Music Review | verfasst 09.07.2020
Yumiko Morioka
Resonance
Métron, 2020
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Yumiko Morioka - Resonance

Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ist, allen emanzipatorischen Bestrebungen, die es offiziell so gegeben hat in den vergangenen Jahrzehnten, für Frauen nach wie vor alles andere als selbstverständlich. Für die japanische Pianistin Yumiko Morioka war sie das anscheinend auch nicht. Ihre Laufbahn als professionelle Musikerin endete jedenfalls mehr oder minder mit ihrem Umzug in die USA und der Gründung einer Familie. Davor hatte sie zum Glück 1987 ihr einziges Album »Resonance« veröffentlicht. Mit Improvisationen in Anlehnung an Erik Saties Entkernungen der Romantik und an die Feier der Wiederholung durch die Vertreter der Minimal Music. Töne werden bei ihr jedoch nicht einfach zu Mustern, jeder einzelne soll vielmehr zum Leben erweckt werden. Oft nimmt sie dazu einiges an Hall zu Hilfe, doch nie zu viel davon, hier und da erweitert sie die Farbigkeit durch weitere Instrumente, manchmal auch elektronische, wobei die Grenze zum Kitsch mitunter fließend ist. Doch es fließt bei ihr alles so stetig wie in sich abgeklärt, dass man geneigt ist, all diesen Klängen eine Erlaubnis zu erteilen. Überhaupt ist Morioka in der Beschränkung bei der Wahl ihrer Mittel auf freundlich unschroffe Weise konsequent. Das gelingt ihr sogar so gut, dass ihr tönendes Vermächtnis locker größere Bestände an postklassischer Musik jüngerer Machart komplett obsolet wirken lässt.

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