Music Review | verfasst 18.11.2020
Camila Fuchs
Kids Talk Sun
Felte, 2020
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Camila Fuchs - Kids Talk Sun

Als Camila Fuchs vor zwei Jahren ihr zweites Album »Heart Pressed Between Stones« veröffentlichten, lebte das Duo noch in London. Dort hatten sich Camila De Laborde aus Mexiko-Stadt und der Münchner Daniel Hermann-Collini kennengelernt und ihre Band gegründet. Inzwischen leben sie in Lissabon. Unweit der portugiesischen Haupstadt, in Sintra, haben sie ihre aktuelle Platte »Kids Talk Sun«´ aufgenommen. Die kleine Stadt in den Bergen, die sich unter Engländern wie Lord Byron besonders im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute, ist geprägt von den exzentrischen Architekturvorlieben des portugiesischen Königshauses und anderer wohlhabender (früherer) Bewohner*innen, die dort diverse gern etwas kitschige, vor allem aber morbide wirkende Villen, Schlösschen und Paläste mit teils riesigen Parks voll bunt zusammengewürfelter Flora errichten ließen. Magie spielt in dem Ort auf jeden Fall eine Rolle, und der leicht elegische elektronische Pop von Camila Fuchs, der stets von verfremdenden, irritierenden Effekten durchzogen ist, bietet zum leicht esoterischen Mikroklima von Sintra ein würdiges akustisches Pendant. In ihren Songs gibt es mysteriöse Klangdickichte zu durchqueren, scheint eine unbedarfte Melodie plötzlich wie mit doppeltem Boden ausgestattet. »Kids Talk Sun« hält dabei immer die Balance zwischen Pop-Klarheit und abgründigem Bodensatz. Man braucht den ja nicht extra aufzuwirbeln.

»Kids Talk Sun« von findest du bei HHV Records: Yellow Vinyl LP.
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