Music Review | verfasst 29.01.2020
Roc Marciano
Marcielago
Fatbeats, 2020
Text Stefan Mertlik
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8.8
Redaktion
Cover Roc Marciano - Marcielago

Mobb Deeps Prodigy eröffnet »Marcielago« mit einem bissigen Monolog: »I’ma let ya n***** know something, man. You Know what I mean? Got a lot of fucking garbage ass rapper out there.« Auf seinem achten Studioalbum schert sich Roc Marciano nicht um zeitgenössische Soundentwürfe. Im Laufe der kompromisslosen 49 Minuten verzichtet er daher auf jeglichen Kehrvers. Wie das Cover-Artwork, das nicht mit Blaxploitation-Ästhetik geizt, erzeugt der 42-Jährige mit seinen Texten filmreife Bilder im Kopf. »The dichotomy there’s two sides of me / The one that fires the heat and then there’s the science geek«, beschreibt der New Yorker in »SAYLAVI« mit blumigen Worten seine Persönlichkeit. Mit einem entspannten, aber dennoch präsenten Flow reimt sich Roc Marciano über Samples, die als solche noch zu erkennen sind. Aus der Soul-Musik leiht er sich Gesangs-, Trompeten- und Schlagzeugschnipsel, die er scheinbar unverändert übereinandergestapelt hat. Das Ergebnis klingt so holprig wie unwiderstehlich. Zwölf der 15 Beats hat er selbst produziert. Die restlichen stammen von ANIMOSS und Alchemist. Musikalisch verbindet Roc Marciano das Rohe der goldenen Ära mit dem Skizzenhaften eines J Dillas. »I.G.W.T.« klingt, als würde er zum Zeitpunkt der Aufnahme in einem verrauchten Kellerclub stehen. Vermutlich tat er das auch, denn die Lieder wirken trotz ihrer cineastischen Anmut nahbar. »Marcielago« auf die Rolle eines Gegenentwurfs zu reduzieren, wird der Platte nicht gerecht. Trotzdem bietet das Album einen erfrischend rohen Klang, den der Mainstream längst vergessen hat.

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