Music Porträt | verfasst 10.06.2011
Syl Johnson
Underdog wider Willen
Würde man Personen nach ihren liebsten Funk&Soul-Künstlern fragen, so wäre sein Name eher nicht gefallen. Gleiches gilt für die Frage nach den meist gesampleten Künstlern aller Zeiten. Dabei müsste Syl Johnson beide Bestenlisten anführen.
Text Florian Triesch
1730-syljohnson1-www.hhv-mag.com

Würde man x-beliebige Personen nach den Top Ten Funk&Soul-Künstlern fragen, so wäre sein Name eher nicht gefallen. Gleiches gilt für die Frage nach den meist gesampleten Künstlern aller Zeiten. Dabei gibt es da einen, der eigentlich beide Bestenlisten anführen müsste, jedoch stets ein Schattendasein führte: Syl Johnson.

Aller Anfang ist schwer
Geboren 1936 in Holly Springs, Mississippi, zog Johnson Anfang der 1950er mit seiner Familie nach Chicago, um in der Großstadt der wenig ertragreichen Feldarbeit zu entkommen. Dort gelangte er aufgrund von Armut zunächst zum Blues. Er spielte Gitarre, sang für den einen oder anderen Künstler und begann in den späten Fünfzigern seine Solo-Karriere. Allerdings war ihm der Erfolg in den ersten acht Jahren, trotz gut einem Dutzend veröffentlichter Singles, nicht beschieden und so nahm er einen Brot-und-Butter-Job als Paketzusteller an. Als er 1967 eines seiner Stücke im Radio hörte, wandte er sich wieder vollständig seiner Musikkarriere zu.
Zu dieser Zeit entdeckte Johnson auch die Soul-Musik für sich, die dem städtischen Lebensgefühl eher entsprach als der ländlich geprägte Blues. Auf dem Label Twinight landete er seinen größten Hit, Is It because I’m Black?, welchen er im Zuge der Ermordung von Martin Luther King Jr. geschrieben hatte. Nur ein Jahr später erschien sein Debütalbum.
Dieser Hochphase folgte die vermeintlich größte Enttäuschung in seinem Leben, nämlich das Unterzeichnen eines Vertrages mit Hi Records. Dieser Umstand resultierte aus der Bevorzugung des zehn Jahre jüngeren Labelkollegen Al Green, dem Johnson zwar großen Respekt zollte, der ihn jedoch in ein marktwirtschaftliches Schattendasein verbannte – künstlerisch stand Johnson Green wohl in nichts nach.

Dem Sampling selbst steht Johnson wohl positiv gegenüber, was nicht verwundert, denn allein der Wu-Tang Clan hat wohl auf diese Weise Johnsons Haus finanziert. Ehre wem Ehre gebührt
Nachdem sich die Situation nicht besserte, verließ Johnson die Plattenfirma Ende der 1970er und gründete Shama Records. Doch auch hier blieb der Erfolg zunächst aus und so veröffentlichte er 1982 sein vorerst letztes Album. Zwar konnte er einige Hits vorweisen, doch angemessen entlohnt wurde er dafür nie. Stark enttäuscht vom Musikgeschäft widmete er die folgenden Jahre seiner selbst gegründeten Seafood Kette in Chicago – Der Musik blieb er stets verbunden, doch seine professionelle Laufbahn war vorerst beendet.
1989 schließlich bemerkte Johnson ein Sample aus einem seiner Stücke im Radio und so widmete er die kommenden Jahre dem Eintreiben seiner Tantiemen, was ihm wiederum ein musikalisches Comeback ermöglichte. Mittlerweile ist er angeblich der meist gesamplete Musiker aller Zeiten und führt diverse Gerichtsverfahren parallel, um so einen Teil seiner rechtmäßigen Lizenzgebühren zu erhalten. Dem Sampling selbst steht Johnson wohl positiv gegenüber, was nicht verwundert, denn allein der Wu-Tang Clan hat wohl auf diese Weise Johnsons Haus finanziert.
So kommt Syl Johnson spät doch noch zu wohl verdienter Ehre als Musiker. Nun hat die Numero Group eine Compilation mit seinen Stücken veröffentlicht. Es ist eine raffinierte Sammlung geworden, die in enger Zusammenarbeit mit Johnson entstanden ist, wodurch sogar über 20 bisher unveröffentlicht Stücke aus Johnson Hochphase eingebunden werden konnten. Das gibt uns die Möglichkeit diese besondere Stimme mit ihrer rhythmischen Verbindung von Blues und Soul neu zu entdecken.

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