Music Porträt | verfasst 07.11.2008
People Under The Stairs
Having Fun Is Not That Hard
Wer mit Hip-Hop noch immer alles andere als Spaß, gute Laune und eine fabelhafte Zeit assoziiert, der kennt People Under The Stairs nicht. Auch ihr neuestes Album Fun DMC ist ein Weckruf von der sonnigen Seite des Genres.
Text Jan Simon , Fotos Oliver Bernardt
285-peopleunderthestairs-www.hhv-mag.com

Das geht an alle Leute, die die gute Laune nicht ertragen können: Bitte NICHT weiterlesen und AUF KEINEN FALL Musik von People Under The Stairs hören! Eine der herausragenden Qualitäten der Herren Portugal und Turner ist es nämlich, dass ihnen die Sonne mächtig aus dem Gesäß scheint. Zwar hält sich das Gerücht wacker, das Album Stepfather aus dem Jahre 2006 sei eine ernste Platte gewesen (they had to get some things off their chests, namin…). Geht man dem auf den Grund, stellt man jedoch fest, dass Ernsthaftigkeit bei den People Under The Stairs immer noch deutlich heiterer daherkommt, als Spaß in – sagen wir mal – HipHop-Berlin. Nun präsentieren die beiden Musikverrückten, die sich seit ca. zehn Jahren in erster Linie als Thes One und Double K verdient machen, der Weltöffentlichkeit ihr sechstes Studioalbum: Fun DMC. Damit es jeder versteht, sind diesmal auch die Danksagungen eindeutig abgefasst – als Einfluss liebevoll erwähnt werden so illustre Künstler und Songs wie Funadelic, 100 Miles And Funnin, Fundoobiest, Lords Of The Funderground, Bitch Betta Have My Funny wie auch Bugs Funny und die weltbekannten Air Force Funs.

Wer das nun trotzdem gelesen und noch nie von den People Under The Stairs gehört hat, argwöhnt möglicherweise, dass Thes One und Double K sich eher lustig machen, als dass sie wirklich lustig sind, v.a. jedoch, dass sie nichts wirklich ernst nehmen. Das allerdings wäre weit gefehlt. Wahrscheinlich gibt es wenig produzierende MCs, die über HipHop und seine Grundlagen mehr wissen und Musik insgesamt mehr Leidenschaft entgegenbringen. Ein kleines, aber schönes Detail ist da schon der Bezug zu CTI Records, der bis zu Stepfather einschließlich in einer Anlehnung an das CTI-Vinyl-Label zum Ausdruck kam. Auf CTI – benannt nach Creed Taylor (Creed Taylor Incorporated), der zuvor bereits Impulse! aus der Taufe gehoben hatte – verewigten sich außer (Q-Tips Mann) Ron Carter (am Bass) und Milt Jackson v.a. Eumir Deodato und der legendäre Bob James. James†˜ Aufnahmen, die in voller Länge oft eher an Fahrstuhlmusik erinnern, beginnen nicht selten mit unglaublich funkigen Intros. So allen voran natürlich Take Me To The Mardi Grass, welches Grandmaster Flash – auch in Wildstyle, wo das CTI-Vinyl-Label in Flashs Küche gut zu sehen ist – für Hip-Hop unsterblich machte. So war es für die People Under The Stairs offenbar naheliegend, diesem Label, das mit verschiedenen Aufnahmen szeneweite als Samplequelle diente, auf subtile Weise Dank zu zollen.

Die Alben von People Under The Stairs eignen sich ganz hervorragend zur Überwindung alkoholinduzierter Intoxikationen. (Jan Simon)

Aus Liebe zum Detail
Diese Liebe für das Detail findet sich aber auch musikalisch auf jeder Platte der People Under The Stairs wieder, deren Grundlagen bis heute unleugbar im Hardcore-Sampling liegt. Thes Ones†˜ Crate-Digging-Wahnsinn verdanken wir auch die Veröffentlichung Lifestyle Marketing im Jahr 2007 auf Tres Records. Der Platte liegt die Musik des deutschstämmigen Werbemusikers Herb Pilhofer (geboren in Nürnberg, der Stadt der Fachwerkhäuser und des Reichsparteitags, im Jahr 1931) zugrunde, die Thes irgendwann zum Spaß zu remixen begann. Die CD-Vöffentlichung liefert auf Disc 1 nun Thes Ones†˜ Remixe und auf Disc 2 die musikalischen Vorlagen Herb Pilhofers. Bei Fun DMC selbst lassen sich als Details v.a. die Außenaufnahmen hervorheben, die die People Under The Stairs auf verschiedenen Grillfesten in Los Angeles machten, um die Platte klar in ihrer Stadt zu verorten. Ferner haben sich auch zweieinhalb bereits gehörte Drumbreaks als Referenz auf das Album geschlichen, genau wie auch Textzitate von ODB (auf Party Enemy No. 1). Ja – und in der Zwischenzeit, da macht man einen frisch.

Die Alben von People Under The Stairs eignen sich übrigens ganz hervorragend zur Überwindung alkoholinduzierter Intoxikationen. Als ich das erste und bisher einzige Mal ein Review über ein People Under The Stairs-Album schrieb (im Jahr 2002 als »O.S.T.« rauskam), lag ich mit einem Paar zerschredderter Sony-Köpfhörer und einem gepflegten Kater in einem Berliner Park, um die Flaschen Becks des Vorabends zu verdauen. Bei »Acid Raindrops«, das übrigens auf derselben Vorlage fußt wie Pete Rocks So What You Say (InI Center Of Attention ), ging das damals ganz hervorragend. Heute kann man sich zu diesem Zweck auch gerne The Wiz und ähnlich relaxte Songs von Fun DMC anhören (bereits erprobtes Verfahren).

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