Music Review | verfasst 16.10.2020
Kevin Morby
Sundowner
Dead Oceans, 2020
Text Jan Paersch
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Redaktion
Cover Kevin Morby - Sundowner

Kevin Morby ist ein Großer. Dass der 32-jährige mit den Jesuslocken und dem stets traurigen Blick es mit Singer/Songwriter-Ikonen wie Leonard Cohen und Bob Dylan aufnehmen kann, bewies schon das formidable »Oh My God« aus dem Jahr 2019. Das Album war Morbys komplexe Auseinandersetzung mit seinem Glauben. »Sundowner«, zur selben Zeit in seinem Gartenschuppen in Kansas entstanden, ist ähnlich ernst, geht es doch hier in beinahe jedem Song um den Tod. Um Freunde, die mit einem Piano im Mund wiedergeboren werden, um Menschen, die in der Erinnerung umso lebhafter weiterleben, und ganz prosaisch um einen toten Hirsch auf der Straße. Morby hat seinen Sound entschlackt, verzichtet auf Gospelchöre und Bläser. Fast alles hat er selbst eingespielt, auch die warme Harmonium-Begleitung; nur der zuweilen wie ein Wildpferd galoppierende E-Bass stammt von einem Kumpel. Solche Western-Klischees blitzen immer wieder auf, aber so sparsam und prägnant, dass man sie immer wieder hören möchte. Das nicht einmal zweiminütige „Wander“ ist so ein Song: unverhofft heulen E-Gitarren auf, und Morby vertont unisono zum Drumbeat seinen Herzschlag: »bumbum, bumbum«. Ein Gänsehaut-Moment. »Sundowner« ist ein relaxtes und phänomenal selbstsicheres Folk-Album, bei dem jedes Detail stimmt und keine Sekunde zu viel ist. Melancholisch, akustisch, und doch abgründig und inhaltlich komplex (»A Night At The Little Los Angeles« – ein Figurentableau wie aus einem Lou-Reed-Song). Americana im besten Sinne des Wortes.

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