Music Interview | verfasst 25.04.2017
Tropical Drums of Deutschland
Track by Track mit Jan Schulte
»Die rocken den Afrika-Style auch hart auf der Rückseite des Albums« oder »Rüdiger Oppermann war auf jeden Fall so ein esoterischer New Age-Harfenspieler«. Wir haben mit Jan Schulte seine neue Zusammenstellung besprochen – Track für Track.
Text Lars Fleischmann , Fotos Alexander Romey / © hhv.demag
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Various Artists - Tropical Drums of Deutschland. Compiled by Jan SchulteFind it at hhv.de: 2LP Deutschland, tropisch? Eher weniger. Gut, manchmal regnet es. So auch an dem Tag, an dem ich Jan Schulte aka Bufiman aka Wolf Müller in seinem Düsseldorfer Studio besuche, um mit ihm über seine neue Compilation zu sprechen: »Tropical Drums of Deutschland«.
Jan Schulte entspringt dem Umfeld des berühmten Düsseldorfer Club Salon des Amateurs. Inzwischen ist er ein international gefragter DJ. Sein Musik-Geschmack formt den anderer. Beim Boiler Room spielte er ein tribalistisches, Geräusch-basiertes DJ-Set unter seinem House-Alias (Bufiman), im Trommel-Musik Outfit (Wolf Müller) oder unter Edit-One-Time-Personas wie Diskoking Burnthart McKoolski oder Goofy Man: seine Platten stürmen die »highly recommended«-Sektionen der Kenner-Portale. Der Salon des Amateurs bleibt aber das Herz des Künstlers Jan Schulte, Düsseldorf das kreative Zentrum seines Schaffens.

Es ist ein trister Tag in der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt. Ein Tag, der einem ziemlich deutlich vor Augen führt, warum man mit Deutschland so ziemlich als letztes tropische Trommeln assoziiert. Die Unerwartbarkeit dieser Zusammenstellung ist nur eine ihrer Stärken. Wir haben uns dieses unwahrscheinliche Werk angehört – gemeinsam. Track für Track.

Om Buschmann – Klang Fängt An Aus: Om Buschmann – Total, High-Fine Music, 1988
Jan Schulte: Eine der musikalischen Ideen der Platte ist die Vermengung von geraden Rhythmen mit einer ganz bestimmten interessanten Klangfarbe. Hier ist der Rhythmus nun kaum zu finden, aber wie viele Instrumente und Objekte für Musik sorgen, darum geht es. Man hört schon nach wenigen Sekunden, dass diese Nummer mich auch für meine eigenen Sachen beeinflusst hat.

Wie genau?
Jan Schulte: Also dass es nicht um eine klassische Melodie geht, sondern Objekte und ihr Klang verwendet werden, um »so etwas wie eine Melodie« zu erzeugen. Wo der Sound vor der Musik als solcher steht. Kannst du ja mal auf die Liste hinten schauen, was alles zur Klangproduktion verwendet wurde.

Zwei Radkappen, eine Steeldrum, fünf Kochtöpfe aus Mutters Küche, zwei Congas, eine Klospülung … ich sehe schon.
Jan Schulte: Das Intro steht eigentlich auch für den Ansatz, den ich verfolgte, eben keine Club-Musik abzubilden. Es ging mir (vielleicht abgesehen von den beiden Edits am Ende) darum, eine Platte zu machen, die man auflegen kann und durchhören. Auch weil die Stücke teilweise auf Platten sind, die sonst auch fiesen Free-Jazz beheimaten. Das kannst du dann eher nicht einfach mal anmachen.

Die ist jetzt von 1988. Welches zeitliche Spektrum wird denn abgedeckt?
Jan Schulte: Ich glaube nur 80er – lass das mal bei den Nummer jeweils abchecken. Ich weiß es aber auch nicht, weil es nicht die Idee war, nur dieses Jahrzehnt abzudecken; hat sich aber einfach so ergeben. Den größten Anteil hat natürlich die Musik-»Szene« aus Deutschland und Österreich selbst.

Was sind denn die Gründe dafür?
Jan Schulte: Entweder sind hier Musiker, die aus der zweiten oder dritten Generation der ›Krautmusiker‹ kommen, oder welche die von Anfang an dabei waren und sich dann vom Progressiven eher Richtung Ethno und Esoterik bewegt haben.

Total Art of Percussion – Wuhan Wuchang Aus: Total Art Of Percussion – s/t, Rash, 1982
Jan Schulte: Das ist einer meiner frühesten Funde. Aufgenommen irgendwo in Hessen, aber auf dem Essener/Gelsenkirchener Rash-Label rausgekommen. Da versuche ich seit Jahren, etwas drüber rauszufinden. Man findetnur zu drei, vier Platten überhaupt was … Bei vielen der Stücke ist es ein Mysterium, wer die gemacht hat. Da kennst du keinen. Das waren Musikstudenten und Ähnliches. Musikalisch ist das hier zu großen Teilen ganz weit vorne. Aber von den hier beteiligten Musikern ist außer der Platte wenig übrig geblieben.
Das Stück »Wuhan Wuchang« verfolgt mich schon seit über zehn Jahren.

Wo hast du sie denn gefunden? Wie hast du sie gefunden?
Jan Schulte: Lange Zeit wusste ich bei den meisten Platten, wie und wo und warum. Ich kann dir aber keine coole Anekdote liefern. Irgendwann ist das vorbei, leider. Wahrscheinlich auf dem Trödel. Vielleicht habe ich sie auch meinen Kumpel Arne, der das ›Themes For Great Cities‹- Label macht, abgekauft. Der lacht dann, wenn er das hier liest.

Ich frag ja, weil mich interessiert wie du generell deine Platten findest.
Jan Schulte: Ich gehe in Plattenläden, schaue online nach Neuerscheinungen. Nach wie vor ist der Trödel das Beste zum Finden – wenn man auf private Händler trifft. Da passt aber auch nur Eine von 500. Das hat viel mit Glück und Fleiß zu tun. Es gab Zeiten, wo ich Partys früh verlassen habe um am nächsten Tag oder direkt nachts mit dem Fahrrad oder so auf den Trödel zu fahren. Da fährst du in der düsteren Nacht eine Stunde durch die Stadt um als Erster da zu sein.

Argile – Tagtraum eines Elefanten Aus: Argile – Nimdirsi, Schneeball, 1983
Jan Schulte: Das ist von der Platte »Nimdirsi». Was auch immer das heißt. Wahrscheinlich ein doofes Wortspiel. Bei der Platte weiß man auch mehr. Schneeball Verlag, das ist von der Gruppe Embryo mitbetrieben worden. Spätkrautiger Verlag, alternativ, Prog-Rock, Ethno-angehaucht. Also perfekt.
Hier kommen wir auch zu einem zweiten wichtigen Aspekt der Platte: Lieder über den Dschungel, die Savanne, den Urwald, von Leuten, die wahrscheinlich nie da waren. Hier ist es schon als Tagtraum gelabelt. Das ist hier natürlich plakativ mit den Geräuschen. Das Schöne ist, dass die Platten dadurch ja nicht verlieren, sondern etwas ganz Eigenes entwickeln.

Würdest du das zuordnen können?
Jan Schulte: Man entwickelt das Gefühl, dass hier gelernte Musiker einen gewissen Drang zum Naiven entwickelt haben. Das ist alles mit großer Klasse gespielt – aber es bleibt in einer kindlichen Phase verhaftet. Wie ein gut gemaltes Kinderbuch.

Ich finde die bildliche Ebene sehr interessant, die du hier aufmachst. Siehst du da Verbindungen? Gerade in einer Stadt wie Düsseldorf ist man doch von außen immer versucht, so was rein zu lesen. »Ein wichtiger Aspekt der Platte: Lieder über den Dschungel, die Savanne, den Urwald, von Leuten, die wahrscheinlich nie da waren.» ( Jan Schulte)
Jan Schulte: Erstmal ist es ja eine persönliche Sache. Ob du eher auf Musik oder auf Bilder reagierst. Ich mache da aber keinen großen Unterschied, also von vornherein nicht. Das sind beides Bereiche, die unter anderem, als Ziel haben, Emotionen auszulösen. Aber die Szenen sind hier sowieso vermengt – vielleicht ja wirklich mehr als in anderen Städten. Ich habe aber auch den Blick aus dem Salon des Amateurs hinaus. Der Salon ist damals aus der Akademie heraus entstanden. DJs und Künstler wie Tolouse Low Trax oder Lena Willikens kommen von der Akademie, und sind dann am DJ-Pult gelandet.

Ist das, was diesen Appeal ausmacht, der den Salon umgibt? Mittlerweile wird der ja international gefeiert.
Jan Schulte: Ich denke da war einfach auch viel im richtigen Moment am richtigen Ort. Nicht nur ich, sondern einige gute Leute, sind da irgendwann reingestolpert und waren geschockt, was da abläuft. Also positiv. Und von diesen Leuten sind dann auch einige hinters DJ-Pult gewechselt. Und nun zelebrieren wir da alle gemeinsam Musik, die in anderen Sphären stattfindet als an den meisten anderen vergleichbaren Orten.

Rüdiger Oppemann’s Harp Attack – Troubadix in Afrika Aus: Rüdiger Oppemann’s Harp Attack – Troubadix Rache (7“), Heupferd Musikverlag, 1990
Jan Schulte: Da steht als Label Wundertüte und Heupferd Musikverlag. Schon ein super Name. Rüdiger Oppermann war auf jeden Fall so ein esoterischer New Age-Harfenspieler. »An der Electric Harp, der Celtic Harp und der madagaskarischen Valia-Harp« – genial. Bei der weiß ich auch, woher ich die habe. Aus einem An- und Verkauf für 50 Cent.

Aber du sagst das so, als hättest du die schon vorher gekannt…
Jan Schulte: … nee, gar nicht. Ich habe die mitgenommen, weil da vom Namen, über Cover, einfach alles genau Eines gesagt hat: »Kauf mich!«

Machst du dir denn was aus dieser New-Age-Esoterik?
Jan Schulte: Die Esoterik suche ich da nicht, auch wenn es ganz klar ist, dass solche Platten vor diesem Hintergrund zu genießen sind. Mit Erleuchtung und Duftkerzen habe ich aber nichts mit am Hut. Auch ohne Yoga-Kurs kann man, wenn man die Augen zu macht, irgendwas erleben. Ich belächle da aber auch nichts oder tu das ab. Ein Andreas Vollenweider, der in den letzten Jahren glücklicherweise wiederentdeckt wurde, war schon immer ein grandioser Musiker. Man muss Background auch Background sein lassen. Mich interessiert nur, was in der Rille ist.

Argile – Kleine Rosa Wolke Aus: Argile – ! Weltmusik, Heupferd, 1986
Jan Schulte: Über Argile haben wir ja eben schon kurz geredet. Das muss man dann vielleicht nicht nochmal. Aber die »Kleine Rosa Wolke» musste drauf. Auch zur Entspannung.

Hattest du die Idee im Hinterkopf den beiden ersten Seiten Intros zu verpassen? Die sind ja eindeutig die ruhigsten Stücke.
Jan Schulte: Das hier ist eine Meditation zum Anfang der zweiten Seite, während das bei der A1 ja eher eine Ankündigung ist. Ich wollte aber schon, dass die alle Seiten für sich Sinn machen. Als Vinylhörer ist es mir wichtig, dass die Stücke, die mehr Listening sind, nicht vermischt werden mit dancy Kram.

Sanza – Sounouh Aus: Sanza – Sanza, Extraplatte, 1990
Jan Schulte: Das ist so ‘ne Platte, die bis vor einiger Zeit noch sehr einfach in Wien zu erhalten war. Nun ist die aber leider entdeckt worden und weniger gut zu bezahlen.
Das Label Extraplatte hat dieses starke Sägezahn-Logos. Mich fasziniert bei der Platte die Aufnahme. Die ist grandios. Man hat den Eindruck zwischen den Instrumenten zu sitzen – das begeistert mich immer wieder. Unglaublich wie glasklar da alles ist.

Was ist da der Hintergrund? Kennst du den?
Jan Schulte: Meines Wissens war das eine Gruppe von Österreichern, die sich an traditionelle Sounds heran trauten. Und den Afrika-Style auch hart auf der Rückseite des Albums rocken. Das ist vielleicht aus einem Trommelkreis entstanden. Man bedankt sich auch artig auf der Rückseite bei jenen, die Texte und Rhythmen vermittelt haben.

Diesmal trittst du im Übrigen ja weder als DJ noch als Produzent auf. Wie ist das eigentlich für dich als Kurator?
Jan Schulte: Ich lehne das gar nicht explizit ab (Promoter von Parties sind ja wirklich nichts Anderes als Kuratoren), doch sehe ich die Platte schon als DJ-Set. Ich habe die angeordnet, wie ich sie auch mal im Salon oder bei einem Festival hätte hintereinander spielen wollen. Dass die nicht gemixt sind, ist ja auch egal.

Kehrt denn der Selektah wieder zurück?
Jan Schulte: Man kann da was erkennen, das stimmt. Also dass wieder genauer drauf geschaut wird, was gespielt wird. Dadurch, dass da in den Musikmedien so viel Aufmerksamkeit vorhanden ist, ist das auch eben eine Chance wieder essentieller zu arbeiten. Das ist gut. So kommt es dann auch zu solchen Platten wie dieser.

Wie kam es denn überhaupt zur Platte?
Jan Schulte: Kenneth Bager, der Music For Dreams macht, die Legende aus Dänemark, hat mich einfach angefragt. Wir kannten uns auch schon vorher. Ich habe natürlich sofort »Ja« gesagt und mir erst danach Gedanken gemacht, was ich erzählen oder präsentieren kann, was noch nicht erzählt worden ist. Alles andere hätte mich nicht angemacht. So habe ich auch mehr meine kleinen Geheimnisse und Lieblinge Preis gegeben. Platten, die mir echt am Herzen hängen. Coolness und extremes Diggertum waren mir unwichtig.

Und der Name?
Jan Schulte: Das mit »Tropical Drums of Deutschland« fand ich einfach witzig, weil das auch nen coolen Klang hat. Und es lag mir einerseits nichts daran irgendwie Deutschland zu representen, andererseits war das eben die Lücke, die ich empfunden hatte bei den Re-Issues.

Om Buschmann – Prima Kalimba Aus: Om Buschmann – Total, High-Fine Music, 1988
Jan Schulte: Ich finde super, dass das Stück so beknackt anfängt. Da ist dann diese am Anfang schon besprochene Klospülung, die den Auftakt gibt. Und die kommen aus der Ecke, wo auch mein Homie und Kooperateur, Niklas Wandt, herkommt: Aus Leichlingen bei Leverkusen.
 
Oob Moses / Billy Martin ‎– Boat Song Part II Aus: Bob Moses / Billy Martin ‎– Drumming Birds, ITM Records, 1987
Jan Schulte: Das ist jetzt eine Platte, die rausgekommen ist auf dem Wuppertaler Label ITM Records. Das ist bekannt dafür, dass Mitte/Ende der Achtziger da sehr viele sehr coole Platten rausgebracht wurden. Auf der Platte hier schlummern einige Hits. Vor allen Dingen, weil die auch richtig Club-tauglich sind.
 
Ralf Nowy – Akili Mali Aus: Ralf Nowy – Colours, Palm Records,1986
Jan Schulte: Ralf Nowy war auch so ein umtriebiger Künstler. Die »Colours« war eine Werbevertonungsplatte, man spricht dann auch von Library Musik. Davon gibt’s auch noch drei weitere Platten. Die haben alle dasselbe Cover aber verschiedene Themen, wie Urlaub und so. Die ist ja genauso gemeint die Platte wie schon eben erwähnt: Ein exotisches Gefühl vermitteln. Mich faszinieren diese verrückt-gestimmten Synthie-Trommeln, die in dem Stück sind. Da hat man auch keine Ahnung, wie das gemacht ist. Und untermalt wird das von einer unglaublichen Geräuschwelt.

Bei Library Platten findet man ja auch immer die Stimmung, die beschrieben werden soll.
Jan Schulte: Ja, hier steht »Afrikanische Volksmusik mit viel Percussion«. Da weiß man ja schon, dass das »falsch« ist.

Was weiß man noch von Ralf Nowy?
Jan Schulte: Der hat so viel produziert und mitverantwortet, das kann man nicht aufzählen, glaub ich. Ganz interessant: Der war mit Tom Müller – und dem deutschen Superstar-Produzenten Horst Nußbaum aka Jack White – auch die legendären Methusalem.

Trimopen – Wagagroove Aus: Trimopen – Freiheit den Rhythmusknechten
Jan Schulte: Wie auch immer man das ausspricht, Trimopen, überzeugt hier ja schon der Albumtitel. Die haben das Equipment für die Platte damals gesponsort bekommen. Das steht dann auch hinten auf der Platte drauf. Den Groove, den die hier haben, hat so was leicht industrial-mäßiges. Das wollte ich dann auch nochmal abbilden. Und diese, ich nenne es mal, Anti-Melodie aus vermutlich metallischen Objekten.

Om Buschmann – Hey Tata Gorem Aus: Om Buschmann – Total, High-Fine Music, 1988
Jan Schulte: Hier haben wir nicht nur nochmal die Om Buschmann, die ich einfach grandios finde, wie man sich mittlerweile auch denken könnte, sondern hier nach kommt dann auch noch mein Edit. Ich liebe diese subtile, beknackte Komik – mit der Phantasiesprache. Da war mir wichtig den Vergleich der beiden rauszuarbeiten. Zu zeigen, wie weit die auseinanderlaufen. Ich fand das auch als Hörerfahrung für andere spannend, da man das ja meistens nicht hat im direkten Vergleich.

Ich frage mal kritisch nach, macht man ja so: Wie sehr wird denn eine Compilation auch beeinflusst durch Verträge und Lizenzen?
Jan Schulte: Interessant, dass du das fragst. Wir haben im Vorhinein auch noch für ein paar andere Stücke versucht die Lizenzierung durch zu bringen. Aber das ist dann auch nicht immer möglich. Das ist das härteste Stück Arbeit, was mir in diesem Falle glücklicherweise vom Label abgenommen wurde. Aber man bekommt natürlich nicht jedes Stück zur Verfügung gestellt. Das hatte sicherlich auch Einfluss auf die Platte, schmälert aber das Projekt kein bisschen. Unter Umständen hätte ich sonst auch noch ein, zwei weitere Stücke draufgehabt. Aber wir sind glücklicherweise nicht mehr in Zeiten von Bootleg-Compilations.

Om Buschmann – Hey Tata Gorem (Wolf Müller Edit)
Jan Schulte: Dieser Zwischenpart hat mich damals total begeistert. Ich musste zwar extrem viel Arbeit in den Edit stecken, da ich den Groove anders haben wollte. Aus dem 7/8 Rhythmus musste ich dann händisch für jeden Takt den letzten Schlag doppeln, damit das auf 8/8 passt. Höchstpersönlich kann ich Musik am besten Genießen, wenn ich klassisch dazu mit dem Kopf nicken kann. Music For Dreams mochte meine Edits sowieso und wollte dann zwei Stück auf die Platte pressen. Fand ich eine gute Idee. Auch jetzt so hintereinander gehört, funktioniert das ja auch gut. Was ein Edit eigentlich bedeutet, was man da macht.
 
TCP – At The Water Hole (Wolf Müller Edit)
Jan Schulte: Zum Thema Tony Carey muss man direkt zwei Sachen sagen: Einmal hätte ich gerne einen Track auf der Platte gehabt, der nicht Edit ist. Da kamen dann Disco Halal und Moscoman dazwischen und haben die Platte ge-re-issuet, ist ja auch gut so. Da gab es dann keinen Grund mehr, außer der inneren Ordnung der Platte. Die war mir zwar wichtig, albern wär es trotzdem gewesen.

Was macht diese Nummer so wichtig für dich?
Jan Schulte: Diese Demo-Ästhetik macht das schon sehr rund. Deswegen bin ich auch froh, dass das nie zu Ende gemacht wurde. Diese Tiergeräusche, die alle aus dem Synthie kommen, sind ja total irre. Mit der Nummer (und auch dem Edit) kann man auf der Tanzfläche eine ganz eigene Stimmung verbreiten. Meistens schauen die Leute erstmal erstaunt und irgendwann sind die ganz tief drin. Das kann man über einige, oder alle, Nummern auf der Platte sagen. Für mich ist das der Unterschied zwischen »In der Disco irgendwelche bekannte Nummern spielen« und dem, was wir propagieren.

 

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Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
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Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«