Music Interview | verfasst 08.09.2014
Ital
Apokalypse Now
Für Daniel Martin McCormick hat die Apokalpyse begonnen. Als Ital setzt er den weltweiten Zustand des totalen Zusammenbruchs in eine anarchistische Version von House Music um. Sein neuestes Werk heißt folgerichtig »Endgame«. Ein Interview.
Text Peter Gebert
Ital

Seit vier Jahren arbeitet Daniel Martin McCormick unter dem Namen Ital an einem Entwurf elektronischer Tanzmusik, der gängige funktionelle Vorstellungen unterläuft. Nach seiner Debüt-EP auf Not Not Fun folgten weitere auf 100% Silk sowie seinem eigenen Label Lovers Rock, zuletzt eine Kollaboration mit Aurora Halal. Auf Planet µ kamen 2012 gleich zwei Alben, die mit ihren seitwärts durch House-Landschaften gleitenden, sample-schwangeren, zuweilen überladenen und eher locker gefügten Spuren einen fiebertraumartigen Sog erzeugten. Nach mehreren ausgedehnten Live-Touren (gerade ist er aus Europa nach Brooklyn zurückgekehrt) und einhergehenden technischen Fortentwicklungen ist dort nun sein drittes Album erschienen, das sich einem weniger epischen Dubtechno zuwendet, der aber immer noch auf spezielle, ominöse Art trippy ist. Fast könnte man darüber vergessen, dass Daniel Martin McCormicks Ursprünge ganz woanders liegen – er war und ist nämlich auch Sänger und Gitarrist der Post-Hardcore-Band Mi Ami.

Im Presseinfo zu deinem neuen Album ist davon die Rede, dass es von »apokalyptischen« Richtungen minimalistischer Komposition und der »gespenstischen Kulturnivellierung der Post-Globalisierungsphase« inspiriert sei. Was meinst du damit?
Ital: Das Apokalyptische hat für mich große Bedeutung. Die Welt ist einem Zustand des totalen Zusammenbruchs und als Künstler hast du keine Zeit, es dabei zu belassen, einfach nur einen schicken Groove zu loopen. Von allen Seiten flüstert es uns ins Ohr, wir sollen unser komplettes Leben via Smartphone abwickeln, als einer von vielen kleinen Konsumenten, und das erstreckt sich auch auf die Welt der Tanzmusik, wo es oft nur darum geht, das Publikum in eine Herde bedröhnter Hänger zu verwandeln. Auf Produzenten gibt es diesen unterschwelligen, kaum greifbaren Druck, sich anzupassen. Woran? Das ist jeden Tag anders. Ich hab viele spannende Künstler gesehen, die da hineingezogen wurden, »richtigen« Techno, »richtigen« Deep House oder was auch immer zu machen. Zum Teil ist es das, was ich mit kultureller Nivellierung meine. Man sieht das in großem Maßstab darin, wie in jeder Stadt das Gentrifikationsprinzip wirkt und in einer Gesellschaft die feinen Unterschiede abgeschliffen werden, sich Orte allmählich überall gleich anfühlen. Das geschieht auch in der Musik. Was apokalyptischen Minimalismus angeht… ach, manche Minimal Music hat einfach eine apokalyptische Ader, die mir sehr gut gefällt.

Der traumartig driftenden, unberechenbaren Charakter deiner Musik hat ja etwas »Hypnagogisches«. Halbwache Zustände, Traumwelten, Schlaf, Ruhelosigkeit sind Momente, die man in Musik aus New York City immer wieder vorfindet, vor einigen Jahren bei DJ Olive und seinen Schlaf-Parties oder dem Ambient von Sawako, aber auch in der rhythmischen Electronica von Machinedrum, FaltyDL, Laurel Halo oder Mark van Hoen. Hat das etwas mit der dauerhaften Getriebenheit zu tun, die das teure Leben in New York City mit sich bringt?
Ital: Bei diesen hypnagogischen Sachen ging es mehr um den Umgang mit vagen Erinnerungen an verschüttete Musiken und um Reorientierung des Vertrauten. Die Musik, die sich aus der Ariel Pink-/James Ferraro-Achse entwickelte, arbeitete oft mit sprödem Lo-fi-Klang, um ihre eigene Vergänglichkeit ins Licht zu rücken, so als würde man ihr beim Zerfallen zuhören. Hypnogigc-Pop konnte recht verträumt oder schläfrig sein, aber die spannendsten Künstler, die sich mit diesen Ideen beschäftigt haben – Actress, Burial und J Dilla – reißen mit.
Im Werk der von dir genannten Künstler kenne ich mich nicht so gut aus, bis auf Laurel Halo, die ich schon immer außergewöhnlich fand. Das ist eine Künstlerin, der es darum geht, ihre ganz eigene Klangsprache zu entwerfen (und ich würde ihre Musik nie zum Einschlafen hören). Das ist eine tief verwurzelte New Yorker Tradition, die sich durch Punk, No Wave, Hip Hop erstreckt. All den großen Künstlern und Genres, die hier aufkamen, ging es um Innovation und Experiment, Ideen die mich viel mehr interessieren als »Clubtauglichkeit«.

»Das Apokalyptische hat für mich große Bedeutung. Die Welt ist einem Zustand des totalen Zusammenbruchs und als Künstler hast du keine Zeit, es dabei zu belassen, einfach nur einen schicken Groove zu loopen.« (Ital) Vor drei Jahren hast du in einem Interview davon gesprochen, dass du dein musikalisches Umfeld von amerikanischen Produzenten elektronischer Musik in einer Übergangsphase vermutest, das sich in etabliertere Bereiche von Kopfmusik und »europäischerem« Clubformat aufspalten würde. Nun ist FaltyDL etwa mit seinem neuen Album »In The Wild« von der Dance-Landkarte gesprungen, »Endgame« dagegen ist schlanker, fokussierter, zeigt deine Liveerfahrung in Clubs. Heißt das, es ist so gekommen, wie du dachtest?
Ital: Ich spiele Musik am liebsten im Club, weil das Publikum sehr offen sein kann, und man den Raum hat, sich zu entfalten und Magie zu erzeugen. Ich habe etwas gegen Dichotomien wie Clubmusik versus Kopfmusik, weil sie sich mit meiner Erfahrung eigentlich nicht decken. Ich hab Leute schon auf alles Mögliche abgehen sehen; die besten Waffen eines DJs im Club sind eine expressive, offene Herangehensweise und dramatisches, umhauendes Timing. Wenn ich einen Track mag, merke ich, dass ich die Augen schließe und nicke, als würden die Klänge in meinem Kopf herumschwimmen. Joey Anderson sagt, dass die Stücke, zu denen er am liebsten tanzt, so eine kopfige Augen-zu-Qualität haben. Selbst bei super wilden Drum&Bass- oder Jungle-Tracks können bestimmte Flächen oder Halftime-Basslines diese drogige Hypnose auslösen. Ich sehe da keine Trennung. Wie sich die US-Szene in den letzten drei Jahren entwickelt hat? Die Leute machen ihr Ding und haben Erfolg, das ist toll. Die Künstler haben sich entwickelt, und die Clubs und Labels mit ihnen.

Du bist inzwischen auf Hardware umgestiegen, hast zuvor aber viel mit einer Freeware namens »Audacity« gearbeitet, bei der man vieles zu Fuß erledigen muss und die keinen Echtzeitzugriff erlaubt, was deiner Musik aber auch einen besonderen Charakter verliehen hat. Für jemanden mit deinem sehr direkten musikalischen Hintergrund in einer Post-Hardcore-Band wie Mi Ami muss das eine große Umstellung gewesen sein. Bist du als Komponist froh, wieder direkter operieren zu können, oder vermisst du nun etwas?
*Ital:
Ich vermisse nur die Musik, die ich noch nicht gemacht habe. »Audacity« war eine Zeitlang gut, aber insgesamt bin ich viel glücklicher mit Hardware, wo ich spontan eingreifen kann. Aber die Limits von Geräten versus Computer sind kein sehr knackiges Thema… Das Spielfeld, das ich mir mit »Audacity« geschaffen hatte, war ein sehr persönliches, als Programm würde ich es aber nie jemandem empfehlen. Ich würde immer raten, sich seine eigenen Regeln zu schaffen. Arbeitsweise, Sound, Haltung, Visuals, Titel… all diese Dinge gehen ineinander über; egal was du dir auswählst, es wird dein Produkt beeinflussen, darum ist es entscheidend, dass du dir eine Arbeitsumgebung schaffst, in der du dich inspiriert fühlst. Wenn du die hast, ergibt sich alles andere.

Letztes Jahr erschien von dir auch eine gemeinsame EP mit Jamal Moss aka Hieroglyphic Being. Du hast erwähnt, dass ihr euch bei der Zusammenarbeit nicht immer einig wart. Was genau war schwierig?
Ital: Mit Jamal Moss zu arbeiten war ein Highlight, er ist eine Naturgewalt, ein echter Visionär. – Eine gute Zusammenarbeit läuft meist nicht ohne Herausforderungen und Schwierigkeiten ab. Eine Sache, die mir bei der Arbeit mit anderen Produzenten aufgefallen ist, ist, dass es Leuten, mich eingeschlossen, ziemlich schwer fällt, zu artikulieren, was sie von ihrem Gegenüber wollen oder auch die Feinheiten ihres Setups oder ihrer Vision zu erklären. Das Produzieren ist eine sehr private Welt und oft sehr intuitiv. Wenn du es hast, dann merkst du das und den Rest der Zeit fühlst du dich immer ein wenig verloren. Das ist völlig in Ordnung, wenn du alleine bist. Intuition in Worte zu fassen ist allerdings verteufelt schwierig, aber gleichzeitig auch so wichtig, und zudem erfordert es Aufwand, Vertrauen herzustellen.

Das Album »Endgame« von Ital findest du bei hhv.de: 2LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 05.09.2014
Ital
Endgame
Der House-Anarchist Ital verfeinert auf seinem dritten, bei Planet µ erschienen Album »Endgame« seine Methoden.
Music Review | verfasst 28.11.2012
Ital
Dream On
Mit »Dream On« legt Ital ein weiteres gutes Album vor. Nichtsdestotrotz wäre der talentierte junge Mann noch zu Größerem imstande.
Music Kolumne | verfasst 09.10.2012
Zwölf Zehner
September 2012
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 23.06.2015
Ital
Toxic Work Environment
Ital präsentiert auf »Toxic Work Environment« ins Dystopische driftenden Minimal Techno. In Sachen Komplexität ist das erst einmal neu.
Music Review | verfasst 03.10.2014
Hieroglyphic Being & the Configurative Modular Me Trio
The Seer of Cosmic Visions
Hieroglyphic Being erdet seine psychedelischen Weltraumexkursionen mit Funk. »The Seer of Cosmic Visions« versammelt frühere Produktionen.
Music Review | verfasst 19.11.2015
James Booth
Human Rites
Mit »Human Rites« schafft sich James Booth über knackigen House-Grooves sein eigenes emotionales Referenzsystem.
Music Kolumne | verfasst 03.05.2012
Zwölf Zehner
April 2012
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 28.11.2012
Zwölf Zehner
November 2012
Willkommen (fast) im Dezember. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 23.11.2012
LA Vampires & Maria Minerva
The Integration LP
Hier wäre noch viel mehr drin gewesen: Verstaube Vintage-House-Beats treffen auf Weirdo-Pop-Gesang. »Aber«…
Music Kolumne | verfasst 04.04.2012
Zwölf Zehner
März 2012
Willkommen im April. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat März musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 17.09.2010
DJ Nate
Da Trak Genious
Let da Beat build! Es stottert, es klimpert, es jackt, es brummt, alles wild durcheinander. Ja, das ist der heiße Scheiß, da bestehen keine zwei Meinungen.
Music Review | verfasst 18.10.2010
DJ Roc
The Crack Capone
Mit DJ Roc erfährt eine weitere Größe der begeisternden Chicagoer Juke-Szene sein Albumdebüt. Dabei zeigt er sich roher und abstrakter als sein Kollegen.
Music Review | verfasst 01.02.2011
Various Artists
Bangs & Works Vol.1
Juke mag ein Phänomen sein, aber ein ernsthaftes. Ein lebendiges und vielfältiges dazu. Diese Compilation erzählt davon.
Music Review | verfasst 01.03.2011
Various Artists
14 Tracks of Planet µ
Die Compilation markiert den Status quo der Erfolgsgeschichte und auf geplante Veröffentlichungen.
Music Review | verfasst 11.04.2011
Falty DL
You Stand Uncertain
You Stand Uncertain ist eine Ode an die eigene Unsicherheit. Das Album wahrt trotz fahriger Genreandeutungen eine melancholische Dichte.
Music Review | verfasst 14.05.2011
Boxcutter
The Dissolve
Boxcutter hält auf Album Nummer vier seine elektronische Musik sehr weich, man möchte fast sagen »verträumt«.
Music Review | verfasst 21.07.2011
Machinedrum
Room(s)
Machine Drum macht den Kontrast zwischen schnellen Beats und entspannten Synthesizerflächen auf.
Music Review | verfasst 14.10.2011
Kuedo
Severant
Jamie Teasdale ist bislang als die eine Hälfte von Vex’d aufgefallen. Nun legt er sein Solodebüt als Kuedo vor.
Music Review | verfasst 15.09.2011
DJ Diamond
Flight Muzik
Planet µ hat sich ja inzwischen als europäischer Stellvertreter für die Chiagoer Juke-Szene etabliert. Die neueste Entdeckung: DJ Diamond.
Music Review | verfasst 18.10.2011
Tropics
Parodia Flare
Eingespielt und produziert in einem Kleiderschrank ist Parodia Flare eine Traummusik, eine positive Sehnsucht nach einem perfekten Sommer.
Music Review | verfasst 30.04.2012
The Host
The Host
Barry Lynn hat es mit seinem neuen Projekt tatsächlich geschafft, in kurzen Sequenzen ganz große Szenerien auferstehen zu lassen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Dinosaur Jr
Green Mind
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.