Music Interview | verfasst 19.12.2006
Audio88
»Ich bin ja keine Religion!«
Der Text, oder das Wort, im Zentrum der Musik. Audio88 bohrt sich mit seinen Gebilden aus Metaphern und Gleichnissen tief unter die Haut seiner Zuhörer. Wir trafen Audio88 auf einem Balkon im Prenzlauer Berg…
Text Sascha Leutloff
Audio99

Worin liegt der Schwerpunkt in deiner Musik?
Audio88: Ich bin schon sehr auf den Text fokussiert, die Musik ist da untergeordnet. Ich habe zwar schon 6 Alben produziert, mache demzufolge auch Beats, nicht nur für mich, auch für andere Leute, aber nicht auf einem hohen musikalischem Level. Bei größeren Auflagen machen andere Produzenten mit, um musikalische Vielfalt zu gewährleisten. Als ich angefangen hab, bin ich davon ausgegegangen, dass sich die Leute die Texte lieber anhören als durchzulesen. Die ersten CDs sind musikalisch totaler Ramsch.

Hast du geplant, Texte zu veröffentlichen?
Audio88: Nein. Ich glaube die Sachen wirken anders, wenn ich sie vortrage, als wenn man sie lesen würde. Ich glaube ich müßte dann anders schreiben, da ich im Moment viele Sachen auf Wortklang schreibe und denke, dass die Wirkung beim nur Lesen nicht dieselbe ist.

Wie schreibst du?
Audio88: Ich mach mir übers Schreiben keine Gedanken. Ich höre keine Beats beim Schreiben. Ich schreibe fast alles in der U-Bahn und auch meist in einem fort, ohne etwas beabsichtigen zu wollen. Ich setze mich jetzt nicht hin und will über dieses oder jenes Thema sprechen oder zu einem bestimmten Beat schreiben. Wenn man etwas produktives macht und damit nach außen geht, wirkt man immer irgendwie auf Leute; positiv oder negativ. Ich glaube nicht, dass ich so einen großen Einfluss habe. Zum Beispiel setze mich jetzt nicht hin und schreibe etwas, um damit was zu verändern. Ich glaube nicht, dass das so funktioniert. Ich werde mir da nichts vormachen, von wegen »ich bin auf einer Mission«.

Aber es ist doch trotzdem etwas, was raus muss?
Audio88: Ja schon, aber nicht geplant. Ich hab halt immer ein Notizbuch dabei und wenn etwas entsteht, schreib ich es auf. Auf der ersten Zeile aufbauend schreibe ich auch dann gleich einen ganzen Text. Der wird dann im Nachhinein auch nicht mehr bearbeitet.

Was war der Anstoß zum Schreiben?
Audio88: Mit 16 Jahren habe ich angefangen zu Freestylen, habe aber nie Raps geschrieben. Nachdem die Lust zum Freestylen vergangen ist, habe ich halt den ersten Text geschrieben und der hatte dann halt diese Form. Es war jetzt aber nicht in der Absicht, etwas anderes zu machen um anders zu sein. Das hat so für mich einfach am besten funktioniert.

Ist es besser, Dinge in eine Metapher zu packen, als sie direkt zu sagen?
Audio88: Ich hab ja an mich einen künstlerischen Anspruch. Warum soll ich ein Lied mit 20 Parolen aufnehmen: Esst kein Fleisch, macht keinen Krieg, schlagt nicht eure Kinder. Ich bin ja keine Religion! Daher finde ich die Metapher besser. Aber ich glaube, dass es ein Gegensatz ist zwischen Metaphern und der direkten Ansprache.

Manchmal ist die Metapher auch direkter.
Audio88: Ja, wenn man denkt die Metapher zu verstehen oder etwas darin sieht, dann setzt man sich ja direkt damit auseinander. Das ist besser, als wenn man etwas auf ein Schild schreibt.

Das wirkt auch nicht mehr auf die Leute. Wenn man „Rauchen tötet“ auf eine Schachtel Zigaretten schreibt, interessiert das ja auch keinen.
Audio88: Ja, das denke ich auch.

Veränderst du deine Texte im Prozess der Songentwicklung?
Audio88: Nein, da muss sich das Instrumental unterordnen. Natürlich kann man Pausen einbauen, aber ich fange jetzt nicht an Takte zu zählen: 16 Bars auf 16 Takte, nach 4 Zeilen die Hook, dann kommt die Bridge, dann wieder 16 Bars. Ich kann auch nicht verstehen, wie man so arbeiten kann. Trotzdem gibt es Leute, die das toll machen. Jedoch weiß ich nicht, wie Form über Inhalt stehen kann, oder Form über Aussage. Man kann die Form natürlich perfektionieren und eine Message rüberbringen. Ein Beispiel diesbezüglich ist Sage Francis. Trotzdem denke ich, daß man durch eine Form immer eingeschränkt wird.

Wirst du Live auftreten beziehungsweise auf Tour gehen?
Audio88: Schwierig. Ich trete in Januar in München auf, krieg aber nicht den Arsch hoch.

Wie war die Resonanz bei den bisherigen Auftritten?
Audio88: Überraschend gut, ich war sehr erstaunt. Man muss sagen, ich selbst tu mich ziemlich schwer, meine Texte auswendig zu lernen. Das liegt vielleicht daran, dass sich einerseits meine Texte nicht Reimen aber andererseits die Textmenge einfach riesig ist. Die Texte liegen rum, werden aufgenommen und sind dann auch vom Tisch. Außerdem hört man beim Selbstproduzieren sein Zeug ja auch permanent, so dass ich auch manchmal einfach keine Lust habe, die Songs auswendig zu lernen.

Hast du den Anspruch, von deiner Kunst zu leben zu müssen?
Audio88: Nein, weil dann wäre ich ja unter dem Zwang, produktiv sein zu müssen. Im Moment entsteht meine Produktivität aus sich selbst heraus, weil das, was raus kommt, auch raus will. Wenn sich die Produktionskosten decken und man sich mal hier und da ein neues Mikrofon leisten kann, ist das schon okay. Außerdem muss man, um von der Musik leben zu können, größere Stückzahlen absetzen als ich es tue.

Wie läuft denn das aktuelle Album?
Audio88: Wir haben bisher noch keine Abrechnungen mit den Shops gemacht, weil die CD noch nicht so lange draußen ist. Auf meiner eigenen Website geht das Ding ganz gut weg.

Ist die Website deine größte Plattform?
Audio88: Zum Teil. Zusätzlich gibt es noch eine MySpace-Seite und die Webseite von Himalaya-Pop. Die CD steht noch bei hhv.de, Offbeaters und Vinylkingz.

»Heftig.com haben toll geschrieben und zwar, dass man vor dem Genuss des Albums nicht kiffen sollte. Da hab ich mir den Typen, der darüber geschrieben hat, super vorstellen können, wie er im Badezimmer seinen Eimer geraucht hat, dann die CD gehört hat und dachte: »Ey, das geht mir jetzt auf die Eier!«« (Audio88) Gibt es in der Presse Reaktionen zu deinem Album und wie sind die?
Audio88: Durchweg positiv. Flashmag und Mkzwo haben beide eine Review geschrieben. Heftig.com haben toll geschrieben und zwar, dass man vor dem Genuss des Albums nicht kiffen sollte. Da hab ich mir den Typen, der darüber geschrieben hat, super vorstellen können, wie er im Badezimmer seinen Eimer geraucht hat, dann die CD gehört hat und dachte: »Ey, das geht mir jetzt auf die Eier!« Wie gesagt, die Resonanz war nicht so groß, aber durchweg positiv. Reviews gab es sogar aus Japan!

Stell ich mir schwierig vor, gerade wenn man die Sprache nicht versteht.
Audio88: Die Japaner sind ziemlich offen. Die haben sich ja schon in den 10er und 20er Jahren die ganzen expressionistischen Stummfilme aus Deutschland angeguckt. Ich fand das einfach schräg. Die haben sich dann halt den ganz komischen Kram gegeben, den sich nicht mal die Deutschen gegeben haben. Ich glaub da gibt es auch eine recht große Szene.

Ist dein politischer Ausdruck rein musikalisch? Bist du auch außerhalb politisch engagiert?
Audio88: Ja, aber nicht organisiert. Ich geh zu Anti-Nazi-Aufmärschen, bin jedoch nicht bei Peta oder Antifa. Vereine haben in meinen Augen etwas komisch-hierarchiches, auch wenn man in den linken Kreisen versucht, das zu leugnen.

Bist du Berliner?
Audio88: Nein. Geboren wurde ich in Leverkusen. 1992 bin ich nach Cottbus umgesiedelt und seit ca. 2,5 Jahren lebe ich in Berlin.

Fühlst du dich wohl in Berlin?
Audio88: Ja. Definitiv.

Hast du auch vor, länger hier zu bleiben.
Audio88: Ja. Ich hab ja keine wirklichen Perspektiven. Ich studiere Germanistik und Philosophie, was in der Regel zu einem Taxifahrerjob führt, aber ich hab ja gar keinen Führerschein. Von daher ist Berlin ideal, weil man sich hier mit einem Job über Wasser halten kann. Mir gefällt es hier. Meine Familie ist in der Nähe, ich wohne mit meiner Freundin zusammen. Außerdem glaube ich nicht, dass nach dem Studium ein Jobangebot kommt: »Ey, willst du nicht nach Saarbrücken kommen hier arbeiten?«. Das halte ich für unwahrscheinlich.

Vorbilder?
Audio88: Schon Sage (Francis). Slug (von Atmosphere) früher, aber er hat in meinen Augen ganz stark nachgelassen. Sole von Anticon kommt da noch hinzu.

Machst du dir die Mühe und liest die Texte von den Leuten?
Audio88: Bei vielen Künstlern probiere ich das. Bei manchen, wie zum Beispiel bei Dose (One von Anticon), sind die gerappten Texte einfach schwer zu verstehen, so dass man da zwangsweise zur geduckten Version greifen muss.

Wo siehst du deine Einflüsse?
Audio88: Musikalisch von Leuten mit denen ich zusammen Musik mache: Mnemotrauma, Kid Kabul etc. Für mich selbst war Anticon schon sehr prägend, aber natürlich auch »Klassiker« wie Wu-Tang oder Mos Def. Im Moment immer mehr elektronische Musik.

Bist du auch Musiksammler?
Audio88: Ich kauf mir schonmal eine Platte, doch meine Sammelleidenschaft ist mehr auf Filme fokussiert. Ich nehme die vom Fernsehen auf VHS auf und bin inzwischen auch schon bei über 1000 Stück angekommen.

Was war der letzte gute Film den du gesehen hast?
Audio88: »Dear Wendy« von Thomas Vinterberg. Es geht um ein kleines Dorf in einem pseudo-wildwesternhaften Setting, wo eine Gruppe Jugendlicher einen Klub mit Waffen gründet und sie sich so langsam in ihre Waffen verlieben. Das Buch zum Film ist von Lars von Trier und das ganze ist schon sehr Amerika-kritisch.

Die Musik von Audio 88 du bei hhv.de.
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 25.11.2011
Audio88
Die Erde ist eine Scheide E.P.
Der sympathische Weltkritiker und Teilzeitpolemiker aus Berlin präsentiert auf seiner EP diffuse Themen in seltenen Reimen.
Music Review | verfasst 13.07.2012
Audio88 & Yassin
Zwei Herrengedeck, Bitte.
Drei Jahre nach Erstveröffentlichung gib es »Zwei Herrengedeck, bitte« jetzt auch auf Vinyl.
Music Review | verfasst 17.06.2013
Audio88
Wer schweigt, gibt Recht.
Die Veröffentlichung von »Wer schweigt, gibt Recht« liegt bereits sechs Jahre zurück – sticht aber heute noch im Deutschrap heraus.
Music Review | verfasst 06.08.2013
Wir (Audio88 & Kid Kabul)
Über die Einsamkeit des Einzelnen EP
Im Zuge der Neuauflage der Audio 88-Releases gibt es nun auch die EP »Über die Einsamkeit des Einzelnen« auf Vinyl.
Music Review | verfasst 20.09.2013
Einervonuns (Audio88)
Die Ruhe traut sich nur vor dem Sturm nach draußen
Auch als Einervonuns bringt Audio88 Dekonstruktivismus bereits in die Produktion, anstatt ihn lediglich der Rezeption zu überlassen.
Music Review | verfasst 26.11.2013
Abroo & Audio88
Klub Der Toten Voyeure EP
Der seit den frühen Neunzigern als Rapper aktive Abroo tut sich mit Audio88 zusammen, um den »Klub Der Toten Voyeure« zu gründen.
Music Review | verfasst 10.06.2016
Audio88 & Yassin
Halleluja
Gottes Werk und Audio88 und Yassins Beitrag: Die rappenden Zeitgeistkritiker bringen ihre neue LP »Halleluja« raus.
Music Kolumne | verfasst 07.08.2012
Keine halbe Sätze
Proband: Die Bestesten
Wir geben den Anfang des Satzes vor, unsere Interviewpartner ergänzen diesen dann in ihrem Sinne. Diesmalige Probanden: Die Bestesten, Leistung: Die einzige Boygroup, die es hasst, dass ausgerechnet du sie liebst.
Music Bericht | verfasst 11.04.2013
Taktloss, Hiob & Dilemma, Sylabil Spill et al.
Live am 4.4. im Lido in Berlin
Stockfinstere Texte und pechschwarzer Humor auf kraftvollen Beats und staubigen Sampels. Der rohe und ungeschönte Battle-Rap auf Planet Penis war was für Leute, die neben einer Affinität für Sprechgesang auch Spaß verstehen.
Music Porträt | verfasst 11.11.2014
Audio88
My Latest Epiphany
Audio88 ist der polemische Weltkritiker der Deutschrapgemeinde. Der Berliner spricht die Dinge an und er spricht die Dinge aus, grenzenlos subjektiv. Wie auch sonst? Nun hat er ein mit »Der letzte Idiot« neues Album veröffentlicht.
Music Interview | verfasst 09.03.2015
Audio88 & Yassin
Die »normale« Gang
Audio88 & Yassin haben ihr erstes gemeinsames Album seit 2011 vor allem: verschoben, verschoben und verschoben. Doch am Ende fühlt sich das Erscheinen von »Normaler Samt« einfach vollkommen »normal« an. Ein Interview.
Music Interview | verfasst 09.02.2021
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Review | verfasst 06.06.2007
Warheit
Betonklassik
Lange musste man auf ein Album von Azads Crew Warheit warten, nun liegt es mit endlich vor.
Music Review | verfasst 30.12.2010
Tua & Vasee
Evigila
Tua & Vasee haben sich hingesetzt, ein Konzept erarbeitet und ein Album aufgenommen, dass den Namen »Kunstwerk« verdient.
Music Review | verfasst 01.03.2007
V.Mann & Morlockk Dilemma
Hang zur Dramatik
Ein Lichtblick in diesem mauen Deutschrapjahr: V.Mann und Morlockk Dilemma leben ihren Hang zur Dramatik aus. Da haben sich zwei gefunden.
Music Review | verfasst 30.01.2011
Forsch und Facette
Forsch und Facette
Die Kölner Sängerin Fleur Earth tut sich diesmal mit dem Produzenten Quo Vadis zusammen: Das passt!
Music Review | verfasst 04.03.2011
The Love Bülow
Menschen sind wie Lieder
The Love Bülow klingen auf ihrem Debüt wie eine Mischung aus Jan Delay, Fettes Brot und Clueso.
Music Review | verfasst 02.03.2011
Bo Flower
Flo Bauer
Bo Flower macht seit Jahren sein eigenes Ding und auch auf Flo Bauer verlässt er diesen Pfad nicht.
Music Review | verfasst 20.07.2007
Team Avantgarde
Absolut
Die Bereitschaft zum Reflektieren ist quasi Grundvoraussetzung auf Team Avantgarde’s Absolut .
Music Review | verfasst 18.06.2007
Seperate
Ein Guter Tag Zum Sterben
Ein guter Tag zum Sterben ist keine schlechte Platte, aber es fehlt an Überraschungsmomenten.
Music Review | verfasst 26.03.2011
Morlockk Dilemma
Circus Maximus
Morlockk Dilemmas festigt seinen Ruf als versierten Rapper, der eine göttliche Segnung in Sachen Kreativität erfahren hat.
Music Review | verfasst 07.08.2007
Die Firma
Goldene Zeiten
Mit dem fünften Album der Firma werden passenderweise Goldene Zeiten ausgerufen und sich teilweise an Die Eine 2005 erinnert.
Music Review | verfasst 03.06.2011
K.I.Z.
Urlaub fürs Gehirn
Nach zwei Jahren melden sich die vier Berliner gewohnt schlagfertig und mit ordentlich schwarzen Humor zurück.
Music Review | verfasst 25.06.2011
Brenna
Drama
Drei Jahre nach seinem Debüt erscheint das zweite Album Drama vom Schlagzeuger, Sänger, Rapper und Produzenten Brenna.
Music Review | verfasst 05.07.2011
Casper
XOXO
Mit XOXO hat Casper etwas Neues und Großes geschaffen, das den momentanen Hype um ihn rechtfertigt.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.