Music Review | verfasst 08.07.2019
Sachiko Kanenobu
Misora
Light In The Attic, 2019
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
6.5
Nutzer (2)
8.6
Redaktion
Cover Sachiko Kanenobu - Misora

Folk aus Japan hat, trotz der allgemeinen Verfügbarkeit von vermeintlich allem, was so an Tonträgerproduktion rund um die Welt dieser Tage (wieder) verfügbar ist, jetzt noch nicht den allergrößten Verbreitungsgrad erreicht. Was in manchen Fällen durchaus an den Künstlern selbst liegen mag. Gerade mal ein Album hat die japanische Musikerin Sachiko Kanenobu in den 1970er Jahren veröffentlicht, elf Songs, viele davon sind einfach mit ihrer Stimme und Gitarre bestritten. »Misora« heißt ihr für einige Dekaden einziges Soloalbum. Als es 1972 erschien, hatte sich Sachiko Kanenobu allerdings erst einmal aus dem Musikgeschäft zurückgezogen, was nicht gerade zu seiner Bekanntheit beigetragen haben dürfte. In den 1990er Jahren brachte sie es dann mit der Band Culture Shock auch hierzulande zu einiger Bekanntheit. Doch »Misora« ist in gleich mehrerer Hinsicht auch historisch mehr als bemerkenswert: die erste Platte der mutmaßlich ersten Singer-Songwriterin Nippons, erschienen auf dem ersten Independent-Label des Landes URC (Underground Record Club). Abgesehen von diesen quantitativen Einzelheiten ist das Album bestens geeignet, einen mit seiner Schlichtheit, die so gar nichts Einfältiges hat, ganz sacht, aber ohne Aussicht auf Gegenwehr zu entwaffnen. Einfachheit ist bei Sachiko Kanenobu eindeutig Größe, in Melodie, Harmonie und Arrangement – Schlagzeug, Bass und Akkordeon gibt es durchaus auch hin und wieder. Meistens genügt aber das, was sie selbst an Instrumenten mitbringt. Produzent war übrigens Haruomi Hosono. Er spielte damals in der Folk-Band Happy End. Und zu deren Freunden gehörte Sachiko Kanenobu.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 50 Reissues
Auch 2019 haben uns fleißige Plattenlabels Musik von gestern für ein besseres Morgen zur Verfügung gestellt. Wir haben 50 Schallplatten herausgesucht, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.
Music Liste | verfasst 10.01.2018
Tribal, Voodoo, Folklore
10 aktuelle Platten von weit weg
Deutschland im Januar: Jahresanfangsmüdigkeit, Schneeregen, Heizungsluft. Man möchte woanders sein. Unsere Liste geht direkt einen Schritt weiter, GANZ woanders hin. Hier sind 10 aktuelle Platten wie sie exotischer kaum klingen könnten.
Music Review | verfasst 22.05.2011
Various Artists
West Indies Funk
Nach Disc’O’Lypso gelingt dem Label Trans Air eine weitere hervorragende Zusammenstellung karibischer Klänge.
Music Review | verfasst 27.08.2011
Various Artists
West Indies Funk 2
Das Label Trans Air präsentiert einen weiteren Fund an raren Funkaufnahmen von den westindischen Inseln.
Music Review | verfasst 18.01.2012
Various Artists
Wheedle's Groove - Seattle's Finest in Funk und Soul 1965-1979
Light In The Attic legt jetzt eine Box mit zehn 7inches nach, die den Funk und Soul in Seattle in den Jahren 1965 bis 1979 beleuchtet.
Music Review | verfasst 09.07.2014
Lewis
L'Amour
Auf einem Flohmarkt taucht die Platte »L’Amour« eines Künstlers namens Lewis auf. Nun erscheint das Re-Release bei Light In The Attic.
Music Review | verfasst 01.12.2014
Sly Stone
I'm Just Like You: Sly’s Stone Flower 1969 -1970
Mit »I’m Just Like You: Sly’s Stone Flower 1969 -1970« muss man Sly Stone einfach wiederentdecken.
Music Review
Spellling
The Turning Wheel
Ihre Songs sind Gebilde, die allerlei wunderliche Triebe sprießen lassen. Spellling legt mit »The Turning Wheel« ein neues Album vor.
Music Review
Miša Blam
Miša Blam I Oni Koji Vole Funky
Mit »Miša Blam I Oni Koji Vole Funky« geht das Label Discom weiter seinen Weg, »unbekannte Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien« aufzulegen.
Music Review
Various Artists
No Photos On The Dancefloor! Vol.1
Die Compilation zur Ausstellung »No Photos On The Dancefloor!« zeigt, zwischen 1992 und 2006 war Techno in Berlin vielseitiger als gedacht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier LP
Zeit für gute Laune: das neuseeländische Dreigespann Flamingo Pier legt auf Soundway sein Debütalbum vor.
Music Review
Loveshadow
Loveshadow
Das bei Music From Memory veröffentlichte Debüt des kalifornischen Duos Loveshadow ist ein Album zum Liebemachen am Strand.
Music Review
Loscil
Clara
Wie der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel: der kanadische Musiker Loscil hat mit »Clara« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mind Maintenance
Mind Maintenance
Joshua Abrams und Chad Taylor nehmen Gimbri und Mbira zur Hand und üben sich als Mind Maintenance in Gelassenheit.
Music Review
Mad Voice
Drogen / Ohne Liebe Leben
Wiener Brut veröffentlicht die 1982er Single »Drogen / Ohne Liebe Leben« von Mad Voice neu. Da dreht sich der goldene Reiter im Kreis.
Music Review
Resilient Vessels
Live At The Cell
Vier Musiker haben sich im letzten Jahr zusammengetan um als Resilient Vessels mit »Live At The Cell« ein fulminantes Jazzalbum aufzunehmen.
Music Review
Michal Turtle & Suso Saiz
Static Journey
Schlagzeuger Michal Turtle und Gitarrist Suso Saiz haben sich für eine innere Reise und das Album »Static Journey« zusammengefunden.
Music Review
Hailu Mergia & The Walias Band
Tezeta
»Tezeta«, das ursprünglich 1975 nur auf Kassette erschienene erste Album von Hailu Mergia, ist nun bei wiederveröfffentlicht worden.
Music Review
Mndsgn
Rare Pleasure
Mit »Rare Pleasure« beendet Mndsgn seine Verwandlung vom Beatmaker zum Songwriter. Schmusiger RnB zwar, aber inhaltlich komplex.
Music Review
Guilherme Lamounier
Guilherme Lamounier (1973)
Das zweite Album von Guilherme Lamounier, ein Meisterwerk des brasilianischen Psychedelic-Folk, wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Skee Mask
Pool
Im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Techno und Dub klingt niemand wie Skee Mask. Sein neues Album »Pool« unterstreicht die Ausnahmestellung.
Music Review
Renata Lú
Renata Lú
Renata Lú ist eine der unbekannten Stimmen Brasilien. Ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 1971 wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan Daijing
Jade
Kurze Meditationen über die Qual: Pan Daijing aus Shanghai legt mit »Jade« ihr zweites Album vor.
Music Review
The Frank Derrick Total Experience
You Betcha!
»You Betcha!«? Noch nie gehört? Solltest du aber! Das Album The Frank Derrick Total Experience gilt unter Jazz-Heads zurecht als Klassiker.
Music Review
Les Filles De Illighadad
At Pioneer Works
Musik aus Niger, eingespielt in New York: »At Pioneer Works« ist das erste Album der Filles de Illighadad seit langem.
Music Review
Panta Rex
Lefty
Panta Rex meldet sich mit der EP »Lefty« auf Noorden zurück, der Name ist Programm: Dem Dancefloor wird sich von dessen Außenrand genähert.
Music Review
Sons Of Kemet
Black To The Future
Sons Of Kemet haben mit »Black To The Future« einen weiteren Fingerzeig dahingehend veröffentlicht, was Afro-Jazz heute bedeutet.
Music Review
José Mauro
A Viagem Das Horas
José Mauro lebt! Wusste auch niemand, als sein Debütalbum neu aufgelegt wurde. Nun folgt das Reissue von »A Viagem Das Horas« auf Far Out.
Music Review
Various Artists
Extra Muros: Italy
Die Kollaborations-Compilation »Extra Muros: Italy« brachte fünf Musiker*innen – Benoit B Dena, Dona, Eva Geist und Jolly Mare – zusammen.
Music Review
Bruxas
Muscle Memory
Jacco Gardner und Nic Mauskovic sind Bruxas, »Muscle Memory« ist das Debüt des Psych-Disco-Projekts und sowieso die Platte des Sommers.
Music Review
Mustafa
When Smoke Rises
Jamie xx, Sampha, James Blake und Drake als Feature-Gäste? Nur auf Mustafas »When Smoke Rises«, einem eindringlich-erzählerischen Album.
Music Review
Sandra Sa
Vale Tudo
Brasilianischer Boogie Funk bleibt entwaffnend und Sandra Sas 1983 veröffentlichtes Album »Vale Tudo« eines seiner Meisterwerke.
Music Review
Drab Majesty
Unknown To The I
»Unknown to the I« bietet den idealen Einstieg in das Universum des Duos Drab Majesty: Verträumter New Wave in drei Stücken.
Music Review
Fly Pan Am
Frontera
»Frontera« von Fly Pan Am ist in dramaturgischer Hinsicht vorhersehbar aufgebaut und doch das beste Album der Constellation-Band überhaupt.
Music Review
Mdou Moctar
Afrique Victime
Mdou Moctars Domino-Debüt »Afrique Victime« ist gleichzeitig von Eddie van Halen und Neokolonialismus inspiriert. Und unerhört eindringlich.
Music Review
Arovane
Atol Scrap
22 Jahre hat es gedauert, bis mit »Atol Scrap« von Arovane eine der besten deutschen Electronica-LPs der 1990er auf Vinyl erscheint.
Music Review
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Der dritte Teil von Massimiliano Pagliaras »Connection Lost«-Serie ist wieder einmal überragend ausgefallen, bleibt aber ambivalent.
Music Review
McKinley Dixon
For My Mama And Anyone Who Look Like Her
McKinley Dixon kann kein unbeschwertes Leben führen, drüber rappen aber allemal. »For My Mama And Anyone Who Look Like Her« bietet einiges.
Music Review
Alessandro Cortini
Scuro Chiaro
Alessandro Cortini dreht auf »Scuro Chiaro« den Gefühlsregler gewohnt hoch. Es ist aber auch eines seiner abwechslungsreichsten Alben.
Music Review
Various Artists
GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)
Die auf Into The Light erschienene Compilation »GOST« versammelt wundersame Filmmusik aus Griechenland.
Music Review
P!OFF?
P!OFF?
Von ihrem Debüt verkauften P!OFF? im Jahr 1982 gerade einmal 600 Exemplare. Zum Glück hat Bureau B die Platte wieder aufgelegt!
Music Review
Umwelt
Fear On The Dark Planet
Umwelt ist immer Underground geblieben. Seine EP »Fear On The Dark Planet« für Midnight Shift ist hoffnungsvoller als ihr Titel verspricht.
Music Review
Trees Speak
PostHuman
Brauchen wir noch Neuauflagen vergangener Epochen? Wenn sie so einnehmend klingen wie auf Trees Speaks »PostHuman«: gerne doch.
Music Review
Jayda G
DJ-Kicks
Erst die Tunes, dann die Vibes, am Ende der Cooldown: Die DJ-Kicks-Ausgabe von Jayda G ist konventionell aufgebaut und steckt voller Perlen.
Music Review
St. Vincent
Daddy's Home
Die Vorab-Singles zu St. Vincents mittlerweile sechstem Album »Daddy’s Home« waren verwirrend, das Album als Ganzes ist es aber keineswegs.
Music Review
Sun Ra
Lanquidity
Die als umfassendes Reissue erhältliche »Lanquidity« könnte Sun Ras beste LP sein, hätte er nicht so viele andere Meisterwerke hingelegt.
Music Review
Roland P. Young
Hearsay I-Land
Mitte der 1980er legte sich der Jazzmusiker Roland P. Young eine neue Identität als Popper zu, die auf »Hearsay I-Land« dokumentiert wird.
Music Review
The Master Musicians Of Joujouka
Live In Paris
»Live In Paris« wurde 2016 aufgenommen und erscheint ein halbes Jahrhundert, nachdem die Welt den Master Musicians of Joujouka anheim fiel.