Black Milk – Der Sound von Detroit

26.07.2011
Foto:Tobias Hoffmann / PhyreWorX
Ein vielversprechendes Jahr für Black Milk. Erst gemeinsam mit Jack White ein paar Schlagzeilen in der Indiepresse gesät und fast zeitgleich die Rapherzen mit Random Axe beglückt. Zeit für ein Gespräch unter vier Augen.

Black Milk steht in der ersten Reihe der Rapper und Produzenten, die dafür sorgen, dass der Glanz von Detroit als HipHop-Metropole auch in der Post-Yancey’schen Ära nicht einstaubt. Obwohl sich seine Arbeit deutlich von dem Werk Jay Dees unterscheidet, wird dessen Name durch die Zusammenarbeit bei Slum Village für immer mit Black Milk verknüpft. Auf dem letztjährigen Wurf, mit dem nicht gerade bescheidenen Titel Album Of The Year, fügte dieser seiner samplebasierten Produktion ein paar Live-Instrumente hinzu und schlug den Weg in Richtung Genrefusion ein. Passend dazu klopfte dieses Jahr Jack White vom Geschwisterdoppel White Stripes für eine ungewöhnliche Kollaboration an, deren Ergebnis vor zwei Wochen auf 7inch erschien. Alle bisherigen Projekte verblassen allerdings angesichts des Dreigespanns schweren Kalibers, das sich dieses Jahr zusammen gefunden hat. Guilty Simpson, Sean Price und Black Milk verpackten unter der Bezeichnung Random Axe nicht gerade leicht verdauliche Kost. Ein viel versprechendes Jahr für Curtis Cross. Zeit, ein Gespräch unter vier Augen zu führen über das Projekt Random Axe, das Label Duck Down und seine Heimatstadt Detroit.

Random Axe wird in Europa schon sehr gefeiert. Denkst du, das Album wird hier ein größerer Erfolg als in den Staaten?
Black Milk: Nicht nur Random Axe, sondern fast alle Sachen, die im Hip Hop auf dem Independent Level rauskommen, haben hier mehr Erfolg als in den Staaten. Random Axe hatte einen guten Start diese Woche. Es wurde viel darüber geredet, also werden wir sehen, wie es läuft, wenn wir auf der Tour hierher kommen.

Mit Guilty warst du schon zusammen im Studio. Was war dieses Mal anders an der Zusammenarbeit?
Black Milk: Ich denke, wir haben uns beide als Künstler weiter entwickelt. Guilty ist als MC gereift und ich bin heute ein besserer Produzent als auf Popular Demand. Unsere Schwerter sind um einiges schärfer geworden.

»Er hat mir ein paar Tracks geschickt und meinte, es wäre für ihn eine Ehre. Ich dachte mir nur: »What the fuck«, du bist Buckshot, ich will mit dir arbeiten!« (Black Milk)

Wie lief die Zusammenarbeit am Projekt? Wart ihr die ganze Zeit zusammen im Studio?
Black Milk: Sean P kam zu mehreren Konzertanlässen nach Detroit geflogen. Ich habe die Beats fertig gestellt und Sean hat seine Verse darüber gerappt. Die Hälfte des Albums besteht aus Beats, die ich für Random Axe produziert habe. Dann habe ich das Ganze arrangiert und zusammengestellt. Das Ergebnis ist besser, als ich gedacht hätte. Leider hatte ich nicht so viel Material als Basis, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber die Chemie zwischen Guilty, Sean und mir hat gestimmt und das Projekt ist wirklich gut geworden.

Es ging das Gerücht um, du hättest eine Menge Material vom Random-Axe-Album verloren und damit zur Verzögerung des Releases beigetragen. Ist da was dran?
Black Milk: Nein, das stimmt nicht. Das Gerücht, ich hätte die Hälfte des Albums gelöscht, ist falsch. Ich habe eigentlich nur einen Vocal verloren, zu einer Zeit, als wir nur zwei oder drei Vocals hatten. Es war also nicht mal annähernd die Hälfte…

Da du jetzt ein Album mit Sean Price gemacht hast, gibt es irgendwelche Pläne für Projekte mit anderen Boot Camp-Mitgliedern?
Black Milk: Duck Down hat auf jeden Fall eine Menge großartige Künstler. Ich habe letztens mit Buckshot über eine Release Party für Random Axe in New York gesprochen. Er hat mir ein paar Tracks geschickt und meinte, es wäre für ihn eine Ehre. Ich dachte mir nur: »What the fuck«, du bist Buckshot, ich will mit dir arbeiten! Ich werde auf jeden Fall ein paar Beats mit nach drüben bringen für Künstler wie Buckshot oder Rock. Duck Down ist für viele großartige Projekte verantwortlich. Das ist ein Label, eine Gruppe an Musikern, die versuchen, den Sound »raw« zu halten und das besondere Gefühl von Hip Hop zu transportieren.

Wenn man auf Detroit blickt, wie schätzt du das Standing der Stadt in der HipHop-Szene heute ein?
Black Milk: †¨Ich denke, die HipHop-Szene in Detroit entwickelt sich qualitativ immer weiter. Die Künstler in Detroit, zu denen ich gehöre, wollen immer weiter kommen und besser sein als die an der Spitze. Wir sind ziemlich auf Wettbewerb aus. Wir beobachten die anderen Musiker und sehen zu, dass wir auf unserem Kurs bleiben und das Richtige tun. Wir wollen die besten MCs und Producer sein und innovativ bleiben. Ich denke, das zeigt sich über die Musik, deswegen erkennen viele Leute das an, was wir tun. Bei uns kommt stets die Musik an erster Stelle, nicht das Geld. Daher ist die Szene in Detroit ziemlich konsistent. Viele Sachen, die veröffentlicht werden, haben einen gewissen Sound mit einer gewissen Qualität. Wir MCs und Produzenten aus Detroit nehmen unsere Arbeit ziemlich ernst.

Du hast auch schon mit Royce da 5’9″ gearbeitet. Was sagst du zum neuen Bad Meets Evil-Album?
Black Milk: Das Album ist lyrisch sehr heftig! Es gab einige Stellen, die mir echt die Sprache verschlagen haben und bei denen ich mich gefragt habe, wie die beiden so reimen können und mit diesen Mustern aufkommen. Eminem und Royce sind eine perfekte Kombination und Royce ist zur Zeit mein liebster MC.

»Bei uns kommt immer die Musik an erster Stelle, nicht das Geld. Viele Sachen, die raus kommen, haben einen gewissen Sound mit einer gewissen Qualität.« (Black Milk)

Über die Jahre hast du deine Art der Produktion stetig entwickelt. Denkst du manchmal darüber nach, etwas ganz anderes zu produzieren oder die MPC gegen anderes Equipment auszutauschen?
Black Milk: (lacht) Also die MPC werde ich definitiv nicht aufgeben, aber meine Musik wird in der Zukunft auf jeden Fall live-orientierter sein. Auf Album Of The Year habe ich viele Musiker miteinbezogen. Seit Tronic, also seit zwei oder drei Jahren bin ich immer mit meiner Band unterwegs. Ich versuche, das Live-Element in der Musik zu erhalten. Ich habe ein paar Instrumentalprojekte in Planung, z.B. eine Serie mit dem Titel Fuzz, Freqs and Colors. Ich habe viele Ideen für Instrumental-Alben, die ich gerne realisieren würde, damit die Leute sie hören können.

Mit der Jack White-Kollaboration und dem Random Axe-Projekt dieses Jahr, bleibt da überhaupt noch Zeit, um an einem neuen Soloalbum zu arbeiten?
Black Milk: Dieses Jahr werde ich wohl kein Soloalbum mehr veröffentlichen können, aber hoffentlich nächstes Jahr. Das ist der Plan. Ich versuche, die Zeit zum Aufnehmen zu finden, da ich die ganze Zeit unterwegs bin und die anderen Projekte fertig stelle, Random Axe und kleinere Sachen. Also hoffentlich kann ich bald ins Studio und herausfinden, welchen Sound ich bei den Beats einschlagen möchte.

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