Music Review | verfasst 15.01.2013
Bay Blue
Bay Blue
Anticon, 2013
Text Frédéric Hartmann
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Redaktion
Cover Bay Blue - Bay Blue

Was ich an Hip Hop-DJs und -Produzenten besonders schätze, ist ihre Fähigkeit zu abstrahieren. So wird aus einem Sample, das im Extremfall keine Sekunde misst und in einer einzigen Klangfarbe leuchtet, die Quintessenz eines neuen, eigenständigen Tracks heraus katalysiert. Leider vermisse ich gerade diese Qualität in Matt Chang‘s Erstlingswerk. Nun begnügt er sich in keinem Moment mit nur einem Soundschnipsel, sondern fährt immer wieder aufs Neue für jede Stimme einen ganzen Materialsatz auf, wodurch eine komplette Band sampletechnisch nachempfunden wird. Aber gerade da liegt der Knackpunkt. Denn keiner der elf Cuts vermag es an die Klasse heranzukommen, die echte Musiker diesen Kompositionen hätten abgewinnen können. Ein grosses Lob kann man ihm ohne weiteres für die Natur seiner Findlinge aussprechen, die sämtliche Musikstile zwischen den 1920er und 1950er Jahren umfasst. Ein Fundus, der so reich ist und aus dem trotz allem bislang so wenig geschöpft wurde. Aber gerade wegen der Nähe zum Ausgangsmaterial klingt‘s meist zu stur, wie ein Crooner dem man Baggypants aufgeschwatzt hat, der irgendwie beide Richtungen gut findet aber keiner partout gerecht wird. Wenn man‘s als Jazz hört fehlt der Swing, nimmt man es als modernes Derivat auf, dann kann man mit derartigen, vorgefertigten Loops 2013 wohl nur als überholt rüberkommen und bleibt von den heutigen Möglichkeiten der Beatbastelei meilenweit entfernt. Das Vorhaben in Ehren, bewegt sich dieses Album in einem Limbo, der es schwer fallen lässt, das ganze eindeutig zu definieren. Als Untermalung einer Doku zu den verheerenden Folgen, die der Wirbelsturm Katrina in New Orleans hatte, würde mancher Track gut herhalten, sind sie doch alle so demontiert und nur notdürftig wieder zusammengesetzt wie heute noch einige Teile des 9th Ward vorzufinden sind. Als eigenständiges Album jedoch, mit keinem eindeutig als Single hervorstechenden Track, hat es weder Hand noch Fuss. Am Besten noch mal Moonstarr‘s „Instrumentals Forever“ oder die Sound Defects zu Gemüte führen, bevor es in die zweite Runde geht.

Das Album »Bay Blue« von Bay Blue findest du bei hhv.de: LP Tape
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