Music Review | verfasst 18.09.2015
Synkro
Changes
Apollo, 2015
Text Kristoffer Cornils , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
5.6
Redaktion
Cover Synkro - Changes

Kann ja kein Zufall sein, dass Synkros Debütalbum nur drei Tage vor Herbstanfang in die Crates rutscht und obendrein noch »Changes« heißt. Während die ersten Blätter von den Bäumen flattern, entfaltet sich Joe McBrides beseelter Burial-Substitut-Sound nämlich in seiner vollen dunkelbunten Pracht. Das Residual-Dubstep/Drum’n’Bass-Amalgam des Manchester Produzenten vereint seit fast einem Jahrzehnt schwerelose Flächen mit bedeutungsschweren Andeutungen, die zwischen Entfremdelung und Heimeligkeit balancieren. So auch auf »Changes«, über dessen sich mächtig ausbreitenden Bässen McBride assoziative Satzfetzen wie »world can wait« croont, gepitchte Soul-Vocals jagt oder sattes Vinylknistern schickt. Die Referenzhölle wird zum unterkühlten Sehnsuchtsort und Synkro bleibt auch nach gut 40 Releases die introvertierteste Rampensau der britischen Bass-Musik. Dass die volle Ladung Melancholie nah an der Überdosis liegt, wird jedoch auf Albumlänge mehr als offensichtlich. Zwischen all dem dichten, verrauschten Ambient-Gewaber braucht »Changes« schon mal einen zackigen Breakbeat mit zuckriger Hook wie auf »Body Close«, um nicht im schwarzen Saft zu versumpfen. Was »Changes« allerdings definitiv nicht braucht, sind epigonale Tracks wie »Let Me Go« (Burial-Frühphase) oder »Midnight Sun« (Boards Of Canada-Spätphase), die leider allzu offensichtlich aussprechen, dass McBrides Sounds zwar majestätisch schweben, nicht jedoch im luftleeren Raum. »Changes« überlässt wenig dem Zufall und verliert sich gerade dadurch in Wahllosigkeiten. Der Effekt schiebt sich vor ein papierdünnes Konzept. Vielleicht war das für McBride notwendig, nachdem er zwei Jahre vor allem als Teil des sich mysteriös gebenden Düster-Techno-Duos Akkord rezipiert wurde, vielleicht legt sich das so galant auf den Herbstanfang wie ein vergilbtes Blatt auf den nassen Asphalt. Allerdings hat Synkro schon zu oft mit echter Dringlichkeit brilliert, als dass ihm die breitgezogene Schwammigkeit von »Changes« wirklich gut stünde.

Das Album »Changes« von Synkro findest du bei hhv.de: 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 10.10.2013
Synkro & Indigo
Zusammentreffen in der kollektiven Mitte
Mit einer breiten Flut von Releases haben die vielschichtigen Produzenten Synkro und Indigo ihre unterschiedlichen Einflüsse auf einen gemeinsamen Nenner bringen können und umgehen damit bewusst jede Fixierung auf bestimmte Stilrichtungen.
Music Review | verfasst 12.02.2013
Synkro
Acceptance EP
Synkro knüpft an sein Kiyoko-Projekt an und liefert akustischen Seelenbalsam vom Feinsten.
Music Review | verfasst 14.01.2014
Synkro
Lost Here EP
Schon längst hätte man Synkro den Süßholzraspler der elektronischen Musik nennen können, ab sofort müssen wir.
Music Review | verfasst 21.04.2015
Drew Lustman
The Crystal Cowboy
Anders als es der Titel »The Crystal Cowboy« suggeriert kommt dieses Album ohne Überbau aus: Sein Konzept ist, dass es keins hat.
Music Review | verfasst 04.05.2015
Peder Mannerfelt
The Swedish Congo Record
Peder Mannerfelts »The Swedish Congo Record«ist stark tribalistisch, repetitiv und rituell.
Music Review | verfasst 02.07.2015
Bradien + Eduard Escoffet
Escala
Die katalanische Band Bardien hat sich für »Escala« erneut mit dem Dichter Eduard Escoffet zusammengetan.
Music Review
Naná Vasconcelos with Agustín Pereyra Lucena
The Incredible Nana
Das 1971 eingespielte Debüt des brasilianischen Percussionisten Naná Vasconcelos »The Incredible Nana« wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Kangding Ray
61 Mirrors / Music for SKALAR
Kangding Rays Musik für SKALAR, seine gemeinsame A/V-Installation mit Christopher Bauder, funktioniert prächtig als alleinstehendes Album.
Music Review
Felbm
Tape 3 & 4
Der Niederländer Felbm veröffentlicht mit »Tape 3 & 4« vierzehn unaufgeregte Jazzminiaturen auf Soundway.
Music Review
Loscil
coast/range/arc//
Das 2011 erschienene Album »coast/range/arc//« von Loscil führte durch frostige Bergwelten. Kranky hat es in erweiterter Form neu aufgelegt.
Music Review
Public Enemy
What You Gonna Do When The Grid Goes Down?
Kein bisschen leise: Public Enemy sind zurück auf Def Jam legen mit »What You Gonna Do When The Grid Goes Down?« ihr 15. Studioalbum vor.
Music Review
Machinedrum
A View Of U
Machinedrum ist weiterhin auf der Suche nach der Erleuchtung durch Trips. »A View Of U« ist wiederum keine Offenbarung.
Music Review
Minoru Fushimi
Hakodate Lady
»Hakodate Lady«, 1983 veröffentlichter, vielleicht wichtigster Release von Minoru Fushimi, wurde jetzt bei Left Ear wiederveröffentlicht.
Music Review
Ryo Fukui
A Letter From Slowboat
Dass es nun ein Reissue von »A Letter From Slowboat« gibt, dürfte zumindest Jazzkenner freuen und Ryo Fukui mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Music Review
Ryo Fukui
Ryo Fukui In New York
Ursprünglich 1999 veröffentlicht, hat We Release Jazz jetzt eine Neuauflage von »Ryo Fukui In New York« von Ryo Fukui veröffentlicht.
Music Review
Oliver Coates
Skins N Slime
Der Cellist Oliver Coates ist so eine Art Wi9edergänger von Arthur Russell. Jetzt hat er mit »Skins N Slime« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik Vol.4
»Deutsche Elektronische Musik Vol.4« gibt einen Überblick über die Vorzüge vernachlässigter, deutscher Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
The Budos Band
Long In The Tooth
Mit »Long In The Tooth« von The Budos Band könnte man wohl vorzüglich auf den ledrigen Schwingen eines Dämons durch die Unterwelt gleiten.
Music Review
Kevin Morby
Sundowner
Americana im besten Sinne des Wortes: Zum neuen Album »Sundowner« des großartigen amerikanischen Songwriters Kevin Morby.
Music Review
Various Artists
All Things Considered Vol.1
Die Compilation »All Things Considered Vol. 1« entführt für 38 Minuten in eine Welt, in der nur grüner Tee und die Kopfhörer zählen.
Music Review
Autechre
SIGN
»SIGN« ist das erste Album seit von Autechre seit 2013 und die Musik darauf ist so unmittelbar faszinierend, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Music Review
Nas
King's Disease
»King’s Disease« ist keine von #BLM inspirierte Gospelchor-Klischee-Sause auf die Black Culture, sondern das beste Nas-Album seit Jahren.
Music Review
Mrs. Piss (Chelsea Wolfe & Jess Gowrie)
Self-Surgery
»Self-SurgeryÍ von Mrs. Piss ist ein Album, dass die kollektive Gesamtscheiße des Jahres einfängt, absticht, vierteilt und verheizt.
Music Review
Culk
Zerstreuen über euch
Die Wiener Band CULK macht mit ihrer zweiten LP »Zerstreuen über euch« den Namen zum Programm und klingen obendrein noch mitreißend.
Music Review
El Mago
Kanénas
»Kanénas«, das Debüt von El Mago, verkabelt deutsche Elektronik mit griechischer Volksmusik. Ein bisschen Mystizismus gibt’s oben drauf.
Music Review
Eartheater
Phoenix: Flames Are Dew Upon My Skin
Mit »Phoenix: Flames Are Dew Upon My Skin« liefert Eartheater ihr wohl konventionellstes und damit merkwürdigstes Album ab.
Music Review
Future Islands
As Long As You Are
Es nicht verfehlt zu sagen, dass »As Long As Your Are«, das neue Album von Future Islands, auch ein politisches Album geworden ist.
Music Review
Sufjan Stevens
The Ascention
»The Ascension«, das neue Album von Sufjan Stevens, ist ein achtzigminütiger Aufstieg. Oben angekommen, ist die Welt wieder gut. Fast.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Alessandro Alessandroni
Das selbstbetitelte Album von Alessandro Alessandroni aus dem Jahr 1971 wurde jetzt bei Sonor Music Editions wiederveröffentlicht.
Music Review
The Gaslamp Killer
Heart Math
The Gaslamp Killer ist einer der wichtigsten musikalischen Akteure im Großraum Los Angeles. Jetzt hat er mit ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Piry Reis
Piry Reis
Die zuerst 1980 veröffentlichte, zweite Langspielplatte des brasilianischen Songwriters Piry Reis wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Too Much Future: Punkrock GDR 1980-1989
Im Übungsraum und bei Konzerten mitgeschnitten zeugt »Too Much Future: Punkrock GDR 1980-1989« von der Vitalität der ostdeutschen Punkszene.
Music Review
Zombies In Miami
2712
Das mexikanische Duo Zombies In Miami legt auf Permanent Vacation ihr gleichermaßen hohärentes wie facettenreiches Debütalbum »2712« vor.
Music Review
Mammal Hands
Captured Spirits
Die Musik von Mammal Hands schwillt gerne an. Darin liegt dann auch die Schnittmenge von Pop und Rave. Nachzuhören auf »Captured Spirits«.
Music Review
Carlos Nino & Miguel Atwood-Ferguson
Chicago Waves
»Chicago Waves« ist die Dokumentation eines improvisierten Auftritts der kalifornischen Musiker Carlos Nino und Miguel Atwood-Ferguson.
Music Review
Róisín Murphy
Róisín Machine
Róisín Murphy weiß mit ihrer Musik Indie-Kids und Dance-Fraktion wie keine Zweite zu einen. So auch auf »Róisín Machine«.
Music Review
Khotin
Finds You Well
Elektronische Musik für die grauen Tage: Khotin hat seiun neues Album »Finds You Well« auf Ghostly International veröffentlicht.
Music Review
Hareton Salvanini
Xavana, Uma Ilha Do Amor
Mad About legt den Soundtrack zu »Xavana, Uma Ilha Do Amor« des brasilianischen Komponisten Hareton Salvanini neu auf.
Music Review
Osees
Protean Threat
»Protean Threat« von Osees (auch bekannt als Thee Oh Sees) ist eine Platte für Leute, die sich noch Nietengürtel um die Hose schnallen.
Music Review
Anna von Hausswolff
All Thoughts Fly
Wolkengebirge bis in den Kosmos, Höllenkreise ohne Auswege: Anna von Hauswolffs fünftes Album »All Thoughts Fly« ist erschienen.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Arca
&&&&&
Start des Postgenres: Arcas »&&&&&« war Prototyp für die Generation Deconstructed Clubmusic.
Music Review
Suso Sáiz & Suzanne Kraft
Between No Things
Auf dem Album »Between No Things« haben sich die Musiker Suso Sáiz und Suzanne Kraft für neun Meditationen zusammengetan.
Music Review
Drew McDowall
Agalma
Unwirkliche Räume modulierter Schönheit: Coils Drew McDowall veröffentlicht mit »Algama« einen neues Album.
Music Review
Nicolas Jaar
Cenizas
Mit »Cenizas« baut Nicolas Jaar weiter an seinem Bild vom großen Komponisten unter den Laptopmusikern.
Music Review
Little Brother
May The Lord Watch
»May the Lord Watch«, das Comeback-Album von Little Brother ist absolut nicht zeitgemäß, aber davon völlig unbekümmert.
Music Review
The Heliocentrics
Telemetric Sounds
»Telemetric Sounds«, das zweite Album von The Heliocentrics binnen eines Jahres ist dunkler, wütender, getriebener und dreckiger.