Music Review | verfasst 20.08.2019
Brian Eno
Apollo: Atmospheres And Soundtracks
Universal Music, 2019
Text Björn Bischoff
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Redaktion
Cover Brian Eno - Apollo: Atmospheres And Soundtracks

In dem inoffiziellen Wettkampf um die meisten Songs in Naturdokumentationen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dürften Brian Eno und Sigur Rós unbestritten vorne liegen. Das Ringen um den Spitzenplatz gewinnt der britische Musiker allerdings mit Abstand. Was nicht nur an seinem fortgeschrittenen Alter liegt, sondern ebenfalls an Meilensteinen wie »Apollo«, jenes Album, das als Soundtrack für einen Film über die gleichnamige Mondmission diente und bereits in den Achtzigerjahren erschien. Passend zum fünfzigsten Jahrestag der erfolgreichen Mondlandung erscheint auch »Apollo« noch einmal – standardmäßig mit einem Remastering versehen und einer zweiten Platte mit neuen Songs. Und zumindest das Originalalbum funktioniert heute wie damals: Der Hörer findet sich in einem schier endlosen Raum aus Soundlandschaften wieder, die träge dahinziehen, verschmelzen, verformen und verschwinden. Oftmals tragen Synthesizer über mehrere Minuten, hier und da lässt sich etwa noch eine Gitarre ausmachen. Alles Ambient in seiner reinsten Form. Damals befand sich Brian Eno auf dem Höhepunkt seines Schaffens für das Genre, das Album erschien zwischen »Ambient 4: On Land« und »Music For Films Vol.2«. Der große Trick von Eno: Sein Entwurf des Genres funktioniert natürlich als Tapetenmusik, aber eben auch für konzentriertes Hören, bei dem sich stets neue Aspekte und Motive entdecken lassen. Wer sich in dieser Musik verlieren will, findet heute noch genug Songs wie etwa »An Ending (Ascent)«, das sich tief in die eigene Gefühlswelt eindreht, und würde der Mensch nicht längst wissen, dass er nur ein biologischer Organismus auf einem Haufen Steine ist, der sich durch das Nichts dreht – spätestens nach diesen Minuten wüsste er es. Mit 71 Jahren gehört Brian Eno immer noch zu den wichtigsten Künstlern des Genres. Für die neuen Tracks arbeitete er mit seinem Bruder Roger Eno und Daniel Lanois zusammen, die auch bereits damals in dem ursprünglichen Album beteiligt waren. Musik, um sich darin aufzulösen, keine Frage. Die neuen Tracks spüren dieser Idee ebenfalls nach, doch fallen ein wenig ab, ergeben einen netten Zusatz, mehr aber nicht. Sie fügen dem Album nichts Neues hinzu, erweitern nur dessen Wirkungsraum – ein paar Minuten mehr zum Verschwinden in Sound. Und das reicht. Denn »Apollo« bleibt ein beeindruckendes, ein großes Album. Und zeigt in der erweiterten Version sehr deutlich, was der britische Musiker vielen Kollegen voraushat.

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