Music Review | verfasst 20.06.2011
Mark McGuire
A Young Person's Guide To
Editions Mego, 2011
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (1)
8.5
Redaktion
Cover Mark McGuire - A Young Person's Guide To

Im Zuge der in den letzten beiden Jahren v.a. in den USA aufflammenden Begeisterung für »Noise«, »Drones« und »Psychedelic« traten peu á peu auch die Emeralds ins Rampenlicht. Pitchfork lobte ausdrücklich ihre letzten beiden Alben für Editions Mego und unser aller Lieblingskünstler Caribou hatte das Trio aus Cleveland, Ohio zusammen mit Oneohtrix Point Never (noch so einer) zu seiner »Caribou & Friends«-Sause im Juni nach Berlin geladen. Hinzu kommt ein stetiger Fluss an neuem Material (Discogs zählt über 40 Releases in den letzten vier Jahren, überwiegend auf Kassette und CDr), der die Emeralds im Gerede hält. Emeralds’ Gitarrist Mark McGuire arbeitet zudem noch an eigener Musik. Sein Debüt Living With Yourself erschien im Oktober, nun legt er seine erste Werkschau nach: A Young Person’s Guide To vereint zweieinhalb Stunden ausgewähltes(!) Solomaterial aus den Jahren 2007 bis 2010 des gerade erst 24-jährigen. Wie macht der das? Und: Was soll da noch kommen? Das sind Fragen, die man sich unweigerlich stellt, sieht man sich mit der Reife der Musik von Mark McGuire und der Tatsache konfrontiert, dass es künstlerisch kaum etwas Vergleichbares gibt. McGuire setzt solo seinen Fokus auf die Gitarre, verzichtet aber nicht auf die zu einer Einheit gegossenen flirrenden und oszillierenden Sounds, die auch die Emeralds kennzeichnet. Eröffnet wird die Werkschau durch Drean Tream, die Pforte in das Reich von Mark McGuire, in der die Kunst Loops neben Loops neben Loops zu setzen sogleich in Perfektion betrieben wird und einen siebzehnminütigen Sog entfaltet, dem man sich nur schwer entziehen kann. Es gibt mehrere dieser Oden, denen immer wieder auch anderthalbminütige Skizzen wie Slipstream entgegengestellt werden, in der 2 Gitarrenfiguren in ein kurzes Zwiegespräch geraten. Ghosts Around The Tree arbeitet mit Samples alter Schallplatten (russische Arbeiter- und Kampflieder oder so), die von McGuires Gitarrenspiel umspült werden. Sick Chemistry ist wiederum ein Drone. Und das Gitarrenriff von Flight mutiert erst in Noise und geht schließlich fließend in Elektronik auf. Daneben sind überall feine Melodien versteckt. Musik wie diese zu machen hat viel mit Instinkt zu tun. Kurzum: Mark McGuire spielt den Blues des modernen Mannes. Beeindruckend.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 04.11.2011
Mark McGuire
Get Lost
Und was machen die Götter? Sie machen und machen weiter und weiter. Mark McGuire hat ein weiteres tolles Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 14.07.2017
Mark McGuire
Ideas Of Beginning
Sechs lange Jahre konnte Mark McGuire sein Können nicht auf den Punkt bringen. »Ideas Of Beginning« ist daher eine Überraschung.
Music Review | verfasst 03.01.2013
Emeralds
Just To Feel Anything
Die Emeralds sind immer noch ein wenig anstrengend. Nur nicht mehr ganz so wie früher. Dafür bietet das Trio auch träumerische Momente.
Music Review | verfasst 12.07.2011
Mist
House
Weitere Neuigkeiten aus dem Universum der Emeralds. Nach Mark McGuire zeigt nun auch John Elliott sein Können abseits seiner Band.
Music Review | verfasst 10.11.2011
Angel
26000
Schneider TM, Ilpo Väisänen (Pan Sonic) und Hildur Gudnadóttir variieren auf ihrem fünften Album zwischen Untergang und Neuanfang.
Music Review | verfasst 26.03.2012
Keith Fullertown Whitman
Generators
Die beiden Stücke sind das Ergebnis zweier Liveaufnahmen, die Keith Fullertown Whitman anhand eines ähnlichen Ausgangsmaterials verdichtete.
Music Review | verfasst 02.08.2012
Keith Fullerton Whitman
Occlusions
Keith Fullerton Whitman dreht frei und macht in seinen zwei Improvisationen den Raum zum unmittelbaren Bestandteil der Aufnahmen.
Music Review | verfasst 14.10.2013
Steve Hauschildt
S/H
Steve Hauschildt ist einmal mehr Popol Vuh, Vangelis, Tangerine Dream und der Kosmischen Musik auf der Spur.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Gotham (Talib Kweli & Diamond D)
Gotham
»Gotham« heißt das gemeinsame Werk von Talib Kweli und Diamond D, welches ganz der Stadt New York City gewidmet ist, ohne zu verklären.
Music Review
Roc Marciano
Mt. Marci
»Mt. Marci«, Roc Marcianos Album aus dem letzten Jahr, ist nun endlich auf Vinyl erschienen.
Music Review
Steve O'Sullivan
Green Trax
Eine höchst aufschlussreiche Irrfahrt in die Techno-Historie: »Green Trax« versammelt Perlen des britischen Produzenten Steve O’Sullivan.
Music Review
Selda Bağcan
Selda
Das 1973 entstande Album »Selda« von Selda Bağcan ist eines der schönsten Zeugnisse türkischer Musik. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review
Nils Frahm
Graz
Mit fast 12 Jahren Verspätung erscheint nun erstmals das in »Graz« aufgenommene Debütalbum von Nils Frahm.
Music Review
Michel Banabila
Wah-Wah Whispers
Mit »Wah-Wah Whispers« veröffentlicht das Hamburger Label Burea B zwischen 2013 und 2020 entstandene Stücke des Musikers Michel Banabila.
Music Review
Irena & Vojtěch Havlovi
Melodies In The Sand
»Melodies In The Sand« versammelt Stücke aus drei Jahrzehnten des tschechischen Musikerpärchens Irena und Vojtěch Havlovi.
Music Review
Various Artists
Edo Funk Explosion Vol.1
Analog Africa gräbt mit »Edo Funk Explosion Vol.1« den explosiven Sound des nigerianischen Bundesstaats Edo in den 1970er Jahren aus.
Music Review
Moor Mother & billy woods
BRASS
Moor Mother & billy woods… und noch ein gutes Dutzend mehr: Camae Ayewa dominiert »BRASS«, aber alle anderen dürfen auch mitreden.
Music Review
Various Artists
Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)
Darone Sassounian hat sieben Stücke für die Compilation »Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)« zusammengestellt.
Music Review
Ali Farka Touré
Red Album
Das als »Red Album« titulierte Debüt des malischen Gitarristen Ali Farka Touré wurde jetzt bei World Circuit wiederveröffentlicht.
Music Review
Prequel
Love (I Heard You Like Heartbreak)
»Love (I Heard You Like Heartbreak)« ist sieben Jahren nach seiner ersten EP Prequels Debüt-LP auf Rhythm Section International ab.
Music Review
Retrogott & Nepumuk
Metamusik
Der Funk schwebt über den Dingen. Mit »Metamusik« haben Retrogott und Nepumuk ein gemeinsames Album auf Sichtexot veröffentlicht.
Books Review
Christian Elster
Pop-Musik Sammeln
Der Ethnologe und Kulturwissenschaftler Christian Elster hat sich in einer Monographie mit dem »Pop-Musik Sammeln« beschäftigt.
Music Review
El Michels Affair
Yeti Season
El Michels Affair viben sich auf »Yeti Season« mit Stil und Expertise durch die Jahreszeit des Schneemenschen.
Music Review
Irakli
Major Signals
Nach einer Reihe von EPs veröffentlicht der Berliner Produzent und Staub-Mitveranstalter Irakli sein Debütalbum auf »Major Signals«.
Music Review
Electric Jalaba
El Hal (The Feeling)
Die in London lebenden Marokkaner Electric Jalaba sind jetzt bei Strut untergekommen und veröffentlichen dort ihr neues Album »El Hal«.
Music Review
Lazy Jones & Hazenberg
Unter Einem Berg
»Unter einem Berg« von Lazy Jones & Hazenberg klingt so vertraut, dass sie geeignet für das ständige Tippen der Wiederholungstaste ist.
Music Review
Lana Del Rey
Chemtrails Over The Country Club
Mit »Chemtrails Over The Country Club« spinnt Lana Del Rey ihr große Kapitalismus-Cinema-Popkunst weiter.
Music Review
Gianni Brezzo
The Awakening
Unter dem Alias Gianni Brezzo veröffentlicht der Kölner Marvin Horsch mit »The Awakening« ein Album auf Jakarta Records.
Music Review
Nico Mecca
Floppy Computer
Irgendwo zwischen Kraftwerks Autobahn und Mort Garsons Gewächshaus: Periodica Records veröffentlicht »Floppy Computer« von Nico Mecca.
Books Review
Marie Staggat & Timo Stein
HUSH - Berlin Club Culture In A Time Of Silence
Fotografin Marie Staggat und Autor Timo Stein halten in »HUSH« den andauernden Ausnahmezustand in Bild und Wort fest.
Music Review
Panoptique
How Did You Find Me?
Diese Musik schreit nach Kontakt: Panoptique haben ihr neues Album »How Did You Find Me?« bei Macadam Mambo veröffentlicht.
Music Review
Reymour
Leviosa
Abwechslungsreiches Debüt: Das Schweizer Synthpop-Duo Reymour veröffentlichen mit »Leviosa« auf Knekelhuis ihr erstes Album.
Music Review
Grandbrothers
All the Unknown
Mit »All The Unknown« erweitern die Grandbrothers ihre Klangpalette. Es gelingt ihnen dennoch ein in sich kohärentes Album.
Music Review
Gabrielle Roth & The Mirrors
Selected Works (1985-2005)
»Selected Works (1985-2005)« versammelte elf Stücke der amerikanischen Tänzerin und Schamanistin Gabrielle Roth auf einer Schallplatte.
Music Review
Sarah Davachi
All My Circles Run
Mit »All My Circles Run« kehrte Sarah Davachi erstmals dem Synthesizer den Rücken zu. Jetzt hat die Komponistin die LP neu veröffentlicht.
Music Review
Maulawi
Maulawi
1973 aufgenommen, niemals veröffentlicht: Nun ist erstmals »Maulawi« von Maulawi Nururdin veröffentlicht worden.
Music Review
Nadia Struiwigh
Oooso
Die Niederländerin Nadia Struiwigh hat mit »Oooso« vier neue Tracks auf Nous’klaer Audio veröffentlicht. Und das mit einigem Gewinn.
Music Review
Julien Baker
Little Oblivions
Auf »Little Oblivions« ist Julien Baker laut geworden. Gleichzeitig schreibt sie immer noch Songs, die im Kern fragil sind.
Music Review
Various Artists
La Ola Interior
Mit »La Ola Interior« ist jetzt ein Zeitdokument erschienen, dass die Stimmung des postfranquistischen Spaniens einfängt
Music Review
Dax Pierson
Nerve Bumps (A Queer Divine Disappointment)
Freunde des Labels Anticon. kennen Dax Pierson noch. Jetzt veröffentlicht er sein Solodebüt »Nerve Bumps (A Queer Divine Disappointment)«.
Music Review
Thabo
Home Again 01
Boom! Instant Sommer-Vibes im Lendenbereich! Thabo weist auf mit »Home Again 01«. den Weg zum Rosenwasser. Äh? Oder wie war das?
Music Review
Visionist
A Call To Arms
Mit »A Call To Arms«, seinem ersten Album für Mute, hat Visionist endgültig seine Stimme gefunden. Seine poetische Vision wird überdeutlich.