Es gibt nur wenige Künstler:innen, die Ambient so körperlich denken wie Anenon. Der in Los Angeles lebende Produzent, Komponist und Saxophonist Brian Allen Simon verbindet Sphärisches mit Jazz und Field Recordings. Entscheidend aber ist die Methode. Die Klänge werden nicht maschinell konstruiert, sondern vom Künstler selbst durch Bewegung und Atmung geformt. Genau diese körperliche Herangehensweise verleiht ihnen ihre besondere, unverkennbar Simon-typische Wirkung.
Unter seinem Alias Anenon hat er bereits für Petrol (2016), Tongue (2018) und Moons Melt Milk Light (2023) viel Zuspruch erfahren. Während letzteres ein bewusst reduzierter, rein akustischer Rückzug war, wendet sich sein neuestes Werk, Dream Temperature, wieder stärker der Elektronik zu.

Dream Temperature Transparent Clear Vinyl Edition
Wenn der Synthesizer zu atmen beginnt
Im Zentrum steht ein Wind-Synthesizer. Simon spielt ihn wie ein Blasinstrument. Atem, Druck und Timing bestimmen die Klangform, wodurch Synthesizerklänge nicht programmiert, sondern tatsächlich performt werden. Diese Arbeitsweise verleiht der Musik eine unmittelbare Körperlichkeit: Die Töne wirken fragil, beweglich und ausgefüllt mit einer Art Eigenleben. Elektronische und akustische Elemente greifen ineinander, werden gleichwertig behandelt und zu dichten, aber durchlässigen Klangräumen verwoben.
Die im Ergebnis dann digital verfremdeten Bläserklänge verwebt Simon mit Klavier, Saxophon und Field Recordings zu beinahe anfassbaren Soundlandschaften. Orte wie Sardinien, Japan oder Los Angeles werden über akustische Fragmente angedeutet, ohne sich je auszuformen. Wie Erinnerungen, die sich ins Jetzt schieben. Zwischen allem Stille: So dass der Gedankenfluss der Zuhörenden die Orte und Gegensätze verbinden darf.
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