Music Interview | verfasst 24.03.2014
Carpet Patrol
Vom Teppich die Krümel
Als Carpet Patrol tun sich mit Torky Tork und Suff Daddy zwei alte Bekannte zusammen. Zunächst ging es um das gemeinsame Abhängen, später entstanden zwischen GTA und MPC auch Beats.
Text John Luas , Fotos Thomas von Wittich / © hhv.de mag
Carpet-patrol-suff-daddy-torky-tork-%c2%a9-thom-von-wittich-hhv-mag-1
Rubriken_sticker_detail_07

Als Carpet Patrol tun sich mit Torky Tork und Suff Daddy zwei alte Bekannte zusammen. Zunächst ging es vor allem ums gemeinsame Abhängen, später entstanden zwischen GTA und MPC Beats, die abgründiger, experimenteller und düsterer daher kommen, als das meiste, was die beiden bisher veröffentlicht haben. Wir haben uns gefragt, woher sich dieser neue Sound speist und haben zwei Digger getroffen, die dieses Mal genau genommen gar nicht diggen waren.

hhv.de mag: Was für eine Rolle hat das Diggen bei diesem Projekt gespielt?
Suff Daddy: Ich hab für Carpet Patrol überhaupt nicht gediggt, weil wir quasi nur die ganzen Samples, die Torky Tork noch auf seiner MPC hatte, durchgegangen sind. Insofern hat Torky im Vorfeld gediggt. Oder, Torky?
Torky Tork: Ja, eigentlich schon.

Dabei seid ihr normalerweise ja beide Digger…
Suff Daddy: Wir sind schon Digger. Bei mir ist das nur auch schon sehr elektronisch geworden, d.h. ich sample auch viel MP3s oder Filme, YouTube, was weiß ich. Mir ist das völlig Wurscht. Ich bin jetzt nicht so der absolute Vinyl-Fetischist. Bei mir ist das so: Wenn ich irgendwo etwas höre, dann sample ich direkt, egal woher das kommt. Dann muss ich das nicht erst auf Platte suchen. Auf der anderen Seite habe ich auch tausend Schallplatten zu Hause und kaufe auch gerne Schallplatten. Aber Torky ist auf jeden Fall der Digger. Torky, du gehst doch auch andauernd auf Flohmärkte und in Läden…
Torky Tork: …ich habe halt auch nicht mehr so viel Zeit. Früher war ich jeden Samstag und Sonntag diggen. Aber ich habe immer so einen Stapel von Platten, die ich noch nicht durchgediggt habe – das muss ich immer haben. Und wenn der schrumpft, dann zieh ich los und besorg mir irgendetwas. Denn immer wenn ich Bock habe, Beats zu machen, dann muss so ein Stapel da sein, den ich notfalls durchdiggen kann.
Suff Daddy: Irgendetwas was noch nicht ausgelutscht ist.
Torky Tork: Genau.

Dann geht es ja auch darum, dorthin zu gehen, wo noch nicht vorselektiert wurde, oder?
Torky Tork: Deswegen gehe ich in Läden, wo alles durcheinander steht, wo der letzte Ramsch steht und versuche dort etwas zu finden. Nicht, weil ich geizig bin, sondern weil mich das interessiert, dort zu diggen, wo man nichts erwartet. Ich hab so schlimme Platten zu Hause… man greift natürlich auch ins Klo, aber es passiert genauso oft, dass man halt auf einer beschissenen deutschen Rockplatte, die so nach Country aussieht, das fetteste Sample findet.

Kannst du dich an die letzte Billigplatte erinnern, wo was richtig fettes drauf war?
Torky Tork: Da gibt’s einiges… zum Beispiel so ein Typ, der heißt Bender, also eigentlich will ich auch nicht meine Samples verraten, aber: Das sieht so richtig nach bayerischer Motorrad-Rock-Scheiße aus, die irgendwie in Richtung Country geht. Und da ist dann ein Sample drauf, das ist einfach krass!

»Auf dem Teppich noch nach den letzten Krümeln gesucht, die übrig geblieben sind.« (Suff Daddy)
Lasst uns noch mal über die »Library« reden, mit der ihr jetzt die Platte gemacht habt. Suff Daddymeinte ja schon, dass ihr quasi ins eigene Archiv zurückgegangen seid…
Torky Tork: Ich hab eine Festplatte bei mir in der MPC eingebaut. Ich hab keine Karten oder so was, sondern die ist eingebaut in der MPC. Immer wenn ich einen Beat machen will, nutze ich eigentlich die ganzen 12 Minuten aus, die ich habe bei der MPC-1000. Am Ende habe ich dann – sagen wir mal – 10 Minuten Samples. Und daraus mache ich am Ende drei oder vier Beats. Da bleiben aber noch ganz viele Sachen übrig, die ich einfach nie benutzt habe. Und diesen ganzen Reste haben wir eigentlich genommen.

Das, was sich über die Jahre quasi abgelagert hat?
Suff Daddy: Genau. Deswegen passt das auch so schön zu dem Namen Carpet Patrol: Auf dem Teppich noch nach den letzten Krümeln suchen, die übrig geblieben sind…

Hat das was befreiendes, damit zu arbeiten, weil man da nicht den höchsten Anspruch stellt?
Suff Daddy: Genau, es war auch nie unser Anspruch daraus Beats zu machen, sondern das ist ja einfach so entstanden, ohne dass wir uns da irgend etwas vorgenommen hätten. Wir haben halt auch viel krankes Zeug genommen, irgendwelche japanischen Soundtracks, die der Torky gesamplet hatte.

Könnt ihr euch an den Moment erinnern, wo ihr gemerkt habt: Jetzt ist es kein Abhängen mehr, jetzt wird es Arbeit?
Suff Daddy: Es wurde Arbeit, als wir so sieben Lieder zusammen hatten und wir gesagt haben: Alter, das ist doch voll geil, was wir hier haben, lass doch eine Platte draus machen. Aber nicht negativ, sondern positiv.
Torky Tork: Ich persönlich habe noch nie so schnell eine Platte gemacht. Naja, ich habe einmal eine Platte in drei Tagen gemacht, aber ich glaube, ich habe noch nie so schnell so eine gute Platte gemacht. In drei Monaten das Ding: das war schon ziemlich befreiend, irgendwie angenehm. Da gab es eigentlich keine nervige Phase in diesem Projekt.
Suff Daddy: Es war eben auch nicht so, dass man es selbst schon so oft gehört hätte, dass man gelangweilt wäre. Dazu war die Zeit zu kurz. Es gab einfach null Konzept, gar nichts.

Wie geht es jetzt damit weiter?
Suff Daddy: Jetzt gehen wir erst mal Ende April und Anfang Mai auf eine kleine Tour. Dann fangen wir im Sommer wieder an und dann wird wahrscheinlich wieder etwas neues entstehen, was dann vielleicht nächstes Jahr oder so veröffentlicht werden könnte.
Torky Tork: Suff macht jetzt noch die Betty Ford Boys-Geschichte und ich mache die neue Platte von Audio 88 & Yassin. Die kommt dann im Herbst. Und es gibt noch tausend andere Sachen. Ein extrem spannendes Jahr.

Das Album »Carpet Patrol« von Carpet Patrol findest du bei hhv.de LP CD TAPE
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 03.05.2013
Suff Daddy & Ta-Ku
Bricks & Mortar EP
Auch an den jüngsten Produktionen von Suff Daddy gibt es gewohntermaßen wieder nichts zu meckern.
Music Review | verfasst 28.08.2013
Betty Ford Boys
Leader Of The Brew School
»Leaders Of The Brew School« ist nicht weniger als der feuchte Traum aller Bedroom-Producer.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Suff Daddy
The Gin Diaries
Wer gedacht hat, dass es für Suff Daddy nichts Anderes als Pilsetten gäbe, der wird spätestens mit »The Gin Diaries« eines Besseren belehrt.
Music Interview | verfasst 11.06.2012
Suff Daddy
»Es wird sich gar nichts ändern«
Gestern ist der Berliner Produzent Suff Daddy nach Australien ausgewandert. Kurz vor der Abreise sprachen wir mit ihm über seine Zukunft in der neuen Heimat, seine musikalischen Anfänge und über sein Label Melting Pot Music.
Music Interview | verfasst 19.11.2013
Betty Ford Boys
The Crucial Question
Unsere Gretchenfrage ist vielleicht nicht so absolut wie die in Goethes »Faust«, aber sie enthüllt einen bestimmten Aspekt mit nur einer Frage. Ohne Schnickschnack. Diesmal geht sie raus an die Betty Ford Boys.
Music Review | verfasst 21.03.2014
Carpet Patrol
Carpet Patrol
Suff Daddy und Torky Tork kämpfen mit dem Klangforschungs-Projekt »Carpet Patrol« gegen die Instrumental-Alben-Verdrossenheit!
Music Review | verfasst 09.01.2014
Torky Tork
PR-110
Der Berliner Beatmacher Torky Tork hat mit »PR-110« ein Instrumental-Album der besonderen Art veröffentlicht.
Music Porträt | verfasst 24.05.2013
Dexter
Im Dienst des Samples
In unserer Reihe »Word On The Beat« besuchen wir Producer und Musiker in ihren heiligsten Räumen. Denn wo sonst als im Studio kann man hinter die Tracks und ihre Macher blicken. Den Anfang macht Dexter, das Wunderkind aus Heilbronn.
Music Review | verfasst 06.07.2011
Miles Bonny
Lumberjack Soul
Anstatt sich für irgendeine Kiste herzugeben, freestylet Bonny ungezwungen zwischen allem, was ihn inspiriert aus Soul, Funk und Jazz.
Music Review | verfasst 18.06.2012
Suff Daddy
Suff Sells
Auch auf dieen 29 Tracks bewegt sich Suff Daddy unbeirrt zwischen Old-School und Moderne, verbindet klassisches Sampling mit Melodien.
Music Review | verfasst 26.11.2014
Betty Ford Boys
Retox
Nichts mit Entschlackungskur – hier wird nachgeschüttet. Hier steckt richtig Volumen hinter.
Music Bericht | verfasst 08.07.2011
Miles Bonny
Live am 6.7. im Cassiopeia in Berlin
Im Rahmen ihrer Lumberjack und Gin-Tour sind die zwei Liquor-Connaisseure Miles Bonny und Suff Daddy gerade in deutschen Städten unterwegs. Am letzten Mittwoch luden sie mit ihrem Paket aus modernem Soul und Boom Bap ins Cassiopeia.
Music Liste | verfasst 10.08.2011
Twit One
DJ Charts
Die gemeinsame Platte mit Sylabil Spill ist gerade erschienen, die Platte mit Lazy Jones bereits fertig. Von der neuen Platte mit Hulk Hodn ganz zu schweigen. Nebenbei legt er auch auf. Und beackert in seinen DJ Charts ein weites Feld.
Music Bericht | verfasst 21.05.2012
Suff Daddy
Live am 16.5. in der Alten Feuerwache in Mannheim
Bevor Suff Daddy sein Berliner Beatlabor verlässt, um seine neue Wahlheimat Sydney anzusteuern, lud er im Mai noch einmal zur Abschiedstour ein. In der Nacht zum Vatertag zeigte er in Mannheim, was uns auf dem kommenden Album erwartet.
Music Kolumne | verfasst 13.06.2012
High 5
Rap-Songs über Alkoholgenuss - Ausgewählt von Suff Daddy
Vieles ist in letzter Zeit über Suff Daddy geschrieben worden: Soloalbum, Pils Daddy, Australien. Welche Rap-Spirituosen der Beat-Destillateur für einen gelungenen Absturz empfiehlt, erfahrt ihr nun an dieser Stelle. Wir sagen mal: Prost!
Music Interview | verfasst 24.11.2014
Betty Ford Boys
Beats aus der Bude
Es ist kaum ein Jahr her, dass Dexter, Brenk Sinatra und Suff Daddy ihr Debüt veröffentlichten. Schon wurden für »Retox« wieder die G-Funk-Geräte angeschaltet. Diesmal in einer alten Fischerhütte. Die Betty Ford Boys sind wieder im Rausch.
Music Review | verfasst 24.06.2016
Suff Daddy
Birdsongs
Locker aus dem Alltag ausklinken: Suff Daddy produziert mit »Birdsongs« Beats für die wärmste Jahreszeit.
Music Review | verfasst 26.02.2020
Suff Daddy
Pompette
Entspannteren instrumentalen Hip-Hop als Suff Daddy machen hierzulande nur wenige. Auch wenn »Pompette« ein bisschen beschwippst heißt.
Music Review | verfasst 31.01.2012
DJ Adlib
Hi-Hat Club Vol. 6
Zum sechsten Teil der Hi-Hat Reihe über MPM kehrt man wieder in die heimischen Kölner Gewässer, in Dj Adlib’s Haus & Garten zurück.
Music Review | verfasst 26.02.2010
Dexter
Hi-Hat Club Vol.3 - The Jazz Files
Hier trifft Kenntnis auf Unbekümmertheit und lässt es nach 17 grandiosen Beats verschmerzen, dass die Snare manchmal zu laut ist.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Dinosaur Jr
Green Mind
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.