Music Review | verfasst 14.06.2016
Wolf Müller & Cass.
The Sound Of The Glades
International Feel, 2016
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Wolf Müller & Cass. - The Sound Of The Glades

Jan Schulte alias Wolf Müller klappert gerne mit allerhand Gerät oder macht Acid House mit Maultrommeln. Cass. hingegen macht zärtliche Ambient-Musik, die immer nah am Pop agiert. Jetzt haben die beiden ein Album aufgenommen, auf dem sie ihre widersprüchlichen Kernkompetenzen zu wunderschön rhythmischer Schwurbelmusik vereinen. »The Sound Of The Glades« tastet sich mit sanften Flächen und kuriosen Grooves in Trance. Ähnlich wie zuletzt Wilson Tanner oder die auf die Kollaboration vorausgegangenen International Feel-Alben von Len Leise und CFCF ist das hier Chillout- und Yogamusik, der Soundtrack für abgehangenen Feierabendeskapismus und auf den ersten Blick nicht viel mehr. Schulte und Niklas Rehme-Schlüter, wie Cass. bürgerlich heißt, verlieren sich aber weder in balearischen Klischees noch selbstgenügsamen Empfindlichkeiten. Sondern sie spielen sich Soundscapes zusammen, die Realräume aufrufen. Das tun sie mit recht eindeutigen Mitteln wie tropischen Feldaufnahmen – exotische Vögel, ein dezentes Plätschern, fertig ist die Readymade-Atmosphäre – und weniger eindeutigen Mitteln wie etwa Schultes auf für westliche Ohren eher ungewöhnlich klingende perkussive Instrumente, deren bauchige Klänge mehr Raum aufmachen, als sie einnehmen. Viel spannender, weil so wahnsinnig unspannend beziehungsweise entspannend, ist indes das, was darunter vor sich geht: Frei nach Brian Enos Ambient-Diktat von einer Musik, die genauso leicht zu ignorieren sein sollte wie sie unsere Aufmerksamkeit bei der Stange zu halten vermag, schaffen die subtilen und behäbigen Texturen Cass.‘ eine bewegliche Szenerie. »The Sound Of The Glades« funktioniert prächtig als leicht zu konsumierendes Räucherstäbchen-Ambient-Album. Wolf Müller und Cass. ist damit aber auch ein erzählerisches Coup angedeutet, in seinem unterschwelligen magischen Realismus vergleichbar mit einem Erzähler, dessen Name auch einem der fünf Tracks seinen Titel verleihte: »Miyazaki«. Der beste Soundtrack für den subtropischen Ghibli-Film, den sich bisher noch niemand ausgedacht hat.

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