Music Review | verfasst 24.06.2013
µ-ziq
Chewed Corners
Planet µ, 2013
Text Jens Pacholsky , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover µ-ziq - Chewed Corners

µ-Ziq gehört neben Boards Of Canada zu den längst verloren geglaubten Söhnen der IDM-Ära, die dieses Jahr aus dem Nebel der Rätsel über ihr Verbleiben unvorhergesehen auftauchen. Über die letzten Jahre war Mike Paradinas – im Vergleich zu Boards Of Canada – zwar alles andere als unproduktiv. Er hat sein Label Planet µ zum ersten Kontaktpunkt für spannungsgeladenen Dubstep und Footwork gemacht. Als Produzent hielt er sich jedoch seit 2007 weitestgehend zurück. Schon mit dem damaligen Album »Duntisbourne Abbots Soulmate Devastation Technique« schien er die Inspiration verloren zu haben und drehte sich in repetitiven, depressiven Soundschleifen. 2013 zeigt nun einen komplett revitalisierten Mike Paradinas, der sich auch nicht mehr an der Erwartung des großen, bahnbrechenden IDM-Wurfs messen muss. Frisch verliebt und als werdender Vater hat er eine Leichtigkeit wiedergefunden, die er sowohl mit seinem Archiv-Album »Somerset Avenue Tracks (1992-1995)« Anfang des Jahres, als auch mit dem Electro-Pop-Album unter dem Moniker Heterotic, welches er zusammen mit seiner Frau Lara Rix-Martin aufgenommen hat, voll auskostet. Seine Rückkehr als µ-Ziq auf »Chewed Corners« schließt sich direkt an. Freche Melodien, verspielte Rhythmik, Simplizität anstelle Kopfmusik, ein Lächeln statt Sorgenfalten. Straight forward vor zu vielen Seitensprüngen. Viel 1980s und Anfang 1990s Synth-Klänge, weniger komplexe Modulationen. Ein wenig Footwork für die Aktualität, ansonsten aber lieber back-to-the-roots ins Jahr 1993. Das macht sein achtes Album als µ-Ziq zwar ein weites Stück einfacher und vielleicht auch trivialer. Vorbei die Zeiten der dreigeteilten, sich wandelnden Songstrukturen. Stattdessen Fenster auf, Sonne rein und einfach fluten. Mehr »Tango N’ Vectif« als »Bilious Paths«. Dennoch – und womöglich gerade deshalb – ist »Chewed Corners« ein wunderbar leichtes, sonniges Sommeralbum geworden, das mit unglaublich vielen, ineinandergreifenden Melodiebögen durchs Wendy-Land tingelt und um die große Eiche mitten auf der grünen Alm tanzt. Immer schneller und schneller.

Das Album »Chewed Corners« von µ-Ziq findest du demnächst bei hhv.de.
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