Music Review | verfasst 13.06.2018
DJ Richard
Dies Iræ Xerox
Dial, 2018
Text Kristoffer Cornils
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6.9
Redaktion
Cover DJ Richard  - Dies Iræ Xerox

Als der Lo-Fi-House das Steuer übernahm und mit dank memes und Alicia Keys-Samples im Algorithmenstrudel YouTubes das Heft übernahm, zogen die Labels und Produzenten schleunigst weiter, die unter dem Begriff Outsider House zwangsverschlagwortet wurden. Anders DJ Richard, oder besser gesagt: genauso DJ Richard. Der in Berlin ansässige US-Amerikaner neigte sich unter anderem dem Ambient zu, wie es auch Huerco S. tat, sog aber zugleich immer mehr Einflüsse in sich auf. Der daraus resultierende Output scheint auf den ersten Blick wunderbar wahllos. Seine zweite LP »Dies Iræ Xerox« erscheint wie das Debütalbum »Grind« auf dem Hamburger beziehungsweise Berliner Label Dial und zieht nach der ebendort veröffentlichten, stellenweise Electro-inspirierten »Path Of Ruin«-EP die Farbwerte noch weiter herunter. Wieder wird mehr oder weniger kohärent viel Ambient zwischen die Beat-orientierten Stücke geschmiert, der mal komplett nach William Basinski (»Dissolving World«) oder gleich nach Klaus Schulze mit MDMA-Kater (»Ancestral Helm«) klingt; wieder finden sich dazwischen auch mal ein beinahe tranciger House-Tune (»Vanguard«) und ein deprimiertes Midtempo-Stück, das die Afterhour als Sprungschanze ins Afterlife empfiehlt (»Ex Aere«). Nur am Ende wird noch mal Arsch getreten, zumindest so halb. Fast dreieinhalb Minuten schleppt sich ein harter und doch müder Cut (»Gate of Roses«) auf ein viel zu abruptes Ende hin, das vor allem eins sagt: Welche Geschichte du auch immer auf dieser Platte suchen wolltest, sie hat schon längst Feierabend gemacht. Was also nach »Dies Iræ Xerox« zurückbleibt sind viele lose Enden und Andeutungen, die bis hin zur christlichen Hymnik und muffigem Industrial reichen. Das taugt musikalisch nur im Einzelfall, im Gesamten aber zumindest positioniert es sich als Haltung gegen Fremdzuschreibungen mit den erweiterten Mitteln dessen, was DJ Richard und einer Vielzahl anderer einst auf den Leib gedichtet wurde.


»Dies Iræ Xerox« von DJ Richard findest du bei uns im Webshop: Vinyl LP.

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