Music Interview | verfasst 26.11.2012
Roc Marciano
Habe die Ehre
Roc Marciano setzt bei seinem zweiten Soloalbum auf gewohnte Zutaten. Hypnotische Loops treffen auf eindringliche Straßenpoesie, »Reloaded« also. Wir luden den sonst so interviewscheuen MC und Producer zum Gespräch.
Text Benjamin Mächler
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Wie war dein Leben in der Terrace Avenue, Hempstead, Long Island? Gemeinhin als »Terror Avenue« bekannt und eine der berüchtigsten Gegenden der USA.
Roc Marciano: Ich bin dort aufgewachsen, aber als erwachsener Mann habe ich dort nicht mehr gelebt. Es war nicht alles schlecht dort, genauso gab es gute Zeiten. Wie in jeder anderen Gegend hat Crack alles auf den Kopf gestellt. Hier war es halt im Überfluss. Am Block begann ich auch die ersten Rapversuche.

Hattest du damals einen Mentor, der dir das Rappen und Produzieren beibrachte?
Roc Marciano: Mein Homie Ox hat mir gezeigt wie man eine MPC bedient. Das Rappen kam ganz natürlich zu mir, indem ich von den Besten lernte, die damals im Radio liefen. Dabei habe ich zu vielen MCs aus Long Island aufgeschaut, wie Public Enemy, De La Soul, Grand Daddy I.U., EPMD, Biz Markie und Rakim natürlich. Unser Stadtteil hatte definitiv einen starken Einfluss auf das Hip Hop-Geschehen.

Wie sah es mit deinem familiären Umfeld aus. Gab es hier musikalische Einflüsse?
Roc Marciano: Rückblickend würde ich sagen, dass unser Haus ziemlich »soulful« war. Ganz einfach eine gute und liebenswerte Familie. Aber Musiker hatten wir nicht im familiären Umfeld. Die Einflüsse kamen vom Block.

Nach deinem Debütalbum konnte man lesen, dass du ein Remix-Album mit dem Titel »Marcberg Reloaded« planst. Was ist aus diesem Vorhaben eigentlich geworden?
Roc Marciano: Darauf sprachen mich viele an, aber dies habe ich tatsächlich nie behauptet. Ich mache nie Remixe und um ehrlich zu sein mag ich Remix-Projekte absolut nicht. (lacht) Bei »Reloaded« ging es immer nur um das Nachfolgealbum.

»In der Tat planen Madlib und ich ein gemeinsames Projekt. Jetzt, wo ich an der Westküste und damit in der Nähe von Madlib wohne, steigen die Chancen natürlich.« (Roc Marciano) Deine Alben zeichnet eine stimmige, cineastische Atmosphäre aus. Würdest du beipflichten? Falls ja, welcher Film wäre äquivalent zu »Reloaded«?
Roc Marciano: Ja, absolut. Ich versuche die Musik so zu erschaffen, als würde ich einen Film machen und bringe verschiedene Szenen und Kapitel zu einem Ganzen. »Marcberg« ist für mich so etwas wie »The Mack« trifft auf »Scarface« und »Reloaded« vergleichbar mit »Shaft« und »Superfly«.

Wie stehst du zum Thema Sample-Freigabe?
Roc Marciano: Ich bin mir der Problematik durchaus bewusst, aber nehme es auch nur zu einem gewissen Grad ernst. Früher hatte ich einmal rechtliche Probleme, aber mittlerweile versuche ich zum Großteil obskure Samples zu verwenden. Ich würde jetzt auch nicht auf die Idee kommen, einen Song von Michael Jackson oder so zu samplen.

Es hält sich das Gerücht du würdest ein Album mit Madlib planen?
Roc Marciano: In der Tat planen Madlib und ich ein gemeinsames Projekt. Jedoch hatten wir aus Zeitmangel noch nicht die Gelegenheit uns zusammen zu setzen. Jetzt, wo ich an der Westküste und damit in der Nähe von Madlib wohne, steigen die Chancen natürlich.

Wie steht es eigentlich um die UN Crew?
Roc Marciano: Zwischen uns ist alles gut. Ich kenne die Jungs seit der Schule. Wir sind wie eine Familie. Sie gehen allerdings alle dem Leben nach, arbeiten, kümmern sich um ihre Familien und leben das Rapding nicht mehr. Eine Reunion ist absolut ausgeschlossen.

Als »Marcberg« erschien, gab es kaum Interviews von dir und nicht ein Musikvideo zum Album. Hast du dich bewusst aus den Medien zurückgehalten, um ein Geheimnis aus deiner Person zu machen?
Roc Marciano: Um ehrlich zu sein, gebe ich diese Interviews jetzt, weil ich mit einer Firma zusammenarbeite. Ich habe nichts gegen Interviews, aber darum geht es mir nicht. Meine Leidenschaft ist die Musik und nicht der andere Kram, der zum Business gehört wie Promotion und Videos.

Wie war für dich die Zusammenarbeit mit Kool Keith auf Ray Wests »Luv NY« Projekt, schließlich bist du großer Ultramagnetic MC’s Fan?
Roc Marciano: Das war ein »no-brainer«. Ray West sendete mir den Song mit Kool Keith und für mich war klar, dass ich dort mit drauf muss. Wir haben beide Respekt voreinander und es wird definitiv noch mehr Songs von mir und Keith geben!

Wann besuchst du uns endlich in Europa?
Roc Marciano: Zur Zeit ist es schwierig, da ich das Land nicht verlassen darf. Sobald ich aber raus kann, komme ich rüber. Ich bin gern unterwegs, mit den Fans in Kontakt und werde im nächsten Jahr mit Sicherheit bei euch sein!

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