Jan Schulte – Mein Name sei Bufiman

09.01.2020
Jan Schulte ist der Mann mit den vielen Namen. Jetzt veröffentlicht er auf dem niederländischen Label Dekmantel sein Debüt »Albumsi« als Bufiman. Wir trafen ihn im Wolf Müller Flanger Studio und sprachen mit ihm darüber.

Ein Mann mit vielen Namen: Jan Schulte, Jantronix, Wolf Müller Diskoking Burnhart McKoolski oder – und jetzt wird es interessant – Bufiman. Denn dieser Tage wird Dekmantel das Debütalbum von Bufiman veröffentlichen. Während Jan Schulte als Wolf Müller schon mit Cass. und Niklas Wandt zwei hochgelobte Kooperationen veröffentlicht hat und unter seinem bürgerlichen Namen zwei genauso gelobte Compilations zusammenstellte, war Bufiman bis jetzt das Pseudonym, das einerseits am ehesten mit Tanzflächen in Verbindung gebracht wurde, doch andererseits eben noch keine Würdigung in Albumlänge erlebte. Ändert sich jetzt – und wie! »Albumsi« heißt das gute Stück und wir trafen Jan Schulte zum Interview im heimischen Wolf Müller Flanger Studio.


Die Musik von Bufiman findest du im Webshop von HHV Records


Bevor wir zum Album kommen müssen wir vielleicht nochmal klären, wie sich deine Pseudonyme unterscheiden. Das braucht man vielleicht, um Bufiman zu verstehen.
Wolf Müller sollte immer krautig und experimentell sein – in Anführungszeichen gesprochen. Gleichzeitig habe ich dann Chicago-Nummern entdeckt, die trotz 4-on-the-Floor funky waren… stompy aber funky.

Platten von Relief Records etwa?
Relief, ja, zum Beispiel. Technotica. Eric Martin und Dance Mania. Das fand ich interessant und habe damit experimentiert. Das war dann Bufiman.

Ist das heute immer noch so?
Die Wolf Müller-Sachen und die Bufiman-Sachen nähern sich an; sind aber nicht dasselbe bisher. Man muss auch dazu sagen, dass alles bei mir im Flow entsteht. Ich weiß anfänglich nicht, ob es das eine oder das andere wird. Auf dem Weg passieren Sachen, die ich nicht planen kann.

Es hat nun ausgesprochen lange gedauert bis zur ersten Bufiman-LP.
Ich habe Bufiman sehr lange nicht als Album-Projekt gesehen. Das waren House-/Dance-12inches. Ich bin selbst gar nicht der große Album-Hörer. Ich höre Tracks.

Aber?
Als Dekmantel fragte, ob ich eine LP machen wolle, war ich erstmal überrascht. Ich habe mich dann mit Aki Vierboom (AkiAki von den Phaserboys Anm. d. Autors) bei mir zu Hause hingesetzt und diskutiert. Ich hätte wahrscheinlich einfach angefangen und geschaut, was passiert. Aki meinte aber, dass das eine Chance sei; dass man machen könnte, was man selbst für wichtig hält für ein Album. Und dann fiel mir auf, dass meine Lieblingsalben immer Erzählcharakter haben.

Welche wären das?
Quasimotos »The Unseen« und Chemical Brothers’ »Dig Your Own Hole«, zum Beispiel. »Dig Your Own Hole« ist ja ein ganzer Club-/Drogen-Trip in LP-Form. Beginnt mit Saufen, dann geht man in den Club, dann wird es psychedelisch. Und die Stücke gingen ineinander über. Auch Hammer!

Beim Album jetzt hast du aber kein Continuous Play – wie man so sagt – umgesetzt…
Doch. Die Vinylversion ist durchgehend eigentlich. Also es werden Elemente aufgenommen und eigentlich fließt alles. Ich glaube bei der Digital-Version sind die Tracks voneinander getrennt, damit man die besser auflegen kann und auch als Einzeltracks vermarkten kann. Das macht man ja heutzutage so. Aber für mich zählt vor allen Dingen die Vinylversion.

»Ich weiß es nicht. Mir kommt es so vor als ob ich für einen »nächsten Schritt« wahrscheinlich nach Berlin oder Amsterdam ziehen müsste. Aber ich bleibe dann doch in Düsseldorf- (Jan Schulte)

Wie bist du das Thema Album also angegangen?
Ich habe die ersten Wochen tonnenweise Sprach-Samples und sowas gesammelt. Ich hatte eine Madlib-Platte im Kopf, mit Skits, die ich zusammencutte; so Audioplay beziehungsweise Mini-Hörspiele. Das habe ich schnell verworfen. Ich habe schnell erkannt, dass ich nicht das Talent habe, um das so unterhaltsam und atmosphärisch dicht zusammenzupacken.

Das gestehen sich nicht alle ein…
Das hatte auch damit zu tun, dass ich mit guten Leuten über die Platte reden konnte. Es gibt ja einige Features auf der Platte. Am besten hängen wir die Credits am Ende an, damit wir die hier nicht aufzählen müssen. Und die Leute kamen vorbei und es ergaben sich spontan Collabs.

Die kamen zu dir ins Studio?
Ja, genau. Ich habe letztes Jahr meinen Day-Job gekündigt nach etlicher Zeit des Parallel-Lebens, habe also die Musik zu meinem Hauptjob gemacht. Das bedeutet natürlich einen Riesenschritt und große Veränderung: Man kann den ganzen Tag an Musik arbeiten, man hat Zeit, kann auch mal etwas liegen lassen, oder – wie hier zum Beispiel – es kommen Freunde vorbei und man nimmt einfach etwas auf.

Erklär das doch nochmal mit dem Day-Job…
Ich habe jahrelang in einem Tonstudio gearbeitet. Und in den letzten Jahren immer weiter runtergeschraubt, weil ich mit meinem Musikding immer mehr Zeit verbracht hatte. Dann habe ich den Job gekündigt und das war überwältigend, weil man Freiheiten gewinnt. Wenn man plötzlich von der Musik allein leben kann und muss. Ich habe ja keinen Manager, der mir den Rücken freihält – und deswegen beantworte ich meine E-Mails selbst und das ist ja auch viel Arbeit. Aber ich komme gar nicht hinterher mit dem Beantworten, ehrlich gesagt. Das soll mir keiner übelnehmen. Ich sitze dann doch lieber hier und mache mehr Musik.

Wäre das der nächste Schritt?
Ich weiß es nicht. Mir kommt es so vor als ob ich für einen »nächsten Schritt« wahrscheinlich nach Berlin oder Amsterdam ziehen müsste. Das macht man dann ja so; dann sucht man sich jemanden, der für einen dann die ganze »andere Arbeit« übernimmt. Aber ich bleibe dann doch in Düsseldorf und mache das allein.

Als »Ich-AG«?
Sozusagen, ja.

Vielleicht kann man zwei Partner:innen hier doch rausnehmen. Also erstmal Florian Van Volxem, der ja auch schon auf der »Running EP« (auf Versatile erschienen) mitgespielt hat, die ja den Durchbruch für das Bufiman-Pseudonym darstellt.
»Running« – auch wenn es erst 2014 veröffentlich wurde – habe ich ehrlich gesagt 2008 produziert. Kurz davor hatte ich ein Praktikum bei Florian im Studio gemacht und wir haben uns sofort super verstanden. Aus derselben Zeit stammen dann eben seine Elemente im Track »Coolness« auf dem Album. Das Stück hatte ich damals außer Acht gelassen, weil ich zu der Zeit mit meinen damaligen Mitteln nicht weiterkam…

Dann habe ich per Zufall das Projekt wiedergefunden und weitergearbeitet. Bass, Gitarren und Beats sind aber von 2008! (lacht)_ Leider finden wir im Moment beide selten die Zeit um nochmal zusammenzuarbeiten, da er durchgehend mit Soundtracks oder sogar preisgekrönten Jazzaufnahmen beschäftigt ist und ich am Wochenende halt meistens auf Tour bin. Irgendwann wollen wir aber noch mal richtig zusammenarbeiten!

Und dann wäre da Sara Dudzinski-Rodriguez…
Sara ist meine Freundin und ich fand es lustig, dass sie Geräusche mit ihrem Mund macht auf ihrer eigenen Nummer.


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