Music Review | verfasst 19.05.2014
Traxman
Da Mind Of Traxman Vol.2
Planet µ, 2014
Text Andreas Brüning , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
7.5
Nutzer (2)
8.9
Redaktion
Cover Traxman - Da Mind Of Traxman Vol.2

Chicago ist die Heimat der House-Music. Frankie Knuckles mischte dort Ende der 1970er Jahre Disco, Soul und Kraftwerk zu einer neuen elektronischen Tanzmusik, deren Einfluss damals sicher noch nicht abzusehen war. Vor ein paar Jahren kam eine neue Tanzmusik namens Footwork aus Chicago, von der einer der wichtigsten Protagonisten R.P. Boo gesagt haben soll: »A lot of people think that house music has gone underground. House music is still here! I am what happened to house music.« Der recht energiegeladene rappelige Footwork hat auf den ersten Blick aber gar nicht so viel mit House zu tun. Der dazu gehörige Tanzstil ist eine Mischung aus House, Stepptanz und Breakdance, bei dem die Tänzer den Oberkörper so gut wie gar nicht, die Füße aber in rasender Geschwindigkeit bewegen. Musikalisch besteht Footwork meist aus einem schnellen Beatgerüst aus wenigen Snare- und HiHat-Sounds. Darüber liegen dann Vocal-Schnipsel aus R’n’B, Funk und Reggae. Die Tracks haben oft etwas Skizzenhaftes; kurze und äußerst repetitive 16-tel Beats wechseln in rascher Geschwindigkeit. Ein wirklicher Groove wie bei House oder Hip Hop entwickelt sich nur manchmal. Cornelius Fergusons zweites Album für Planet µ als Traxman fußt auch auf dieser wunderbaren Mischung aus Hyperaktivität und Hip Hop-Kopfnickerei. Er treibt den Minimalismus auf die Spitze, manchmal reichen ihm nur zwei kurze Samples für einen Track. Seine Musik klingt wie live mit der MPC improvisiert, rau und trotzdem absolut präzise und scharf. Kraftwerk, die Eurythmics, James Brown, Jazz, Hip Hop dienen als Basis für seine Hochgeschwindigkeitsmusik, die auch ohne wildes Getanze viel viel Spaß bereitet.

Das Album »Da Mind Of Traxman Vol.2« von Traxman findest du bei hhv.de auf 2LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 17.09.2010
DJ Nate
Da Trak Genious
Let da Beat build! Es stottert, es klimpert, es jackt, es brummt, alles wild durcheinander. Ja, das ist der heiße Scheiß, da bestehen keine zwei Meinungen.
Music Review | verfasst 18.10.2010
DJ Roc
The Crack Capone
Mit DJ Roc erfährt eine weitere Größe der begeisternden Chicagoer Juke-Szene sein Albumdebüt. Dabei zeigt er sich roher und abstrakter als sein Kollegen.
Music Review | verfasst 01.02.2011
Various Artists
Bangs & Works Vol.1
Juke mag ein Phänomen sein, aber ein ernsthaftes. Ein lebendiges und vielfältiges dazu. Diese Compilation erzählt davon.
Music Review | verfasst 15.09.2011
DJ Diamond
Flight Muzik
Planet µ hat sich ja inzwischen als europäischer Stellvertreter für die Chiagoer Juke-Szene etabliert. Die neueste Entdeckung: DJ Diamond.
Music Review | verfasst 22.10.2012
Ital Tek
Nebula Dance
Das Resultat ist ein Album, das Footwork den entscheidenden Schritt weiterträgt, den Scuba und Starkey einst mit Dubstep gingen.
Music Review | verfasst 16.05.2013
RP Boo
Legacy
Mit all den irrsinnigen, gepitchten Vocals wirkt dieses Album des Urvaters des Footwork wie ein Rap-Album auf Koffein-Infusion.
Music Review | verfasst 21.11.2013
Ital Tek
Control
Footwork in bunten, atmosphärischen D&B-Sneakers. Auch wenn Ital Tek nicht die Virtuosität von »Nebula Dance« erreicht.
Music Review
Hareton Salvanini
Xavana, Uma Ilha Do Amor
Mad About legt den Soundtrack zu »Xavana, Uma Ilha Do Amor« des brasilianischen Komponisten Hareton Salvanini neu auf.
Music Review
Osees
Protean Threat
»Protean Threat« von Osees (auch bekannt als Thee Oh Sees) ist eine Platte für Leute, die sich noch Nietengürtel um die Hose schnallen.
Music Review
Anna von Hausswolff
All Toughts Fly
Wolkengebirge bis in den Kosmos, Höllenkreise ohne Auswege: Anna von Hauswolffs viertes Album »All Thoughts Fly« ist erschienen.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Arca
&&&&&
Start des Postgenres: Arcas »&&&&&« war Prototyp für die Generation Deconstructed Clubmusic.
Music Review
Suso Sáiz & Suzanne Kraft
Between No Things
Auf dem Album »Between No Things« haben sich die Musiker Suso Sáiz und Suzanne Kraft für neun Meditationen zusammengetan.
Music Review
Drew McDowall
Agalma
Unwirkliche Räume modulierter Schönheit: Coils Drew McDowall veröffentlicht mit »Algama« einen neues Album.
Music Review
Nicolas Jaar
Cenizas
Mit »Cenizas« baut Nicolas Jaar weiter an seinem Bild vom großen Komponisten unter den Laptopmusikern.
Music Review
Little Brother
May The Lord Watch
»May the Lord Watch«, das Comeback-Album von Little Brother ist absolut nicht zeitgemäß, aber davon völlig unbekümmert.
Music Review
The Heliocentrics
Telemetric Sounds
»Telemetric Sounds«, das zweite Album von The Heliocentrics binnen eines Jahres ist dunkler, wütender, getriebener und dreckiger.
Music Review
Fabiano Do Nascimento
Preludio
»Preludio«, das dritte Album des jungen Gitarristen Fabiano Do Nascimento ist eine sehr sexy spartanische Angelegenheit.
Music Review
Acid Pauli
MOD
Mit Synthesizern fordert Martin Gretschmann unter seinem Acid-Pauli-Alias auf »MOD« weniger zum Tanzen als zum Lauschen auf.
Music Review
Helge Schneider
Mama
»Mama« heißt das neue Album von Helge Schneider und es ist liefert gewohnt unfehlbare musikalische Ergüsse.
Music Review
Admas
Sons Of Ethiopia
Alles löst sich in schönster Schwermut auf: Zur Reissue des äthiopischen Synthesizer-Schatzes »Sons Of Ethiopia« von Admas von 1983.
Music Review
Kairon; IRSE!
Polysomn
Seit ihren ersten Releases gelten Kairon; IRSE! als Shoegaze-Sensation. Nun haben die Finnen mit »Polysomn« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Lucrecia Dalt
No Era Sólida
Mit »No Era Sólida« reißt die Kolumbianerin Lucrecia Dalt sämtliche Grenzen ein. Es kommen unerforschte Gebiete zum Vorschein.
Music Review
Bad Stream
Sonic Healing
Auf seinem neuen Album »Sonic Healing« verarbeitet Frittenbuden-Gitarrist Martin Steer den Schlaganfall seiner Mutter musikalisch.
Music Review
The Weeknd
After Hours
The Weeknds bekanntes Narrativ aus Hedonismus, Depression, Drogen verwickeln sich auf »After Hours« in nicht neuen, aber süßen R&B-Fäden.
Music Review
Dukes Of Chutney
Hazel
Mit wirklich gutem Dream-Pop haben Dukes Of Chutney mit ihrem Album »Hazel« jüngst auf Beats In Space debütiert.
Music Review
Larry Heard
Sceneries Not Songs Vol.1
Mit »Sceneries Not Songs Vol.1« wird Larry Heards erstes Album unter Klarnamen aus dem Jahre 1994 veröffentlicht.
Music Review
Disclosure
Energy
2013 haben Disclosure, so heißt es, House gerettet. Mit ihrem neuen Album »Energy« schließen sie ihn wieder an die Beatmungsmaschine an.
Music Review
Various Artists
Borta På Vinden (Swedish Rock Funk & Youth Center Disco 1976-1982)
»Borta På Vinden«Mika Snickars und Kool DJ Dust veröffentlichen die Compilation »Borta På Vinden« mit schwedischer Disco-Musik.
Music Review
Linda »Babe« Majika
Don't Treat Me So Bad
»Don’t Treat Me So Bad«, das erstmals 1988 veröffentlicht Debütalbum von Linda »Babe« Majika, wurde jetzt bei Be With wiederveröffentlicht.
Music Review
Harmonious Thelonious
Plong
Der Düsseldorfer Harmonious Thelonious veröffentlicht mit »Plong« ein neues Album, das erste für Bureau B.
Music Review
Vladimir Dubyshkin
Pornographic Novel
Musik, die etwas heraufbeschwört, was gerade nicht ist: zum Rave von Vladimir Dubyshkin auf »Pornographic Novel«.
Music Review
Jonathan Fitoussi
Plein Soleil
»«Mit »Plein Soleil« erweist sich Jonathan Fitoussi als würdiger Erbe von Pionieren wie Alan Parsons, Vangelis oder auch Jean-Michel Jarre.
Music Review
Angel Olsen
Whole New Mess
Mut zur Lücke: Die amerikanische Songwriterin Angel Olsen interpretiert »Whole New Mess« ihr eigenes Material nur mit Akustikgitarre neu.
Music Review
The Meridian Brothers
Cumbia Siglo XXI
Die Meridian Brothers arbeiten sich erneut an Kolumbiens Hauptexport ab. »Cumbia Siglo XXI« wird von Lo-Fi-Charme und DIY-Spirit getragen.
Music Review
Fuzzy Duck
Fuzzy Duck
Be With veröffentlicht das selbstbetitelte, einzige Album der britischen Progressive-Rocker Fuzzy Duck aus dem Jahr 1971 neu.
Music Review
Kelly Lee Owens
Inner Song
Nach den drei härtesten Jahren in ihrem Leben veröffentlicht Kelly Lee Owens mit »Inner Song« ihr zweites Album. Es ist großartig.
Music Review
George Clanton & Nick Hexum
George Clanton & Nick Hexum
Chefvapourist George Clanton und dessen geistiger Vater Nick Hexum haben eine gemeinsame Platte gemacht. Was dabei wohl herausgekommen ist?
Music Review
The Microphones
Microphones in 2020
Nach 17 Jahren meldet sich Phil Elverum mit seinem Projekt The Microphones zurück. Wie klingen »Microphones in 2020«?
Music Review
Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad & Marcos Valle
Jazz Is Dead 3
Auf »Jazz Is Dead 3« haben Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad diesmal Marcos Valle zu Gast.
Music Review
Arşivplak
Mirror. Turkish Disco Folk
Arşivplak? Wer das ist, weiß niemand. Sicher ist: Die neue Edit-Sammlung »Mirror« widmet sich türkischer Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Bright Eyes
Down in the Weeds, Where the World Once Was
»Down in the Weeds, Where the World Once Was«, ein Titel zur Zeit? Nein, das neue Bright-Eyes-Album steckt in der Vergangenheit fest.
Music Review
Sault
Untitled (Black Is)
Musik hat die Kraft zur Veränderung. Man hätte es fast vergessen können. Doch dann kamen Sault und mit ihnen »Untitled (Black Is)«.
Music Review
Takako Mamiya
Love Trip
Das einzige Album der japanischen Sängerin Takako Mamiya, »Love Trip« von 1982, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Ennio Morricone
Nuovo Cinema Paradiso
Im Juli ist Ennio Morricone gestorben. Nun häufen sich die Releases. Eine ist der Soundtrack zu Giuseppe Tornatores »Nuovo Cinema Paradiso«.
Music Review
Electric Wizard
Dopethrone
»Dopethrone«, das Highlight der zugedröhnten britischen Doomrocker von Electri Wizard, wurde jetzt auf Schallplatte wiederveröffentlicht.
Music Review
DJn4
Tales Of Z
Wer hätte gedacht, dass Walter Moers einst als Inspirationsquelle für Freiform-Clubmusik dienen würde? Über »Talez Of Z« von DJn4.
Music Review
Protomartyr
Ultimate Success Today
Protomartyrs »Ultimate Success Today« ist musikalisch wie lyrisch hundertprozentig zeitgeistiger Sound zum Aufbegehren.