Music Kolumne | verfasst 10.11.2020
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Text Kristoffer Cornils
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Als Kieran Hebden im Januar 2010 im Alter von 32 Jahren das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen. Aufgewachsen ist er in Putney, London, und hat die Elliott School besucht, die zu ihren Alumni nicht nur Pierce Brosnan und Fleetwood-Mac-Gründer Peter Green zählt, sondern die später auch Hot Chip, The xx und Burial hevorbringen soll. Dort gründete Hebden die Band Fridge, unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag im zarten Alter von 15 Jahren und veröffentlicht mit der Gruppe ab 1999 eine Reihe von Alben auf Trevor Jacksons Label Output, während er sich parallel ab 1998 als Solo-Künstler unter dem Pseudonym Four Tet einen Namen machte und drei Jahre später mit Text Records sein eigenes Imprint gründete.

Derweil Fridge instrumentellen Post-Rock machen, ist die Palette von Hebdens Solo-Schaffen weitaus breiter: Downbeat und Hip-Hop, Jazz und Folk, das alles findet auf seinen Platten nahtlos zueinander und erreicht auf »Rounds« im Jahr 2003 seinen Höhepunkt. Bis auf eine einzige Gitarrenspur sampelt sich der Produzent ein ganzes Album aus Versatzstücken zusammen und wird damit als Federführer des von der Musikkritik herbeigesponnenen Genres Folktronica zwangsidentifiziert.

Was also macht Hebden? Ganz einfach: alles anders als zuvor. Er tourt mit Radiohead und remixt Stücke der Band, kollaboriert mit dem Jazz-Drummer Steve Reid und bringt mit »Everything Ecstatic« eine zwar fröhliche, musikalische aber sperrige Platte heraus. »Ringer« im Jahr 2008 allerdings beweist, dass Hebden sich nebenbei auch für spartanischen, scharfkantigen House und Techno interessiert, wie er sie im Rahmen einer Residency im Club End auflegt. Die Doppel-EP markiert eine allmähliche Annäherung an Dance Music, die im Folgejahr von zwei Singles unterstrichen wird. »Moth / Wolf Cub« entsteht gemeinsam mit dem ehemaligen Schulkameraden Burial und ist eine Sensation. Vor allem die UK-Garage-inspirierte A-Seite mit ihrem pulsierenden Groove schlägt ein wie eine Bombe und trifft bei Indie-Kids wie House-Heads einen Nerv.

Schon im November legt Hebden nach und unterstreicht mit »Love Cry« seine neue Ausnahmestellung als Brückenbauer zwischen Zuhausehör- und Club-Musik. Nachdem bereits Labels wie DFA während der Nullerjahre die Synthese aus Rockmusik und elektronischen Rhythmen vorgeprägt hatten, ist der Weg für Four Tet und Gefährten wie Bonobo – der im März 2010 »Black Sands« veröffentlicht – und Caribou – der nur einen Monat später »Swim« nachlegt – endgültig geebnet. House, Downbeat, Disco: Das alles findet plötzlich bei der Röhrenhosen-Crowd genauso seinen Anklang, wie es auch auf dem Dancefloor funktioniert. Dort testet auch Kieran Hebden sein neues Material vor Veröffentlichung ausgiebig aus und die Crowd im legendären Londoner Club Plastic People bestätigt ihm, dass es genau dort aufgeht.

Ein Künstler, der sich niemals wiederholen will, entdeckt die Sogwirkung repetitiver Rhythmen.

Doch stehen die 2-Step- und House-Anleihen auf »There Is Love In You« nicht als reiner Selbstzweck für sich, sondern liefern nur den Ruhepuls für ein Album, auf dem Four Tet sein Gesamtwerk destilliert. Denn nach reiner Clubmusik klingt diese Platte allerhöchstens aus dem Nebenraum, wenn der Subwoofer die Raufasertapete durchmassiert. Stattdessen entdeckt ein Künstler, der sich niemals wiederholen will, die Sogwirkung repetitiver Rhythmen. Darin indes äußert sich mehr sein Interesse an Minimal Music und Post-Rock als für das, was zu dieser Zeit die Beatport-Charts anführt.

Dieser Referenzrahmen ist es letztlich auch, der Hebden von einem Zeitgeist abhebt, welcher einerseits von der Vergangenheit besessen und andererseits in einem rasenden Stillstand gefangen scheint. »Alles bewegt sich gleichermaßen schneller und langsamer, falls das Sinn ergibt«, sagt er kurz nach Release von »There Is Love in You« gegenüber dem Magazin The Village Voice über die grassierende Retromanie an der Schwelle von einem Jahrzehnt zum anderen. Der Nostalgie und Verbissenheit setzt er ein Gefühl von »bliss« gegenüber, wie er einem anderen Interview erzählt – Glückseligkeit, Wonne, Selbstauflösung in der Freude.

Als er zum ersten »Love Cry« im Club spielt und nach gut viereinhalb Minuten jazziger Breakbeats und plärrender Synthie-Sounds das ikonische Vocal einsetzt, beginnt das Publikum im Plastic People zu johlen, obwohl niemand von ihnen den Track zuvor je gehört hat. Kein Wunder, dass er dem Club mit dem Titel eines Tracks Tribut zollt, dessen unruhiger Beat an seine Burial-Kollaboration aus dem Vorjahr erinnert. Und so ist dann »There Is Love in You«, für das Hebden fragile Melodien über pumpenden Grooves ineinander webt und für das er sogar den Herzschlag seines Patenkindes sampelt, im Gesamten auch weniger eine Dance-Platte denn vielmehr eine Ode an das Gefühl von Gemeinsamkeit und Einheit auf einem trockeneisnebligen Dancefloor: inwendig, aber nach allen Seiten hin offen.

Dementsprechend vielschichtig, voller Referenzen und Anspielungen ist die Musik auf »There Is Love in You« und bietet also ein gefundenes Fressen für Remixer wie Caribou, Jon Hopkins, Floating Points oder Joy Orbison, die sich vor allem an den offensichtlichen Hits wie »Love Cry« und »Angel Echoes« abarbeiten. Doch obwohl gerade diese zwei, ganz am Anfang des Albums platzierten Stücke herausstechen, können sie den Rest des Albums noch lange nicht in den Schatten stellen, weil sie der von einem gleißenden Licht durchdrungen wird. Da ist eben »Plastic People«, für das Hebden ein anderes Kind am Spielzeugklavier gesampelt hat, da sind die zirkulären Harfen-Klänge von, na ja, »Circling«, der bouncende Groove von »Sing« mit seinen verflochtenen Weirdo-Vocals oder langsame Nummern wie »The Unfolds« oder »She Just Likes to Fight«, das mit seinen Gitarrenklängen an »Slow Jam« von »Rounds« erinnert und nebenbei auf die Post-Rock-Vergangenheit ihres Urhebers verweist.

Four Tet – There's Love In YouWebshop ► Vinyl 3LP »There Is Love in You« ist das Album eines Produzenten, der neue Pfade einschlägt, indem er sich ständig seiner eigenen Vergangenheit rückversichert, ohne sie allerdings neu aufzukochen. Ein Zwischenschritt in einer Karriere, die in den nachfolgenden Jahren von immer mehr neuen Richtungswechseln geprägt war: Eindeutiges Club-Material wie die auf der Compilation »Pink« versammelten Stücke bereiteten einerseits auf seinen fabric-Mix wie auf das im Jahr 2013 veröffentlichte Album »Beautiful Rewind« vor, Hebdens produktiver Auseinandersetzung mit seiner Pirate-Radio-Sozialisation, während »0180« im selben Jahr zwischen Downbeat, IDM und Jazz aus den Vollen schöpfte. Danach? Ambient, New Age, verschrobene Bollywood-Sample-Collagen. Mal besser, mal schlecht, immer eigensinnig.

Und alles mit einem bescheidenen Setup eingespielt, das mittlerweile zum Meme geworden ist, mit einem Kopf voller Ideen ersonnen und von nur einem einzigen Wunsch getrieben: sich nicht zu wiederholen. Denn der einzige, dem Kieran Hebden etwas beweisen will, ist er selbst. Mindestens mit »There Is Love in You« dürfte er es geschafft haben.


Die Musik von Four Tet findest du im Webshop von HHV Records.

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