt und sich beispielsweise traut, zu singen. Das passt gut zu meinen melodischen Beats.

Ich habe das Bedürfnis, geil zu rappen, weil es Spaß macht. Wir lassen unseren Wert nicht mehr fremdbestimmen. Wir wissen, dass wir gut sind. (Knowsum)

Wann habt ihr »Champion Sound« zum ersten Mal gehört?
Eloquent: Ich habe das als Leak gehört, noch bevor es offiziell erschienen war. Da waren auch noch mehr Tracks drauf, ein paar Beats waren anders. Man sieht an dem Album, dass die beiden genau wissen, was sie machen.
Knowsum: Ich war elf Jahre alt, als das rauskam, habe aber lustigerweise immer »The Official« mit meinem Vater im Auto gepumpt. Da wusste ich noch gar nicht, wer das ist, aber den Beat fand ich übertrieben geil.
Eloquent: Das war übrigens auch das Sample, über das Knowsum dann Jahre später bei diesem Contest gerappt hat.
Knowsum: Erst vier Jahre später ging es dann bei mir los mit dem Beatmaking. In der Zeit habe ich das Album dann für mich wiederentdeckt.

Das Album präsentiert ja auch ganz gut, dass man sich nicht unbedingt auf eine Disziplin festlegen muss.
Eloquent: Es gab vorher schon Pete Rock oder Diamond D, die sowohl Beats gemacht als auch gerappt haben. Das große Novum war, dass sich hier zwei Produzenten die Bälle zuspielen.
Knowsum: Dieses Konzept haben wir ja auch auf der Vinyl 7-inch aufgegriffen.
Eloquent: J Dilla und Madlib haben damals viel dafür getan, dass man heute interdisziplinär sein kann als HipHop-Artist. Heute reicht es oft nicht mehr, eine Sache gut zu können. Du bist vielleicht Rapper, aber am besten bist du dazu noch Social Media-Profi und Regisseur und alles in Personalunion. Andererseits geht es ja auch darum, verschiedene Rollen auszuprobieren, Musik ist facettenreich. Mir wäre es extrem langweilig, zwanzig Jahre das Gleiche zu machen.

Habt ihr das Gefühl, euch beweisen zu müssen?
Eloquent: Competition gehört zu Rap. Ich will gute Musik machen und Anerkennung, aber das sollte nicht der einzige Antrieb sein. Mit den Jahren lernt man die eigenen Qualitäten kennen und kann sie wertschätzen.
Knowsum: Ich habe das Bedürfnis, geil zu rappen, weil es Spaß macht. Wir lassen unseren Wert nicht mehr fremdbestimmen. Wir wissen, dass wir gut sind.

Eloquent & Knowsum – JLASDVinyl LP + Vinyl 7inch Was denkt ihr über den Leistungsgedanken im Deutschrap?
Eloquent: Find ich richtig ekelhaft. Diese »Du kannst alles schaffen«-Mentalität ist einfach nicht wahrheitsgemäß. Es gibt auch keinen Anspruch auf Glück. Nicht jeder kann alles schaffen, nicht jeder kann sich ordentliche Bildung leisten. Auch nicht in Deutschland.
Knowsum: Das beschränkt sich ja nicht nur auf Hip-Hop.
Eloquent: Ich rappe ja auch: »Streben nach Glück ist ein ewiger Lauf im Hamsterrad einer kranken Gesellschaft«. Viele schaffen ihr ganzes Leben und können trotzdem nichts erreichen, ohne sich enorm zu verschulden. Nicht jeder Wunsch ist für jeden erfüllbar.

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