Music Review | verfasst 14.11.2014
Cristian Vogel
Polyphonic Beings
Shitkatapult, 2014
Text Peter Gebert , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Cristian Vogel - Polyphonic Beings

Lange Gesichter gab es, als Cristian Vogel im langen Vorlauf zu diesem Album auf seinem Blog verkündete, nie mehr in Clubs zu spielen. Dabei ist das Hadern mit dem musikalischen Desinteresse der Tänzer, den resultierenden engen Schranken des Formats bekanntermaßen seit 20 Jahren Begleiter seines Schaffens. Genauso wie das Hadern mit der Rhythmus-Ignoranz und dem Elitismus der Akademia, in deren Parallelwelt man ihn vor allem als Komponist für Werke des Schweizer Choreographen Gilles Jobin kennt, und natürlich als Proponent der Musikprogrammiersprache Kyma. Vor ein paar Jahren zog er sich schließlich, frustriert von der allgemeinen Entwertung von Studioproduktion, auf Experimente mit Mikro-Editionen zurück. Nach seinem Umzug nach Berlin fand er zum Glück bei Shitkatapult ein Labelzuhause, an dem auch der gemeine Seelenverwandte seinen Durst stillen kann. »The Inertials« erschien dort vor zwei Jahren, der gereifte, klassische Sound von Cristian Vogel wurde warm empfangen. »Polyphonic Beings« macht dort weiter. Abgeholt werden wir in flirrendem Berlin-Dub. Im Schatten der Hochbahnstreben zucken Hoover-Sounds vorbei wie Graffiti, dann geht es ins Dunkel. »How Many Grapes Went Into That Wine« ist ein spektraler Workout, epischer Spiegel von »Spectral Transgression« auf dem Vorgänger, in denen sich außerirdische Farbobjekte so lange biegen, bis sie sich als verzauberte Engel offenbaren. Gegenläufige Rhythmen bohren sich in labyrinthische Hallräume aus Wasser, versinken plötzlich in Löchern. Gemeinsam kämpfen sich Zirpen und Extremdehnung voran durch Elektro und Vierviertel, landen unvermittelt auf einer Opernwaldlichtung. Vinylexklusiv verläuft Percussion sich im Spiegelgarten, grüßt eine eiernde Fläche leise aus dem Totenreich. Ein verstimmtes Piano räkelt sich am Ende in Regen und Windgeheul, taucht lockend weg. Im letzten Moment holt uns, längst orientierungslos und willenlos, ein Japaner ans Licht. Fast allen Sounds eignet hier etwas Geisterhaftes an, so filtergekämmt sind diese »vielstimmigen Wesen«, und der durchgehende Puls entführt nicht auf den Floor, sondern in ein Headspace-Abenteuer, wie es so flüssig morphend, so organisch funky, so alien technoid nur einer kann.

Das Album »Polyphonic Beings« von Cristian Vogel findest du demnächst bei hhv.de.
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