Music Review | verfasst 16.11.2016
Duke Hugh
Canvas - 12"
Rhythm Section International, 2016
Text Steffen Kolberg
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6.4
Redaktion
Cover Duke Hugh - Canvas - 12"

Das Londoner Label Rhythm Section International widmet sich seit 2014 der Aufgabe, relaxte Samstagnachmittags-Sounds zwischen Boom Bap, Hip-Hop-Breaks und House unter die Leute zu bringen. Nicht, dass das vorher nicht schon andere taten, aber vielleicht noch niemand aus Peckham. Dort ist man stilsicher unterwegs, kleidet die Platten in schicke, reduziert gestaltete, einheitliche Verpackungen und setzt mit Al Dobson Jr. und Henry Wu auch von Anfang an auf die richtigen Namen. Das »International« im Namen verpflichtet aber auch, über den Tellerrand der Rye Lane hinauszuschauen, und so wird die Rhythmussektion ständig um Beatbastler und Produzenten aus aller Welt erweitert. Zuletzt geschehen mit einem gewissen Duke Hugh aus Groningen in den Niederlanden. Der J Dilla-Verehrer mischt auf »Canvas« rollende Bassläufe mit Gitarrengeklimper und warmen Synthesizer- und Rhodes-Flächen. Das passt alles wunderbar zusammen und geht gut ins Ohr, bleibt die meiste Zeit knackig und funky im Boom Bap, bekommt manchmal etwas mehr Tiefgang und Wärme, wie bei »Home« oder »2005«, das stark an vergangene Chillwave-Zeiten erinnert. Dann gibt es da noch »Your Number«: So groovy, so broken, so Rhodes-unterlegt, dass man sofort an Zeiten erinnert wird, zu denen Peckham nicht die geringste Rolle im Londoner Musikleben spielte und Ninja Tune noch alles lieferte, was wichtig war. Man braucht trotzdem bis zum vorletzten Track »Believe«, um festzustellen, wonach die ganze Sache hier riecht: Nach schon mal da gewesen, nach ebenjenem innovativen Londoner Label Ninja Tune um die Jahrtausendwende nämlich, als der heiße Scheiß von Mr. Scruff, Wagon Christ und Bonobo kam – und von überm großen Teich her natürlich von J Dilla himself. War schön damals, klingt heute aber irgendwie nicht mehr up to date.

Die 12inch »Canvas« von Duke Hugh ist bei Rhythm Section International erschienen.
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