Music Review | verfasst 19.03.2020
Shabaka & The Ancestors
We Are Sent Here By History
Impulse, 2020
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Shabaka & The Ancestors - We Are Sent Here By History

Müsste man einen Kreis von Personen benennen, die in jüngster Zeit als Geburtshelfer der britischen Reinkarnation von Jazzmusik fungierten, so wäre Shabaka Hutchings sicher unter den ersten Namen. Mit seinen zahlreichen Projekten trug er in den vergangenen Jahren nicht nur maßgeblich dazu bei, dem Genre wieder seinen ursprünglichen Impetus zu geben, meint: sozialkritischen Statements in musikalisch virtuoser Form Ausdruck verleihen. Auch das altehrwürdige Impulse!-Label gewann durch ihn wieder neue Relevanz, nachdem es in den 1960er und 1970er Jahren Lichtgestalten wie Albert Ayler, Alice und John Coltrane, Charles Mingus oder Pharoah Sanders und Keith Jarrett zu Weltruhm verhalf, spätestens aber seit dem Millennium die neuen Entwicklungen im Jazz weniger auslöste als viel mehr auf sie reagierte. Nachdem Hutchings 2018 zunächst mit den Sons Of Kemet und letztes Jahr dann mit dem fulminanten »Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery« seiner Fusion-Combo The Comet Is Coming neue Vitalität zelebrierte, die weit jenseits der Genregrenzen Anklang fand, ist das zweite Album seiner dritten Band Shabaka & The Ancestors nun ebenfalls auf Impulse! erschienen. »We Are Sent Here By History« macht keinen Hehl aus seiner klanglichen wie konzeptionellen Größe, weder im Titel noch im ersten Stück »They Who Must Die«. Zusammen mit Mthunzi Mvubu demonstriert King Shabaka hier eine unerschöpfliche melodische Dynamik, die von Tumi Mogorosis Drums und den wilden Perkussionen Gontse Makhenes kraftstrotzende Akzente erfährt – die rhythmischen Spiele dieses Albums sind ein Fest für Leib und Seele. Getragen werden sie auch in »Go My Heart, Go To Heaven« oder »Finally, The Man Cried« vom dichten Bassspiel Ariel Zomonskys, während der Johannesburger Comedian Siyabonga Mthembu passionierte Klagegesänge zwischen Fender Rhodes und Piano platziert. Weil sich dabei südafrikanische Tradition mit einer frischen, schlagkräftigen Vision vermählt, gerät Spiritual Jazz allerspätestens durch »We Are Sent Here By History« wieder zu einem Begriff mit luzidem Gegenwartsbezug – musikalisch, politisch, poetisch.

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